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Verein und werbende Firmen verurteilen illegale Aktion in Güstrow : FC Hansa empört über Plakat-Missbrauch

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Ein Werbeplakat des FC Hansa missbraucht und beschädigt: Die illegale Plakataktion, zum Anheizen der Polemik um das Asylbewerberheim in Dettmannsdorf geeignet, sorgt für Aufsehen und Entsetzen.

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erstellt am 15.Apr.2013 | 07:06 Uhr

güstrow | Eine illegale Plakataktion, zum Anheizen der Polemik um das Asylbewerberheim in Dettmannsdorf geeignet, sorgt für Aufsehen und Entsetzen in der Barlachstadt und überregional. Am Werbeturm eingangs der B103, auffällig sichtbar für aus Rostock und von der A19 kommende Autofahrer, prangte gestern früh ein schwarz-weiß-rotes Banner mit der Aufschrift "Dettmannsdorf sagt nein. Wir wollen kein Asylantenheim". Wer das Banner, acht Meter lang und anderthalb Meter hoch, aufgehängt hat, ist nicht bekannt. Bei der Aktion wurde ein Teil eines großen Werbeplakates des FC Hansa Rostock überhängt, dabei an mehreren Stellen zerschnitten, um mit Kabelbindern die fremdenfeindliche Botschaft anzubringen. Sachschaden laut Betreiber: rund 1000 Euro. Die Kriminalpolizei ermittelt.

Die Reaktion des Fußballvereins ist eindeutig. "Der F.C. Hansa Rostock distanziert sich ausdrücklich von diesem Plakat. Wir stehen für Toleranz, Weltoffenheit und gelebte Integration! Wir werden es nicht hinnehmen, dass wir als Plattform für politische Botschaften missbraucht werden und mit Hilfe der Polizei dagegen vorgehen", erklärt Rainer Friedrich, Vorstand für Prävention und Stadionmanagement des F.C. Hansa Rostock.

Strafanzeige stellt der Betreiber des Werbeturms, die Bigblock Media GmbH aus Elmenhorst. "Das ist illegale Guerillawerbung, das ist geschäftsschädigend für Hansa und die anderen", begründet Geschäftsführer Lutz Hoffmann, der das illegal angebrachte Banner am Vormittag entfernen ließ. "Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern, aber nicht anderen Schaden zuzufügen", erklärt Ramona Boeckmann, die mit ihrem Hausbau-Unternehmen an der Rückseite des Turms wirbt. "Das gehört sich nicht. Wer für etwas werben will, soll sich gefälligst eine Fläche mieten." Auch Möbel Boss, der sich mit Hansa die Fläche teilt, distanziert sich "in aller Form" von der Aktion. "Schrecklich, wenn so der Eindruck vermittelt werden soll, dass in Güstrow nur Rechte leben würden. Wir heißen das nicht gut", sagt Marktleiter Volker Best.

"Die schäbige Plakatierung macht mich sehr betroffen", schreibt Andreas Brunotte, 1. Stadtrat, "denn wir stehen in der rechtlichen und mitmenschlichen Pflicht den Flüchtlingen die Inanspruchnahme des Asylrechts zu ermöglichen. Wir haben dafür zu sorgen, dass die Asylbewerber versorgt, geschützt und auch geachtet werden. Die Versorgung und der Schutz der Asylbewerber ist Aufgabe der staatlichen Behörden und Einrichtungen. Es bleibt für jedermann die Akzeptanz und die Achtung der Asylbewerber. Das schäbige Plakat hat hoffentlich nicht nur bei mir, sondern bei vielen anderen zur Folge, dass wir auf die Asylbewerber zugehen werden und ihnen Unterstützung anbieten. Wir sollten nicht vergessen, dass die Asylbewerber aus ihrer Heimat geflohen sind und unsere Hilfe benötigen."

Unterdessen liegt die Baugenehmigung für das Heim vor, bestätigte gestern der Landkreis auf Nachfrage. Die ersten der geplant 124 Asylbewerber werden allerdings nicht mehr im April dort einziehen. Die Bedingungen reichten dafür nicht aus. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

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