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Ins Atelier geschaut : Faible für große Bilder und Bahnhöfe

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Malerin Anja Brachmann aus Groß Köthel

svz.de von
erstellt am 17.Aug.2014 | 23:30 Uhr

Den Feldweg, der am Ortseingangsschild von Groß Köthel in eine dicht bewachsene grüne Oase führt, übersieht man leicht. Hinter hohen Bäumen befindet sich das Refugium der Malerin Anja Brachmann, das ihr Raum zum Leben, Arbeiten und Erholen gibt und gleichzeitig so manches Motiv liefert. Der Bungalow neben dem Wohnhaus, den sie sich als Atelier eingerichtet hat, war früher eine kleine Werkstatt, davor möglicherweise eine Ferienwohnung.


Zum Malen schon mal Leiter notwendig


„Sehr oft male ich in der Natur, die mir so manche Anregung gibt“, sagt die 31-Jährige. Und die ihr den Raum für großformatige Arbeiten bietet. In der gegenwärtig auf Rügen laufenden Ausstellung des Künstlerbundes Mecklenburg-Vorpommern mit dem Titel „Ins Blaue“ ist Anja Brachmann mit drei Werken vertreten: Für „Ins Grüne“ flossen Motive ihres Gartens ein, in „Küste“ zeigt sie eine Landschaft am Meer und in „Stufen“ verarbeitet Anja Brachmann die Treppenkonstellation eines anderen Bildes. Das aber im großen Format. „Das Bild misst drei mal 1,50 Meter. Um es zu malen, musste ich eine Leiter verwenden. Und wir hatten schon einige Mühe, um es auf die Insel Rügen zu bringen“, erzählt die Malerin. Auch ein anderes großformatiges Bild, das einen Bahnhof in Prag darstellt, bereitet Probleme. „Das habe ich für die diesjährige Pfingstaktion ‚Kunst: offen’ im zweiten Stock des ehemaligen Kornspeichers vom hiesigen Gutshauses gezeigt. Beim Abbau der Ausstellung wussten wir plötzlich nicht mehr, wie wir das Bild über den verwinkelten Weg nach oben befördert hatten“, berichtet die Malerin, der die Lösung inzwischen wieder eingefallen ist. „Wir waren nicht zwei, sondern drei Leute. Da ging es“, schmunzelt sie.

Die großen Formate mag Anja Brachmann ebenso wie Bahnhöfe als Motive. Das Thema wählte sie für ihre Examensarbeit zum Abschluss ihres Lehramtstudiums Sport/Kunst an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. „Bahnhöfe faszinieren mich schon lange. Sie stehen für Ankommen und Wegfahren, für die Sehnsucht nach Ferne und Heimat, für Abschied und Wiedersehen“, sagt sie. Selten sind Menschen auf den Bahnhöfen der Anja Brachmann zu sehen, aber meisterhaft gelingt es ihr, mit wenigen Strichen die Melancholie, die über solchen Orten liegt, einzufangen. Das gilt auch für ihre Industriebrachen, ein zweites großes Thema, dem sich die Malerin widmet.


Industrielandschaften im Lung zu sehen


Gegenwärtig ist im Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Güstrow die Ausstellung „Industrielandschaften“ von Anja Brachmann zu sehen. „Da hatte ich erstmals die Möglichkeit, eine komplette Ausstellung zu diesem Thema zu gestalten“, sagt die Künstlerin, die an der Regionalen Schule Teterow als Lehrerin für Kunst tätig ist. „Das ist eine gute Konstellation. Ich arbeite gern mit Kindern, mag die Farbigkeit der Bilder, die sie malen, und erhalte manche Anregung“, bestätigt sie.


„Bilder male ich zum Anschauen“


Der „Doppelberuf“ verlangt aber auch Disziplin, um neue Werke zu schaffen. Anja Brachmann kann auf die Beteiligung an zahlreichen Ausstellungen verweisen. „Bilder male ich zum Anschauen, nicht für das Depot. Und mir ist die Meinung der Betrachter wichtig“, sagt sie.

Gegenwärtig bereitet sie Arbeiten für eine Ausstellung in der Rostocker Galerie „Amberg 13“ im kommenden Jahr vor. In den jetzt zu Ende gehenden Urlaubstagen entstanden vor allem Skizzen, kleine Zeichnungen und kleinformatige Bilder. „Das ist für mich die beste Erholung“, sagt Anja Brachmann.

 

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