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Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 01:24 Uhr

Fachbereich schließt, Standort bleibt

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erstellt am 03.Apr.2012 | 10:06 Uhr

Güstrow/Schwerin | Der Sprecher für ländliche Räume der Linksfraktion im Landtag, Fritz Tack, kritisiert das Vorhaben der Landesregierung, wonach die Ausbildung der Steuerbeamten des Landes ab neuem Studienjahr 2012 nicht mehr durch die Verwaltungsfachhochschule Güstrow sondern durch die Norddeutsche Akademie für Finanzen und Steuerrecht Hamburg erfolgen soll. Aus Sicht der Linksfraktion würde im Falle einer Schließung des Fachbereichs der Standort Güstrow geschwächt, so Tack, selbst wenn dort eine Außenstelle der Hamburger Akademie bestehen bliebe. Tack: "Dies steht auch im eklatanten Widerspruch zum erklärten Ziel der Landesregierung, die Fachhochschule Güs trow zu stärken." "Darüber hinaus widerlegt der Senat der Fachhochschule klar das Argument der Landesregierung, mit der Schließung würden Synergie-Effekte und Einsparungen erzielt", erklärt Tack weiter.

Sparmaßnahme: bald Außenstelle einer Hamburger Akademie

Die zum Teil erheblichen Bedenken der Studierenden, der Dozenten und des Senats gegen das Vorhaben seien sehr ernst zu nehmen. Die Linksfraktion beantragte daher mit der Fraktion der Bündnisgrünen im Landtag, dieses drängende Thema im Finanzausschuss zu erörtern. Das Ergebnis in der vergangenen Woche war für Tack ernüchternd. Denn es bleibe dabei, dass die Landesregierung heute endgültig darüber entscheiden will, so Tack. Als kleinen Erfolg für die Opposition wertet er allerdings, dass nach einem Jahr eine Einschätzung erfolgen soll, wie sich diese Entscheidung in der Praxis bewährt hat.

Prof. Dr. Bodo Wiegand-Hoffmeister, Direktor der Fachhochschule, bestätigt als Vorsitzender des Senats, dass der Senat einen kritischen Beschluss zu dieser Entscheidung gefasst hat. Ein Punkt war, dass ein Abschluss an der Akademie nicht auf Fachhochschulniveau erfolgt. Wiegand-Hoffmeister räumt aber auch ein, dass die Organisation einer solchen Ausbildung im Ermessen der Regierung liege, die Hochschule werde nur gehört und beteiligt, wenn es um Strukturveränderungen geht.

Stefan Bruhn, Sprecher des Finanzministeriums, stellt die Erklärung der Linksfraktion klar. Der Bereich Steuerverwaltung an der Verwaltungsfachhochschule Güstrow werde zwar geschlossen, aber der Standort bleibe und sei nicht gefährdet. "Daher ändert sich für die Studierenden in Güstrow nichts, auch nicht für die Dozenten. Der Unterricht und die Prüfungen finden weiter in Güstrow statt", betont Bruhn. Der Schritt mache aber trotzdem Sinn, weil Verwaltungskosten "in nicht unerheblicher Höhe" eingespart werden, so Bruhn. Das geschieht auf der Grundlage eines Verwaltungsabkommens zwischen Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern, bei der Steuerbeamtenausbildung in der Norddeutschen Akademie für Finanzen und Steuerrecht Hamburg zusammenzuarbeiten. Hintergrund: Angesichts der geringen Zahl an Nachwuchskräften sei eine eigenständige Ausbildung nicht mehr zu rechtfertigen. Deshalb diese Entscheidung. Bruhn verweist aber auch auf den Vorteil, dass durch den Austausch von Dozenten mehr Fachstunden gegeben und Fehlstunden vermieden werden können.

Für Studierende und Dozenten ändert sich nichts

Für die gegenwärtig in Güstrow Studierenden gibt es eine Übergangsregelung. Die Einstiegsjahrgänge 2010 und 2011 erhalten noch eine Diplomurkunde der Verwaltungsfachhochschule Güs trow. Bruhn bekräftigt, dass die Abschlüsse an der Akademie den gleichen Stellenwert haben werden wie der Güs trower. Der neue Abschluss werde bundeseinheitlich anerkannt und den Absolventen stehe damit jede Möglichkeit zu, in der Bundesrepublik in der Steuerverwaltung eingesetzt zu werden, so Bruhn.

Dass, was die Linkspolitiker als Einschnitt für die Fachhochschule sehen, erfolgt 21 Jahre nachdem das Studium am Güstrower Verwaltungsinstitut am 2. September 1991 begann. Die Steuerverwaltung nahm den Lehrbetrieb am 21. April 1992 auf und gehörte damit zu den Gründungsfachbereichen. Seitdem haben 902 Anwärter ihr Studium erfolgreich absolviert. Derzeit studieren 78 junge Menschen der Jahrgänge 2010 und 2011 dort und streben den Abschluss "Diplom-Finanzwirt" an.

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