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Ins Atelier geschaut : Experimente im einstigen Chemieraum

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ins Atelier geschaut: zu Gast bei der Zeichnerin, Grafikerin und Objektkünstlerin Christin Wilcken in Mühl Rosin

Neuste Errungenschaft der Zeichnerin, Grafikerin und Objektkünstlerin Christin Wilcken ist ein Atelier. Das teilt sie sich mit dem Fotografen Hans Bölkow. In dem geräumigen Raum in der Baracke der ehemaligen Mühl Rosiner Schule muss Chemie unterrichtet worden sein. An der Tür finden sich noch Regeln, wie sich die Schüler bei Experimenten zu verhalten haben.


„Zutaten“ für ihre Kunst aus dem Baumarkt


Das Experiment stellt auch einen wesentlichen Teil der Kunst von Christin Wilcken dar. Ihre Stoffe sind Papier, Kohle, Buntstifte, Graphit, Pigmente und gelegentlich eine MDF – eine mitteldiche Faserplatte – aus dem Baumarkt. Aus diesen Zutaten zaubert Christin Wilcken ihre Phantasiewelten. Die Titel ihrer Serien „Meer“, „Unter den Bäumen“ oder „Die großen Berge“ verraten ihre Vorliebe für Landschaften. Aber bei Christin Wilcken sind die Rapsfelder nicht gelb, die Wiesen nicht grün und das Meer nicht blau. Sie beschränkt – oder besser: konzentriert – sich auf Hell und Dunkel und auf eine Unmenge von dazwischen liegenden Grautönen. „Auch das ist Farbigkeit. Ich mag diese Töne, von denen Wärme, aber auch Strenge ausgehen. Gerade so, wie man es in einer Landschaft empfinden kann“, sagt sie.

Aktuell arbeitet Christin Wilcken an einer vom Künstlerbund Mecklenburg und Vorpommern initiierten Ausstellung „Ins Blaue“, die im Jahr der Romantik ab August an verschiedenen Orten der Insel Rügen installiert wird. Die Beteiligung daran ist für die gebürtige Güstrowerin Herzenssache. Studierte die 32-Jährige doch am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald Bildende Kunst, Schwerpunkt Zeichnen und Druckgrafik, und schloss ihre Ausbildung mit dem Bachelor of Arts und dem Master of Fine Arts ab. 2007 erhielt sie den Caspar-David-Friedrich-Preis. In ihrer Vita sind zahlreiche Stipendien und Förderungen aufgeführt. So arbeitete sie unter anderem in den Gästeateliers der Hansestadt Rostock, in Schweden, im Neuen Kunsthaus Ahrenshoop oder im Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf.

2013 führte sie ein Arbeitsstipendium der Stadt Linz ins Atelierhaus Salzamt, im Oktober dieses Jahres geht es für einen Monat nach Litauen. „Ich brauche beides: die Einsamkeit im Atelier und den Austausch mit anderen Künstlern“, sagt sie. Noch heute holt sie sich gelegentlich Rat bei ihrer Greifswalder Professorin.


Rügenausstellung und Litauenreise


Für ihre aktuelle Arbeit besinnt sich Christin Wilcken auf ihre Vorliebe zur Objektkunst. Ihre auf grau getöntem Papier entworfenen Landschaften kaschiert sie auf Elemente, die sie aus den Faserplatten gewonnen hat. So schafft sie Perspektive in ihre Arbeit und eröffnet sich die Möglichkeit, mit den Flächen und dem Ausstellungsraum zu experimentieren „Ich säge und schleife das Material selbst. Handwerkeln habe ich schon immer gemocht“, sagt die zierliche Frau. Die bei aller Zeit zur Reife, die schöpferische Prozesse erfordern, auf Termine achten muss.

Nach der Rügenausstellung und vor der Litauenreise will ihre ab September gezeigte Personalausstellung in der Kunstsammlung Neubrandenburg vorbereitet sein. „In fünf Räumen werde ich einen Querschnitt meines Schaffens zeigen. Es wird meine bisher umfangreichste Personalausstellung“, sagt sie und hofft, dass sich viele Rezipienten auf eine Reise in die Landschaften der Christin Wilcken einlassen.



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erstellt am 02.Jun.2014 | 06:00 Uhr

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