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Kontroverse Diskussion : Es rumort in den Frisiersalons

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kontroverse Diskussion um den Mindestlohn / Kreishandwerkerschaft lud zur Informationsveranstaltung ein / Nur geringes Interesse

svz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 06:00 Uhr

In den Frisiersalons rumort es. Seit sich die SPD in den Koalitionsgesprächen mit der Forderung nach einem flächendeckenden Mindestlohn durchsetzen konnte, haben die Diskussionen unter den Arbeitgebern im Friseurhandwerk zugenommen. Die Friseur-Innung in der Kreishandwerkerschaft hatte jetzt die Betreiber von Friseurbetrieben zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Wilfried Dobbertin von der Handwerkskammer Schwerin rechnete an Beispielen vor, wie hoch der erzielte Umsatz sein müsse, damit sich das Unternehmen wirtschaftlich trägt.

Seit dem 1. November vergangenen Jahres gilt für alle Friseur- und Kosmetiksalons ein gesetzlicher Mindestlohn von 6,50 Euro. Ausgehandelt wurde er zwischen dem Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks und der Gewerkschaft Verdi und für allgemein verbindlich erklärt. Dieser Mindestlohn wird sich im August 2015 auf 7,50 Euro und wieder ein Jahr später auf 8,50 Euro erhöhen.


Weniger Azubis und weiter Schwarzarbeit?


„Bisher gab es in den Betrieben eine weite Spanne. Es gab Mitarbeiter, die vier Euro die Stunde verdienten, aber auch Kollegen, die viel Umsatz brachten und sieben Euro die Stunde bekamen“, sagt Obermeisterin Ellen Lobzin, Geschäftsführerin der Haarstudio Güstrow GmbH. Diese Entlohnung nach Leistung falle durch den Mindestlohn weitgehend weg. „Der Lohn wird angeglichen, aber die Leistungen sind unterschiedlich“, sagt sie und sieht ein weiteres Problem bei der Übernahme von Lehrlingen. „Erfahrungen zeigen, dass es zwei Jahre braucht, bevor frisch gebackene Gesellen ihr volles Leistungsvermögen entwickeln. Die Betriebe werden nun wohl weniger Azubis übernehmen“, fürchtet sie. Verringert werden können die Probleme durch Preiserhöhungen, aber es gäbe in der Branche leider schwarze Schafe, die Dumpingpreise anbieten. Und ein Problem sei die Schwarzarbeit, die, so fürchtet die Obermeisterin, zunehmen werde, je höher die Preisspirale nach oben geschraubt werden müsse.

Eine Freundin der Mindestlöhne ist auch Evelyn Siebernik von der Friseur- und Kosmetik eG Bützow nicht. „Wir werden uns dieser Herausforderung stellen müssen. Der Eine wird gewinnen, der Andere verlieren“, sagt sie und befürchtet, als Unternehmerin auch unsoziale Entscheidungen treffen zu müssen.
Verpflichtet sind die Betriebe mit der Einführung des Mindestlohns auch, Stundennachweise für ihre Mitarbeiter zu führen. Kontrollorgan für die Einhaltung der gesetzlichen Festlegungen ist das Zollamt. Wobei diese Behörde vor allem prüfe, ob die laut Mindestlohn anfallenden Sozialabgaben entrichtet werden, informierte Wilfried Dobbertin.

Erstaunlich war trotz der Brisanz des Themas das relativ geringe Interesse an der Informationsveranstaltung. Von 72 Betrieben aus dem ehemaligen Landkreis Güstrow, die Martin Biemann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, eingeladen hatte, waren gerade mal die Vertreter von elf Firmen gekommen.














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