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Windenergie : Es reicht: von Windmühlen eingekreist

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Informationsveranstaltung zu geplanten Eignungsgebieten für Windkraftanlagen im Amt Bützow-Land / Bürger wollen sich wehren

Windräder so weit das Auge reicht. Viele Einwohner in Jürgenshagen haben von der Windenergie die Nase voll. Das machten sie und Einwohner aus weiteren Dörfern nördlich von Bützow jetzt auf einer Informationsveranstaltung in der Aula der Regionalen Schule Bernitt deutlich. Die Bürgermeister von Jürgenshagen, Bernitt, Klein Belitz und Penzin hatten dazu Gerd Schäde, Geschäftsführer des Regionalen Planungsverbandes Rostock, und Dezernent Matthias Plehn eingeladen. Sie sollten erklären, warum gerade im Amt Bützow-Land, insbesondere nördlich von Bützow bis hin zur Autobahn A20 so viele Windräder stehen und vor allem, warum jetzt noch weitere Eignungsgebiete dort ausgewiesen werden sollen.

Hintergrund: In der Fortschreibung des Raumentwicklungsprogramms für den Landkreis Rostock und die Hansestadt sind neben Klein Belitz (Eignungsgebiet 120) drei weitere ausgewiesen: Wokrent (118), Groß Gischow (131) und Reinstorf (132). Vor allem in Jürgenshagen ist der Widerstand groß. Jürgen Möller erzählte, dass er mittlerweile von Windrädern umgeben sei. „Nachts blinkt das Licht von 32 Windrädern. Bei tief stehender Sonne werfen die Flügel Schatten ins Zimmer, und wenn ich auf der Terrasse sitzen, habe ich die Geräusche der Rotoren.“ Wer ersetze den Wertverlust an seinem Haus, wer den Verlust an Lebensqualität, fragte er an Gerd Schäde gewandt.

Der räumte ein, dass das in der Vergangenheit nicht berücksichtigt wurde. Jetzt jedoch sei ein Gesetz in Arbeit, dass die Windparkbauer dazu auffordern soll, Gemeinden und Anwohner in einem Umkreis von fünf Kilometer mit mindestens 20 Prozent mit zu beteiligen. So könnten die Betroffenen zumindest als Investoren mitauftreten und auch Teile der Gewinne mit abschöpfen.

Kein ausreichendes Argument für die Gegner von noch mehr Windkraftanlagen in der Region. „Wir sind gegen die Einkreisung von Windkraftanlagen.“ Diesen Satz hörte man an diesem Abend immer wieder. Und die Frage, wer die Rahmenbedingungen festlege. Zum Beispiel die Abstandsflächenregelung. Derzeit müssen neue Windräder mindestens einen Abstand von 1000 Meter zu einer Siedlung und 800 Meter zu Einzelbebauungen aufweisen. Für Ulrich Bauer aus Kambs und ehemaligen Bürgermeister der Gemeinde, selbst von einem Eignungsgebiet betroffen, geht diese Reglung nicht weit genug. „Die Abstände müssen vergrößert werden“, sagte Bauer. Doch dafür seien nicht die Herren des Planungsverbandes zuständig, sondern die Politiker in Schwerin, argumentierte Bauer. So fordert auch Bernd Gähte aus Jürgenshagen, dass die Politik mehr das Interesse der Menschen im Auge behält. „Müssen wir erst auf der roten Liste stehen?“, fragte er und schob hinterher: „Jetzt reichts!“

Rückendeckung bekamen Gähte und die anderen Kritiker von Sebastian Constien. Der Landrat ist einer von 30 Mitglieder des Regionalen Planungsverbandes, die letztlich über den Entwurf zu entscheiden haben. Er ermuntert dazu, das die Gemeinden und jeder einzelne Bürger die Möglichkeit nutzt, jetzt im Rahmen des Beteiligungsverfahrens seinen Widerspruch anzuzeigen. „Ich sehe reale Chancen, zum Beispiel das Eignungsgebiet Reinstorf zu verhindern“, bezog Constien überraschend deutlich Stellung. Wichtig dabei seien gewichtige Argumente. Andererseits ermahnte der Landrat aber auch: „Richten Sie sich aber auch auf den Fall ein, das ein Eignungsgebiet doch bestätigt wird. Dann ist es entscheidend, wie sie ihre Chancen wahrnehmen. Auch damit sollten Sie sich beschäftigen.“ Letztlich sei es der Wille der Bundesrepublik, den Ausstieg aus dem Atomenergie und die Energiewende zu meistern.

Bis 3. November besteht die Möglichkeit, Stellungnahmen abzugeben. Der Entwurf liegt bis zum 30 . Oktober u.a. im Bützower Rathaus aus aus, kann aber auch im Internet (www.planungsverband.rostock.de) eingesehen werden.

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