Silvester in Güstrow : „Es ist nicht zu fassen!“: Teile des historischen Borwinbrunnen gesprengt

Fassungslos nehmen Passanten das Ausmaß der Zerstörung in Augenschein.
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Fassungslos nehmen Passanten das Ausmaß der Zerstörung in Augenschein.

Einen Tag nach der teilweisen Zerstörung des historischen Borwinbrunnens in Güstrow hat die Polizei einen ersten Tatverdächtigen ermittelt. Details könnten mit Rücksicht auf laufende Ermittlungen noch nicht genannt werden, es seien aber Beweismittel gesichert worden, sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen.

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01. Januar 2018, 11:40 Uhr

Die unglaubliche Tat macht am Neujahrsmorgen deutschlandweit Schlagzeilen: Teile des Borwinbrunnens wurden in der Silvesternacht abgesprengt! Wie ein Lauffeuer ging die Meldung durch die Barlachstadt. Die Verbreitung von Fotos und eines Videos über die Tat in sozialen Netzen löste einen regelrechten Pilgerstrom aus, Menschen aus der ganzen Stadt machten sich auf den Weg, um das kaum Begreifliche mit eigenen Augen zu sehen. Empörung weit und breit. „Es ist unfassbar!“, sagt ein Mann, der seinen Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen will. Seine Sorge: „Wer so etwas tut, dem ist noch mehr zuzutrauen.“ Ähnlich die Reaktionen der meisten Passanten. Stadtpräsident Andreas Ohm, ebenfalls vor Ort,  zieht ein trauriges Fazit: „Güstrow hat einen Anlaufpunkt mehr.“

Zu möglichen Tätern konnte oder wollte die Polizei am Montag noch keine Aussagen treffen. Nur dies zu den Fakten: In der Silvesternacht, gegen 1 Uhr, hätten Unbekannte einen „pyrotechnischen Gegenstand“ an der oberen Wasserschale des Brunnens auf dem Pferdemarkt mitten in der Altstadt angebracht und zur Explosion gebracht. Die Kraft der Explosion bewirkte, dass ein wesentliches Element des Sandsteinmonuments massiv beschädigt wurde. Knapp die Hälfte der oberen Wasserschale ist weggesprengt. Die Trümmer landeten zum Großteil im Wasserbecken, größere und kleine Brocken liegen verstreut im Areal rund um den Brunnen.

„Was das wohl kosten wird, das wieder zu reparieren?“, fragt sich Ursula Haase. Stadtpräsident Ohm, Rechtsanwalt, weiß aus beruflicher Erfahrung, dass solche Leute oft auch kein Geld haben, um die Schäden zu begleichen. „Ich befürchte, das wird wieder bei der Stadt hängen bleiben.“ Die Polizei trifft nur sehr vage Aussagen, schätzt zunächst auf mehrere zehntausend Euro und möchte später auf gut 50.000 Euro präzisieren. „Das wird nicht reichen“, vermutet Philipp da Cunha aber schon jetzt. Der Güstrower Landtagsabgeordnete wohnt in Sichtweite des Tatortes und hat Auswirkungen der Detonation im Haus gespürt.

Da Cunha erinnert an Brandschäden aus der berüchtigten Silvesternacht 2003 an dem Denkmal, das an Stadtgründer Fürst Borwin erinnern soll. Damals hatte ein zügelloser Mob mit Raketen ein Feuer in der gegenüberliegenden Post ausgelöst und anschließend die Kameraden der freiwilligen Feuerwehr beim Löschen behindert und beschossen. Die Reparatur des Brunnens habe später 40.000 Euro gekostet, weiß da Cunha noch. Lange hatte es gedauert, der Täter habhaft zu werden. Die Klage der Stadt vor Gericht brachte minimale Monatsraten ein, am Ende gab es, um überhaupt zu einem nennenswerten Schadensersatz zu kommen, einen Vergleich. 

Der Kriminaltechnische Dauerdienst des Rostocker Polizeipräsidiums war noch in der Nacht vor Ort und sammelte Beweismittel. Über Ergebnisse hielten sich die Ermittler noch bedeckt. Ein Sprecher gibt sich vorsichtig optimistisch, da das Geschehen  von Beobachtern, möglicherweise sogar Beteiligten, publik gemacht wurde. Erschütternd und zugleich bezeichnend für eine wohl absichtliche Zerstörung:  Auf einem Video wird  die Sprengung von einem  Jubelschrei begleitet. Die Polizei hofft jetzt,  Personen identifizieren zu können. Und sie baut auf die Mithilfe   möglicher Zeugen der Straftat und bittet diese, sich bei der  Güstrower Polizei (Telefon 03843/2660) zu melden. Bereits am Montag seien „laufend Meldungen“ von Bürgern eingegangen.

Fassungslosigkeit und große Sorge: So reagiert das Netz

Auf unseren Facebook-Kanälen ruft die teilweise Sprengung des Borwinbrunnens in Güstrow vor allem Entsetzen hervor. „Es ist verantwortungslos und ein Angriff gegen uns alle. Ein Wahrzeichen von Güstrow wurde mutwillig zerstört. Diese kriminelle Energie, die dort hintersteckt, ist mehr als zu verurteilen", bringt es Kevin Sell in dem sozialen Netzwerk auf den Punkt.

Sarah Müller kann nicht verstehen, wie jemand zu solch einer sinnlosen Zerstörung fähig ist. „Man kann dazu einfach nichts mehr sagen. Da fehlen einem die Worte bei so viel Dummheit! Ich hoffe, die Leute bekommen eine ordentliche Strafe... denen ist es wahrscheinlich gar nicht bewusst, was sie da kaputt gemacht haben und wofür das steht." Ebenso sieht es auch Christoph Reeps. „Einfach nur traurig, wie einige mit den (Kultur-)Gütern anderer umgehen", sagt er.

Wie konnte es soweit kommen? Ein Frage, die Katharina Beer auch in Richtung Stadtverwaltung stellt. „Wenn ich mich recht erinnere, war der Brunnen über den Winter immer mit Holz verschalt. Warum dieses Jahr nicht? Dann hätte das vielleicht verhindert werden können..., dann wäre der Schaden vielleicht nicht so groß."

Bina Fischer fordert eine stärkere Überwachung. „Wo ist eine Videoüberwachung für öffentliche Plätze? Wer nichts zu verbergen hat, hat damit kein Problem. So könnten solche Vollpfosten schnell gefasst werden", meint sie.

Sammy Fischer geht noch weiter. Seiner Ansicht zufolge wäre die einzige Lösung, um solchem Vandalismus vorzubeugen, explosive Stoffe aus dem Handel zu entfernen. „Es wird Zeit den Mist endlich zu verbieten. Sollen die Städte und Gemeinden offizielle und vor allem professionelle Feuerwerke installieren, die sich dann jeder frei anschauen kann. Da wäre viel mehr gewonnen."

Roland Loeckelt macht sich Sorgen, dass frei erhältiches Feuerwerk auch für Anschläge genutzt werden könnten. „Bei dem Feuerwerk steht jedem Amateursprengmeister und potentiellen Terroristen genügend Sprengstoff zur Verfügung, um diese und weitere größere Zerstörungen anzurichten. Da hilft dann auch keine Ausspähung und Überwachung von potentiellen Tätern. Hier konnte sich jeder ohne Kontrolle mit den notwendige in den Tage vor Silvester eindecken."

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