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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 22:39 Uhr

Güstrow : Ertrinkenden aus der Luft gerettet

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Landkreis probte Sonnabend luftgestützte Wasserrettung bei Übung auf dem Inselsee / Neue Aufgabe für Güstrower Feuerwehrleute / Jedes Jahr eine Übung

Seit dem Wochenende hat die Rettungskette des Landkreises Rostock ein Glied mehr. In zweijähriger Arbeit hat eine Projektgruppe unter der Leitung des Eigenbetriebes Rettungsdienst ein Verfahren zur luftgestützten Wasserrettung entwickelt. Am Sonnabend wurde das während einer großen Übung auf dem Güstrower Inselsee geprobt und das Verfahren anschließend in das Programm der Rettung aufgenommen.

„Unser Landkreis ist geprägt durch eine Vielzahl von Binnenseen, die touristisch und sportlich genutzt werden. Wir beobachten Unfälle und Gefahrensituationen über einen langen Zeitraum und gewinnen daraus Erkenntnisse, welche Verfahren neu entwickelt werden müssen“, sagt Ralf-Peter Odebrecht, Leiter des Eigenbetriebes Rettungsdienst des Landkreises.

Für die Entscheidung mit eine Rolle gespielt haben dürfte der Unfall am 3. März 2012 im Tiefen See im Primerwald, bei dem der Rettungssanitäter Thomas Lange einem verunglückten Angler vom Hubschrauber aus zur Hilfe gekommen war, ihn allerdings nicht mehr retten konnte. Dieser Gedanke liegt auch dem nun entwickelten Verfahren zu Grunde. „Die Hilfe ist dann besonders effektiv, wenn ein Retter dem Verunglückten vor Ort, also im Wasser, helfen kann“, weiß Odebrecht.

Diese Aufgabe haben Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Güstrow ehrenamtlich übernommen. „Nach dem Abwurf einer Rettungsinsel springt ein Kamerad in Schutzbekleidung aus dem Rettungstransporthubschrauber und versucht, die hilfsbedürftige Person zu bergen“, erklärt Wehrleiter Hannes Möller. Geschult wurden dafür sechs Kameraden, die mit Rettungsassistenten von der DRK-Wasserwacht als Rettungsschwimmer ausgebildet wurden. Finanzielle Unterstützung kam vom Arbeitsministerium. Die Barlachstadt nahm diese für Feuerwehrleute eher ungewöhnliche Aufgabe in den Dienstbetrieb ihrer Wehr auf. Die Bundespolizei stellte für die Übung einen ihrer Hubschrauber bereit. Sonnabend wurde das Verfahren in mehreren Flügen mit unterschiedlichen Besatzungen geprobt. Die Übung verlief ohne Zwischenfälle.

„Natürlich hatten wir optimale Bedingungen: Das Wetter war gut, der See bekannt. Bei der praktischen Umsetzung wird es aber immer so sein, dass der Pilot entscheidet, ob gesprungen wird oder nicht. Der Eigenschutz der Besatzung hat die höchste Priorität“, versichert Möller.

Vorgesehen ist, das Verfahren der luftunterstützten Wasserrettung zunächst nur auf Binnenseen anzuwenden. Eine Ausdehnung auf küstennahe Bereiche der Ostsee wird erwogen und vorbereitet. Allerdings setzt da die Reichweite des Hubschraubers Grenzen. „In jedem Jahr ist eine Übung vorgesehen, bei der das Verfahren überprüft und die Umsetzung neuer Erkenntnisse getestet werden“, kündigte Möller an.

Zufrieden mit dem Verlauf der Übung zeigte sich auch Landrat Sebastian Constien, der das Geschehen vom Boot aus beobachtete. „Mit der luftgestützten Rettung haben wir ein effektives Segment, um Gefahrensituationen auf unseren Binnenseen besser meistern zu können. Das wird den Wassersport als wichtige touristische Attraktion in unserer Region sicherer machen“, lautete sein Fazit.





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