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Güstrower Anzeiger

15. Dezember 2017 | 22:53 Uhr

Güstrow : Erstes Sozialkaufhaus im Landkreis

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Berufsbildungsstätte Start eröffnet das Sozialkaufhaus „FAIRkauf“ für Bedürftige in Güstrow. Die Waren stammen aus Spenden und Haushaltsauflösungen.

von
erstellt am 14.Apr.2017 | 21:00 Uhr

Cindy Wahl gehörte am Donnerstag zu den ersten Kunden im neuen Sozialkaufhaus „FAIRkauf“ in Güstrow. Es wurde im Industriegelände 10 in der Berufsbildungsstätte (BBS) Start Güstrow eröffnet. Das Kaufhaus ist das erste dieser Art im Landkreis Rostock. Gisela Timm, BBS-Bereichsmanagerin in Güstrow: „Die BBS Start hatte die Projektidee wie in Parchim vor sieben Jahren solch eine Einrichtung für einen kostengünstigen Einkauf von Haushaltsgegenständen für Hartz-IV-Empfänger und Sozialhilfeempfänger auch in Güstrow und für den Landkreis Rostock zu schaffen.“

Die Waren sind Spenden oder stammen aus Haushaltsauflösungen. Angeboten werden Möbel, Kleidung, Elektrogeräte, Unterhaltungselektronik, aber auch Fahrräder und weitere Dinge für den täglichen Bedarf. „Textilien gibt es für einen Euro, Anbauwände für 50, 60 Euro. Alles ist, glaube ich, gut bezahlbar“, sagt Marion Friedrich, die das Kaufhaus leitet. Die größeren Waren werden von Kaufhaus-Mitarbeitern abgeholt und auch zu den Kunden gebracht. Dafür steht ein Transporter zur Verfügung.

Einkaufen können, wenn sie einen gültigen Bewilligungsbescheid des Jobcenters und des Sozialamtes des Landkreises vorlegen, ALG (Arbeitslosengeld)-II-Empfänger und Sozialhilfeempfänger. Eingerichtet ist das Sozialkaufhaus auf dem BBS-Gelände in einer Halle, in der früher Maler ausgebildet wurden. Marion Friedrich: „Schon in der nächsten Woche werden wir unsere Verkaufsfläche um das Doppelte erweitern, denn wir nehmen in der Halle eine Wand heraus. Wir brauchen den Platz für den Verkaufsraum, denn unser Lager ist gut gefüllt.“ Werbung macht das Sozialkaufhaus mit Flyern, über die Homepage der BBS und vor allem durch Mundpropaganda.
 

Projekt zur Integration in den Arbeitsmarkt

Dass der Bedarf für solch ein Sozialkaufhaus da sei, würden u.a. die 7960 Männern und Frauen, die Ende März im Landkreis arbeitslos waren, belegen, begründeten die BBS-Ideengeber ihr Projekt für Güstrow. Anfang Dezember stellten sie es im Jobcenter Güstrow vor, im Januar wurde es in der Kreisverwaltung das erste Mal diskutiert. BBS-Geschäftsführerin Diana Richert: „Sowohl beim Jobcenter als auch beim Landkreis rannten wir offene Türen ein. Ich bin begeistert, dass unsere Idee in einer so kurzen Zeit realisiert werden konnte.“ Anja Kerl, 2. stellvertretende Landrätin, fügt hinzu: „Die Bedürftigkeit ist da. Deshalb unterstützen wir das Projekt.“

Landkreis und Jobcenter finanzieren das gemeinnützige Kaufhaus, dem gleich mehrere Funktionen zukommen, mit dem Bildungsträger. Zum einen können Menschen für einen guten Zweck Sachen spenden, zum anderen können Menschen, die es schwerer haben, darauf zurückgreifen. Und ein dritter Aspekt ist, dass Menschen, die länger keine Beschäftigung hatten, wieder eine gefunden haben und im Arbeitsprozess sind.

Auch sechs Asylbewerber, u.a. aus Syrien, Eritrea und Somalia, werden in der Einrichtung beschäftigt sein. Sie werden im Lager arbeiten. „So ist das Sozialkaufhaus zugleich eine Integrationsmaßnahme für Deutsche und Ausländer für den Arbeitsmarkt“, betont Landkreis-Sprecher Michael Fengler. Insgesamt sind in dem Sozialkaufhaus 14 Mitarbeiter beschäftigt, als Ein-Euro-Jobber bzw. über das Bundesprojekt Bildung und soziale Teilhabe. Sie werden in den Bereichen Verkauf, Hauswirtschaft sowie Lager und Beschaffung geschult. In einer Praxis-Werkstatt werden z.B. defekte Möbel repariert. Marion Friedrich ist fest angestellt. Wie auch Rene Hannemann. Der arbeitete bis zu der Auflösung im Förderverein Region Güstrow. „Jetzt habe ich glücklicherweise wieder eine neue Arbeit, die mich ausfüllt“, sagt er. Der 42-Jährige ist besonders froh darüber, dass er bei BBS Start einen Ausbilderschein erwerben kann. „Dann kann ich Maßnahmen leiten“, freut er sich auf diese Aufgabe.

Inzwischen ist auch Cindy Wahl in der Textil-Abteilung fündig geworden. „Meine beiden Kinder haben ein Buch und ein Spielzeug bekommen“, erzählt sie. Cindy Wahl findet das Sozialkaufhaus gut, denn sie bezieht Hartz IV und muss mit dem Geld haushalten. Besonders für ihre Kinder hofft die Mutter, die das dritte Kind bereits erwartet, immer wieder ein Schnäppchen zu machen.
 

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