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Kleines Wunder von Güstrow : Erste Schritte in die Eigenständigkeit

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Kleines Wunder von Güstrow: Gegen die Prognosen der Ärzte kann der beeinträchtigte Aaron heute laufen – auch dank seiner Mutter

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erstellt am 11.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Erst behutsam, dann immer entschlossener setzt Aaron Jannik einen Fuß vor den anderen. Der Ehrgeiz ist dem Jungen anzusehen: Er will allen zeigen, dass er auch ohne die Hilfe seiner Mutter Clivia von Berg laufen kann. Ein kleines Wunder von Güstrow. Der Grund: Aarons Ärzte haben nie daran geglaubt, dass der körperlich und teilweise geistig beeinträchtigte Junge dazu in der Lage sein würde.

Der heute Siebenjährige hatte einen schweren Start ins Leben. Bei seiner Geburt 2007 stellten die Ärzte multiple Zysten in seinem Gehirn fest. In den Geschwülsten sammelt sich Flüssigkeit an, wodurch die Hirntätigkeit beeinflusst wird. Im Alter von sechs Wochen musste Aaron deswegen operiert werden. Weitere Operationen folgten.


Schwierigkeiten mit Gleichgewicht


Ebenso musste sich der Junge zahlreichen Therapien und physiotherapeutischen Behandlungen unterziehen. Noch heute wird er zweimal die Woche therapeutisch betreut. Denn neben den Zysten leidet Aaron auch unter Muskelschwäche und hat Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Im Alltag war er deshalb stets auf einen Rollstuhl oder einen Gehwagen angewiesen. „Die Ärzte und Therapeuten sagten immer, seine Rückenmuskulatur sei zu schwach und das Gleichgewicht zu schlecht, um eigenständig zu laufen“, erklärt Clivia von Berg. Jetzt beweist der lebensfrohe Junge, dass es doch möglich ist – mit einem festen Willen und jede Menge Training.

Zu verdanken hat Aaron die Fortschritte vor allem seiner Mutter. Sie opfert jede freie Minute, um mit ihrem Sohn zu üben. Oft auf spielerische Art und Weise. „Wir sind jeden Tag bis zu vier Stunden draußen in Güstrow unterwegs, gehen viel auf Spielplätze. Das ist unser Trainingsprogramm“, sagt von Berg. Die Wippe beispielsweise stärke die Wadenmuskeln, die Schaukel trainiere den Gleichgewichtssinn.

Das beharrliche Üben zeigt Wirkung. Heute ist Aaron in der Lage, knapp 30 Meter selbstständig zu laufen. „Ich kann es immer noch nicht fassen. Erst recht nicht, wenn man bedenkt, dass er erst mit drei Jahren alleine sitzen konnte“, sagt die Mutter mit Stolz in der Stimme. Das nächste Ziel ist auch schon gesetzt: „Ich möchte, dass er es schafft, die 500 Meter von Zuhause zum Supermarkt zu gehen“, so von Berg. Dafür üben die beiden fast täglich. Als Belohnung für die harte Arbeit gibt es Quarkbällchen vom Bäcker.

Und es gibt noch mehr Erfolge zu vermelden: Aaron hat sich auch in seiner geistigen Kondition verbessert. Seitdem er seit knapp einem Jahr die Anne-Frank-Schule in Güstrow besucht, kann er sich leichter konzentrieren und mit anderen Kindern und Lehrern besser verständigen. „Er ist offener geworden“, so von Berg. Für Aaron ein riesiger Fortschritt.


Gut angekommen in Güstrower Schule


Denn der Junge weist autistische Züge auf. Diese Entwicklungsstörung erschwert ihm den sozialen Umgang mit seinen Mitmenschen. Er braucht viel Zeit, um sich an neue Gegebenheiten und fremde Menschen zu gewöhnen. „Die Mitarbeiter der Schule haben ihm das Einleben so leicht wie möglich gemacht – mit Geduld und Fürsorge“, sagt von Berg. „Am Anfang hat Aaron viel geweint, aber heute hat er Spaß am Unterricht.“ Auf dem Stundenplan stehen neben Lesen, Schreiben, Rechnen auch Singen, Sport, Hauswirtschaft und Werken. Das Konzept der Schule zur individuellen Lebensbewältigung: die Kinder ein stückweit in die Eigenständigkeit führen. „Aaron sagt jetzt immer öfter, dass er Dinge alleine machen kann“, sagt von Berg. Den Beweis erbringt er beim Laufen: Erst behutsam, dann immer entschlossener setzt er einen Fuß vor den anderen – ganz ohne Hilfe.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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