Erste Milchbauern geben auf

Gerrit Ritter steht vor dem leeren Kuhstall. Wegen des anhaltend niedrigen Milchpreises hat die Landwirtschaftliche Produktivgesellschaft Alt Sammit die Milchproduktion aufgegeben.Regina Mai
Gerrit Ritter steht vor dem leeren Kuhstall. Wegen des anhaltend niedrigen Milchpreises hat die Landwirtschaftliche Produktivgesellschaft Alt Sammit die Milchproduktion aufgegeben.Regina Mai

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07. April 2010, 07:44 Uhr

Alt Sammit/Raden | Die Schmerzgrenze ist erreicht. Der dramatische Einbruch des Milchpreises im vergangenen Jahr nagt an der Substanz der Milchbauern. Die ersten geben jetzt auf. "Wir haben ein ganzes Jahr lang Verluste eingefahren", erklärt Gerrit Ritter (43) die Entscheidung der Landwirtschaftlichen Produktivgesellschaft mbH Alt Sammit, die 80 Milchkühe abzuschaffen. Da habe es auch nichts mehr genützt, dass der aktuelle Milch-Grundpreis wieder bei 26 Cent je Liter liege. "Auch das reicht nicht aus", sagt er. Drei Landwirte in Alt Sammit und Raden streichen die Segel und geben Milchproduktion auf bzw. lassen sie vorerst ruhen.

"Wachsen oder aufhören, ist das Motto", meint Ritter. Da das Alt-Sammiter Unternehmen nicht die Möglichkeit habe, die Milchproduktion auszuweiten - einen neuen Stall auf der grünen Wiese könne man sich nicht leisten -, gibt man auf. "Wir hätten auch in den alten Stall jetzt investieren müssen", gibt der Landwirt zu bedenken. Einen Sinn sehe man darin nicht mehr. Der Melker ist entlassen. Die Kühe sind verkauft und die Milchquote hat das Unternehmen an der Milchbörse angeboten. Das mittelgroße Unternehmen mit ein paar Hundert Hektar Land will künftig neben dem Ackerbau von der Bullenmast leben. Die Herde von 80/90 Bullen soll deutlich aufgestockt werden, berichtet der Geschäftsführer.

Auch auf dem Hof von Norbert Strupp (33) in Raden wurden gestern Kühe abgeholt. Der Landwirt gibt insgesamt auf. "Ich kann nicht mehr davon leben", sagt er schlicht. Rund 120 Milchkühe standen auf dem Radener Hof, den der Vater nach der Wende als Wiedereinrichter etablierte und 2001 an seinen Sohn übergab. Stall, Kühe, Maschinen, alles sei weg. Das Hofgrundstück sei geteilt worden. Strupp wird nach Arbeit Ausschau halten. "Ich bin noch jung, ich muss jetzt was Neues anfangen", sagt er. Auf dem Milchhof Stiewe, gleich nebenan, ist dagegen das letzte Wort noch nicht gesprochen. Von einer Pause bei der Milchproduktion ist die Rede.

Für Peter Brandt ist das nur der Anfang. Kein Landwirt könne sagen, wie lange er noch durchhält. Der derzeitige Milchpreis sei nicht auskömmlich. "Und die kleinen Brosamen, die uns die Politik hinwirft, reichen nicht", betont der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Güstrow. Die Zukunft der Milchproduktion in Deutschland entscheide sich nur über den Milchpreis. 32 Cent sind aus seiner Sicht das Minimum, um irgendwie über die Runden zu kommen. Gewinn könne man so noch nicht machen. Den aber bräuchte der Landwirt, um existieren und investieren zu können, betont Brandt.

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