Gestüt Ganschow : Erste große Prüfung im Leben

Mit einem kleinen Pieks setzt Uwe Träder, Stutbuchführer beim Pferdezuchtverband MV, dem 14 Tage alten Fohlen einen kleinen Mikrochip ein. Mit einem Lesegerät kann das Deutsche Reitpony damit in Zukunft immer identifiziert werden.
Mit einem kleinen Pieks setzt Uwe Träder, Stutbuchführer beim Pferdezuchtverband MV, dem 14 Tage alten Fohlen einen kleinen Mikrochip ein. Mit einem Lesegerät kann das Deutsche Reitpony damit in Zukunft immer identifiziert werden.

Fohlenschau im Gestüt Ganschow entscheidet über Zukunft der Vierbeiner. Vorbereitungen für Stutenparaden laufen parallel.

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30. Juni 2018, 08:00 Uhr

Mit einem Tupfer desinfiziert Uwe Träder die kurz geschorene Stelle am Hals des zwei Wochen alten Fohlens, ehe er mit einer Spritze ansetzt und dem zwei Wochen alten Pferd einen Microchip unter die Haut pflanzt. Der kleine Hengst, den seine Besitzerin nur „Norbit“ ruft, lässt sich jedoch schnell beruhigen. Ein paar Schweifhaare muss er noch lassen, ehe Uwe Träder ihn für heute entlässt. Denn die nächsten Pferdebesitzer stehen mit ihren Fohlen bereits Schlange auf dem Gestüt Ganschow. Denn mit der Fohlenaufnahme und der anschließenden Vorstellung zur Fohlenschau hat der Nachwuchs den ersten Schritt zum erfolgreichen Sport- und Zuchtpferd getan. Akkordarbeit also für Uwe Träder und seine Kollegen vom Pferdezuchtverband Mecklenburg-Vorpommern.

„Nach der Aufnahme bekommen die Fohlen ihren Pferdepass und die Besitzer die Eigentumsurkunde. Das ist wie ein Kfz-Brief fürs Auto“, sagt Friedhelm Mencke, Gestütsleiter in Ganschow. Dafür werden alle Fohlen, die an diesem Tag in Ganschow vorgestellt werden, ganz genau unter die Lupe genommen. Jedes Abzeichen wie weiße Fesseln oder eine Blesse am Kopf wird genau festgehalten und vermerkt. Genau wie der Chip unter der Haut soll dies künftig dazu dienen, das entsprechende Pferd genau zu identifizieren. Zusätzlich dazu wird mit den Schweifhaaren im Labor ein DNA-Abgleich gemacht. „So können wir genau feststellen, ob die angegebenen Eltern auch korrekt sind. Denn jeder Zuchthengst und jede zugelassene Stute sind in unserer Datenbank vermerkt“, sagt Birca Roost, Mitarbeiterin im Zuchtverband. Fast 1000 Fohlen nehmen sie und ihre Kollegen so im Jahr neu auf. Besonders häufig dabei vertreten: Mecklenburger, Deutsche Reitponys sowie Shetlandponys.

Während die Fohlenaufnahme für die meisten Züchter längst zur Routine gehört, steigt die Anspannung vor der anschließenden Fohlenschau merklich. Auch bei Friedhelm Mencke, der gleich mehrere Eisen im Feuer hat. Drei Richter bewerten bei dieser Prüfung den Körperbau, die Bewegung und den Gesamteindruck des Nachwuchses. Oberstes Ziel der Züchter: Mindestens 23 von 30 zu erreichenden Punkten, um die Vereinsprämie des Pferdezuchtverbandes Güstrow und Umgebung, der die Fohlenschau abnimmt, zu erhalten. Ab 25 Punkten winkt sogar die Verbandsprämie und die Weiterleitung zum landesweiten Fohlenchampionat. „Für die Pferde ist das die erste große Prüfung“, sagt Mencke, der mit dem Abschneiden seiner Pferde zufrieden ist. „Bei dem einen oder anderen Pferd hätte ich mich natürlich über ein, zwei Punkte mehr gefreut. Aber wenn man sich den Richtern stellt, muss man ihre Entscheidung akzeptieren“, nimmt es Mencke sportlich. Viele der Fohlen werden auch bei den diesjährigen Ganschower Stutenparaden, die am 8., 15. und 21. Juli auf dem Gestüt stattfinden, eine Rolle spielen. In verschiedenen Zuchtbildern werden sie ebenso ihren Auftritt bekommen wie im abschließenden Schaubild der freilaufenden Herde, wenn wieder bis zu 80 Trakehner über den Festplatz hinaus in die mecklenburgische Landschaft galoppieren.

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