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Güstrow : Erste große Barlach-Schau aus ihrer Feder

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Franziska Hell, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ernst-Barlach-Stiftung, kuratiert erstmals die Sommerausstellung.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 05:10 Uhr

Die große Sommerausstellung der Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung öffnet am 9. Juli und eine junge Frau erwartet diesen Tag schon mit großer Vorfreude: Franziska Hell, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Barlach-Stiftung, hat diese Schau erstmals selbstständig kuratiert. „Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen“, sagt die 29-Jährige, die seit August 2015 in der Stiftung tätig ist.

Es wird diesmal um Barlachs Rezeption in der Fotografie gehen. Es stehen die Werkfotografien einerseits und Barlach als Privatperson andererseits im Fokus der Ausstellung „Es geschieht enorm viel Unfug mit Photos – Ernst Barlach und seine Fotografen“. „Der Titel ist ganz bewusst mit diesem Zitat Barlachs verknüpft, denn er hatte wahrlich ein ambivalentes Verhältnis zur Fotografie“, erklärt Franziska Hell, die sich ein Jahr lang ausführlich mit diesem Aspekt auseinandergesetzt hat. Mit Berthold Kägebein und Hildegard Heise hatte Barlach zwei zeitgenössische Fotografen an der Hand, die sein Vertrauen genossen. „Er hatte eine ganz bestimmt Vorstellung, wie insbesondere seine Werke fotografiert werden sollten“, erklärt Franziska Hell weiter. Obgleich er offenbar der Ansicht war, dass kein Foto ein vollwertiges Abbild seiner Kunst schaffen könne, nutzte er Fotos dennoch auch als Werbemedium, ergänzt Hell.


Neue Erkenntnisse gewonnen


Zu Anfang ihrer Recherche hatte die studierte Kulturwirtschaftlerin gehofft auch noch Bilder aus Güstrower Privathaushalten für die Ausstellung gewinnen zu können. „Wir hatten ja einen entsprechenden Aufruf gestartet, aber die Resonanz war leider verhalten“, erinnert sich Franziska Hell, die dennoch Erfolge verbuchen kann. „Es gibt zwei Fotos von Barlach aus dem August 1938, wohl die letzten, die ihn lebend zeigen und die vielfach verwendet werden – doch man kannte den Fotografen bisher nicht“, sagt Hell, die herausfinden konnte, dass ein junger Grafiker namens Karl-Heinz Wulf aus Eutin der Bildautor sei. „Für einen Wissenschaftler ist das schon sehr spannend“, sagt Hell weiter. Auch diese Fotografien werden im Original in der Ausstellung zu sehen sein. Generell war es der Kuratorin wichtig, möglichst viele Originale zeigen zu können. Viele der rund 100 Fotografien stammen aus dem Bestand der Barlach-Stiftung selbst, aber auch von der Alfred-Ehrhardt-Stiftung Berlin sowie aus den Nachlässen einzelner Fotografen.

Insgesamt werde die neuen Barlach-Schau etwas anders daher kommen, als die vergangenen. Franziska Hell hat dieser Ausstellung ihre ganz persönliche Handschrift verliehen. „Mir war es wichtig auch etwas Neues einzubringen“, sagt sie. So hat sich die Kuratorion auch erstmals ein interaktives Element überlegt. „Da es um Fotografie geht, bekommen die Besucher selbst einmal die Möglichkeit sich als Fotografen auszuprobieren“, sagt Hell und fügt hinzu: „Im Atelier wird es die Gelegenheit geben mit einer Polaroid-Kamera selbst Fotos zu machen.“ Franziska Hell hofft auf viele mutige Besucher, die ihre Fotos an einer Fotowand hinterlassen. „So entsteht vielleicht sogar eine Ausstellung in der Ausstellung“, hofft die Kuratorin.

Weiterhin wird es großformatige Porträtaufnahmen und acht Fotoalben zu sehen geben. „Außerdem wird die Eingangstür mit Fotos beklebt – so bekommt man den Eindruck in das private Fotoalbum Barlachs einzutreten“, gibt Franziska Hell eine Ausblick auf die Schau, die am 9. Juli um 11.30 Uhr eröffnet wird.

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