Landwirte im Einsatz : Erntestart ohne Hektik

Auf den Feldern der Agrargemeinschaft Kritzkow/Hohen Sprenz waren gestern zwei Drittel der Gerste eingebracht.
Auf den Feldern der Agrargemeinschaft Kritzkow/Hohen Sprenz waren gestern zwei Drittel der Gerste eingebracht.

Während Wintergerste in Kritzkow/Hohen Sprenz fast vom Halm ist, wartet man in Kronskamp noch ab

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17. Juli 2015, 06:00 Uhr

Heute Abend, wenn möglicherweise wieder einmal Gewitter übers Land ziehen, möchte die Agrargemeinschaft Kritzkow/Hohen Sprenz die Wintergerste vom Halm haben. Nach ersten Einsätzen am vergangenen Wochenende setzten viele Landwirtschaftsunternehmen in der Güstrower Region gestern die Ernte fort. Erwartet werden durchschnittliche Erträge bei der Gerste.

Zwei Drittel der Gerste habe man schon eingebracht, berichtete gestern Irmhild Finck von der Agrargemeinschaft Kritzkow/Hohen Sprenz. Der Ertrag sei ein bisschen besser als zuvor vermutet. „Guter Durchschnitt“, meint Irmtraud Finck. Zu wenig Regen in den vergangenen Wochen habe der Gerste wohl nicht mehr so sehr geschadet. Die Hackfrüchte (Kartoffeln und Zuckerrüben) würden dagegen leiden. „Der Fruchtansatz bei den Kartoffeln ist sehr bedenklich“, schätzt die Landwirtin ein. Industriekartoffeln habe man auf 140 Hektar angebaut. Auf rund 700 Hektar wachsen Weizen, auf 450 Hektar Raps. Beides sei noch nicht reif. Die Ernte habe mindestens noch zwei Wochen Zeit.

Zeit lässt man sich auch noch mit der Gerste in Kronskamp. „Noch nicht wirklich reif und noch zu feucht“, betont Ute Komorowski. Bei 18 Prozent Feuchtigkeit müsse getrocknet werden. Diese Möglichkeit habe man nicht, also bleibe die Gerste auf rund 120 Hektar noch stehen. Das kommt den Kronskampern auch ganz recht, ist man doch noch damit beschäftigt Grünschnitt zu silieren und damit die Versorgung der Milchkühe zu sichern.

Auch die Gedanken der Landwirte in Diekhof drehen sich derzeit eher um die Milchproduktion. Die Gerste, die bei der Produktivgenossenschaft (PG) „Am Schmooksberg“ auf rund 320 Hektar wächst, sei schnell eingebracht, sagt Hans-Jürgen Schlack. Am Mittwoch habe man bei einer Feuchte von 14,1 bis 14,5 Prozent (Grenze bei 14,5 Prozent) das erste Getreide gedroschen. Am Wochenende werde man die Gerste sicher noch nicht eingebracht haben, schätzt der Vorstandsvorsitzende der PG ein. „Die Preise sind schlecht“, klagt der Landwirt. 150 Euro für eine Tonne Gerste seien zu wenig. Mehr aber noch sorgt ihn ein Milchpreis von 27 Cent pro Kilogramm. Eine Ursache für den Preisverfall sieht Hans-Jürgen Schlack in den Sanktionen gegen Russland. „Die große Politik in Berlin und Brüssel entscheidet an den Landwirten vorbei“, schimpft der Landwirt, der auch auf die führenden Handelsketten nicht gut zu sprechen ist. „Milch, Butter und Käse werden verramscht“, formuliert Hans-Jürgen Schlack.

Peter Brandt kennt die Sorgen der Milchbauern. Bei einer durchschnittlichen Ernte und mäßigen Preisen könnten diese nur zum Teil die Mindereinnahmen bei der Milch ausgleichen. „Es wird schwierig“, sagt der Geschäftsführer des Bauernverbandes Güstrow. Er schätzte gestern ein, dass in der Region noch nicht viel mehr als zehn Prozent der Gerste gedroschen seien. Auch er rechnet mit einem durchschnittlichen Ertrag, der allerdings stark variiere: auf leichten Böden 60 bis 65 Dezitonnen je Hektar, auf besseren Böden 75 bis 80 Dezitonnen.

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