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Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 05:07 Uhr

Tradition : Ernte wie zu Großvaters Zeiten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Förderverein lockte wieder mit Dreschfest auf den Hof der Kuchelmisser Wassermühle

Gekonnt setzt Willi Mühlbrandt den Sensenbaum an und streicht, knapp über dem Boden, mit der langen Schneide durch die Roggenhalme. Drei Hiebe, dann hat der Serrahner für Monika Delzepich genau die richtige Menge geschnitten, die seine Binderin gut greifen kann. Besucher, besonders eifrig die Kinder, packen mit an, um die Hocken aufzustellen. Vor rund 60 Jahren noch wurde in der Umgebung genau so das Korn gemäht – mit der Hand. 1952 erst zog mit mechanischen Bindern der MAS (Maschinen- und Ausleihstation) die erste Technik ein, erinnert Mühlbrandt.

Die traditionelle Ernte demonstrierten Mitglieder des Fördervereins Wassermühle Kuchelmiß bei ihrem auch schon traditionellen Dreschfest. „Ich finde es wichtig, zu zeigen, wie früher in der Landwirtschaft gearbeitet wurde, wo das Brot herkommt. Wo erfährt man das heute sonst noch“, sagt Berthold Riech, der Vorsitzende des elf Mitglieder zählenden, im Nebeldurchbruchstal ansässigen kleinen Vereins. „Statt sich über funktionierendes Landleben zu freuen, regen sich aber manche heute schon auf, wenn Erntetraktoren vorbeifahren“, kann Riech manche Diskussion nicht nachvollziehen.

Der 80-Jährige Willi Mühlbrandt und sein Schnitterkollege Hubert Karl aus Hintzenhagen haben sie noch drauf, die klassische Form der Ernte. Zahlreiche Besucher des Kuchelmisser Dreschfestes lassen sich die kleine Show nicht entgehen, die Berthold Riech vom Feldrand aus moderiert. „2000 bis 3000 Quadratmeter hat ein guter Mäher jeden Tag geschafft“, erinnert sich Willi Mühlbrandt. Also acht bis zehn Leute – zu jedem Schnitter gehörte eine Binderin – hatte es einst an einem Tag bedurft, um einen Hektar Getreide abzuernten, rechnete Riech vor.

„Stricke benötigen wir gar nicht“, erklärt Monika Delzepich dem kleinen Marc Hinrich Gohr, der hilfreich sein wollte. Delzepich und Mühlbrandt zeigten dem Sechsjährigen, wie die Garben aus den Halmen selbst gebunden werden. Aber nicht nur der an Landwirtschaft sehr interessierte Junge aus Bröbbereow packte zu. Dietmar Höppner aus Kirch Rosin etwa packte den Sensenbaum. „Gras mähen kenne ich vom Hof, aber wie das mit Getreide geht, wollte ich auch mal probieren“, erzählt der 50-Jährige. Dabei erfuhr er, dass der Eindruck nicht täuscht: Früher waren die Halme tatsächlich viel höher. „Die Chemie…“ Und geerntet wurde damals zeitiger, schon in der „Teigreife“. Willi Mühlbrandt demonstrierte es: wenn die Ähre sich über den Daumen gebrochen hat. Damit bei dem längeren Weg des Korns zum Dreschplatz nichts verloren gehe. Das Verfahren wurde am Sonnabend abgekürzt: Am Nachmittag wurde bei einem bunten Programm auf dem Mühlenhof gedroschen. Auch nach traditioneller Art.


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