Ausstellung : Ernst Barlachs Vermächtnis

Ausstellung in der Ernst-Barlach-Stiftung zur NS-Kulturpolitik / Die Geschichte eines bedeutenden Bildbandes

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09. April 2015, 06:00 Uhr

In einer neuen Ausstellung widmet sich die Ernst-Barlach-Stiftung Güstrow ab Sonnabend am „Fall Barlach“ der Kulturpolitik der Nationalsozialisten gegen die moderne Kunst. Anlass ist, dass vor 80 Jahren im Münchener Piper-Verlag der Bildband „Ernst Barlach. Zeichnungen“ mit 56 Arbeiten Ernst Barlachs (1870-1938) erschien, der bereits ein Jahr später von den Nazis verboten wurde. „Gefährdung der öffentlichen Ordnung“ heißt die neue Ausstellung, die ab 11. April im Grafikkabinett am Heidberg zu sehen ist.

Die Publikation „Ernst Barlach. Zeichnungen“ wurde im März 1936 von der Bayerischen Politischen Polizei mit der Begründung verboten, der Inhalt sei geeignet, „die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden“. Der Band wurde schließlich sogar auf den für das gesamte „Dritte Reich“ geltenden Index des verbotenen Schrifttums gesetzt. Von der Gesamtauflage mit etwa 4000 Exemplaren des Bildbandes wurden bis zu 3400 beschlagnahmt und vernichtet. In der Ausstellung „Entartete Kunst“ wurde Barlachs Bildband im Juli 1937 in München als „entartet“ diffamiert. Etwa 21  000 weitere Werke der Moderne fielen der Beschlagnahme- und Vernichtungsaktion der Nationalsozialisten zum Opfer.

In ihrer neuen Exposition zeigt die Barlachstiftung an ausgewählten Dokumenten, von welchen Amtsstellen der NS-Kulturapparat gegen die moderne Kunst agiert hat. Präsentiert werden 20 Originalzeichnungen aus Barlachs Nachlass, die im Bildband von 1935 abgebildet sind. Außerdem sind Barlachs Bildnis des Verlegers Reinhard Piper (1879-1953) und Originaldokumente zu sehen, davon einige erstmals. Gezeigt werden auch eigenhändige Briefkonzepte Barlachs an Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) vom Mai 1936 sowie Schreiben des Verlegers Piper und Zeugnisse seiner Freundschaft mit Ernst Barlach.

Mit jenem Bildband erfüllte sich Verleger Reinhard Piper, geboren in Penzlin bei Neubrandenburg, einen lang gehegten Wunsch von einer Publikation zu Ernst Barlach in seinem Münchner Verlag. Verleger und Künstler rangen in einem intensiven Briefwechsel um die Auswahl der einzelnen Zeichnungen. Dieser Band ist ein authentisches Dokument Barlachs über seine umfangreichste Werkgruppe – die Zeichnungen – und kann als eine Art Vermächtnis gelten.

Anhand von Zeichnungen Barlachs, dem Originaltyposkript von Kunstkritiker Paul Fechters Einführungstext mit eigenhändigen Anmerkungen Barlachs und weiteren historischen Dokumenten wird die Geschichte dieses letzten zu Lebzeiten Barlachs erschienen Buches nachgezeichnet bis hin zur Neuausgabe 1948, ebenfalls im Piper-Verlag.

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