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Güstrower Anzeiger

24. November 2017 | 08:48 Uhr

Gerichtsreport : Ermittler als Zeugen gehört

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Gerichtsreport: Berufungsverhandlung im Strafprozess gegen Beamten der Justizvollzugsanstalt Bützow weitergeführt

In dem Strafverfahren gegen den 50-jährigen Beamten der Justizvollzugsanstalt Bützow Roland R., der sich bereits vor der vierten Instanz gegen den Vorwurf der Vorteilsannahme beziehungsweise Bestechlichkeit verteidigt (SVZ berichtete), wurden jetzt die ermittelnden Kriminalbeamten befragt.

Der Angeklagte wird beschuldigt, in den Jahren 2002/2003 über Mittelsmänner des bekannten Rostocker Rotlichtkönigs Arthur B. mindestens 15 000 Euro für das Einschleusen von Nachrichten, Handys, SIM-Karten und Drogen in die JVA Bützow entgegengenommen zu haben. Roland R. bestreitet den Vorwurf. Die 15 000 Euro würden aus einer Geldanlage beim CMC, einem thüringischen Vermögensinstitut, resultieren, das in der JVA kursierte und hohe Renditen auszahlte. Dem Angeklagten droht bei Verurteilung der Verlust seines Beamtenstatus.

Die Ermittler berichteten über Gespräche, die zwischen Artur B. und dem Angeklagten geführt wurden und durch die Telefonüberwachung aktenkundig sind. Nach ihrer Meinung hätte zwischen den beiden eine besondere Nähe bestanden. Diese Gespräche bestätigten auch Geldüberweisungen an den Angeklagten und seine Lebensgefährtin. Sie nannten Summen, die die 15 000 Euro bei weitem überstiegen. Sie sollen in das Haus des Angeklagten geflossen sein.

Arthur B. hätte seine Leute in der JVA rekrutiert. Es wurde hinein- und hinaustelefoniert, gaben sie an. Arthur B. hätte sogar Einfluss darauf gehabt, welcher Häftling aus seinem engeren Kreis, welche Zelle bekam. Eine besondere Rolle spielte die Glaubwürdigkeit des bereits im August befragten Zeugen Norbert W., der zurzeit in Hessen eine über achtjährige Haftstrafe wegen schweren Betruges verbüßt. Seine Observation war Ausgangspunkt der Anklage gegen Roland R. Obwohl Norbert W. ein Vabanquespieler sei und sie seine Aussagen doppelt prüfen mussten, hätten sich doch diverse Beschuldigungen bestätigt, so die Beamten. Das betraf Geldübergaben an den Angeklagten und seine Lebensgefährtin, die durch die damalige Verteidigerin des Arthur B. erfolgten und durch Quittungen belegt seien.

In der nächsten Verhandlung soll die Beweisaufnahme geschlossen werden. Jetzt machte der Angeklagte Ausführungen zu seinem Lebensweg. Roland R. ist zweimal geschieden und führt seit 16 Jahren eine feste Beziehung mit seiner Lebensgefährtin. Beide haben einen Sohn. Seit seiner Freistellung in der JVA vor elf Jahren sei er als Hausmann tätig. Zu seiner finanziellen Situation befragt, gab er nur zögerlich Auskunft. Er würde über ein monatliches Einkommen von 1093 Euro Netto verfügen, gab er an. Eine Sache vergaß er zu erwähnen, nämlich, dass es bereits 2001 ein Suspendierungsverfahren wegen Einschmuggelns von Drogen in die JVA gegen ihn gab, das aber eingestellt wurde. Die Akte ist inzwischen vernichtet, gab die Rostocker Staatsanwältin an.

Am 23. Oktober sollen Robert F. und Albert W. als Zeugen gehört werden, die beide zum direkten Umfeld von Arthur B. gehörten. Mit dem Urteil wird am 3. November gerechnet.

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