Beratung : Erfolgreiche Strategien gegen Gewalt

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Männer- und Gewaltberatung Güstrow kann in 80 bis 90 Prozent der Fälle gewalttätigen Männern helfen

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07. Februar 2014, 23:00 Uhr

„Bevor Männer Hilfe suchen und diese dann auch annehmen ist es nicht fünf vor zwölf, sondern in der Regel schon fünf vor zwei“, sagt Dieter Schmidt, Sozialpädagoge in der Männer- und Gewaltberatung. Der erste Schritt sei der schwierigste, fügt er hinzu und resümiert nach fast 18 Jahren Beratungstätigkeit, dass die Männer zu lange warten, zu lange verdrängen und hoffen, dass es schon irgendwie besser werde, aber das passiere nicht. 114 Klienten (107 Männer und sieben Frauen) nahmen im vergangenen Jahr Hilfe von Dieter Schmidt an. Seit Jahren sei die Zahl in etwa konstant.

„Überrannt wird die Beratungsstelle nicht“, sagt der Sozialpädagoge, weiß aber auch, dass seine Arbeit sehr erfolgreich ist. 80 bis 90 Prozent der Männer, die nach oft jahrelangen Gewaltausbrüchen in der Regel gegen ihre Frauen in die Beratungsstelle kommen, finden einen Weg aus der Gewalt. Zunächst aber müssten die Verursacher häuslicher Gewalt erst einen Leidensdruck verspüren, um sich in eine Beratung zu begeben, berichtet Schmidt. Der Leidensdruck könne aus den unterschiedlichsten Gründen entstehen, wie z.B. ein Polizeieinsatz mit anschließender Wegweisung aus der Wohnung, eine Anzeige gegen den Verursacher, der Gang der Partnerin mit Kindern im Frauenschutzhaus, die Drohung der Partnerin sich zu trennen, der Hinweis oder Rat anderer Hilfseinrichtungen sowie Auflagen von Gerichten oder Staatsanwaltschaften.

73 Fälle von häuslicher Gewalt (68 Männer, fünf Frauen) gab es im vergangenen Jahr im Landkreis Rostock, berichtet Schmidt. In Güstrow seien es 27 Fälle (24 Männer und drei Frauen) gewesen. Es reiche nicht aus etwas gegen die Folgen von häuslicher Gewalt zu tun, man müsse die Ursachen aufdecken und bekämpfen. Deshalb sei neben all den Hilfsangeboten für Opfer von häuslicher Gewalt, auch eine Arbeit mit den Tätern notwendig. Der Gewaltpädagoge begibt sich mit den Männern zunächst auf die Suche nach den Ursachen ihrer Gewalttätigkeit, nach Auslösern von Gewaltausbrüchen, um dann gemeinsam Strategien zur Verhaltensänderung zu entwickeln. Da gebe es kein Patentrezept, betont Schmidt. Anders als zu Beginn seiner Tätigkeit, als man der Ansicht war, die Frauen in dem Prozess völlig außen vor zu lassen, lädt Schmidt heute gern zu einem der ersten und zu einem abschließenden Gespräch auch die Frauen mit ein. Männer müssen oft lernen, sich selbst und ihre Partnerin wirklich wahrzunehmen, bestimmte Veränderungen in der Beziehung zu erfassen und darauf rechtzeitig zu reagieren. „Die Frau fragen, was los ist, wenn er ein Unbehagen verspürt“, formuliert Schmidt einen Ansatz von frühzeitiger Konfliktbewältigung.

„Die meisten Verursacher von Gewalt erkennen für sich am Ende der Beratung, dass sie viel früher dieses Angebot hätten aufsuchen müssen. Viel wäre den Betroffenen und ihnen erspart geblieben und die eine oder andere Partnerschaft hätte weiter Bestand gehabt“, resümiert der Gewaltberater, der sich ausschließlich um gewalttätige Männer kümmert.

Tätig ist er in der Güstrower Beratungsstelle für einen großen Bereich, der über den Landkreis und die Hansestadt Rostock auch bis in den Landkreis Ludwigslust-Parchim hinein reicht. Beratungsstellen gibt es außerdem in Greifswald und Neubrandenburg. In diesen Täterberatungsstellen für Fälle von häuslicher Gewalt und Stalking wurden im vergangenen Jahr insgesamt 254 Männer und 31 Frauen beraten. Die Zahl hatte sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich erhöht, was damit zusammenhängt, dass das Greifswalder Angebot zur Mitte des Jahres neu hinzugekommen war.

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