Silbernes Beil : Entscheidung in letzter Minute

<strong>Die Überraschungsmannschaft</strong> der GER 4420: Sascha Rix (Teterow) und Anne Bauditz (Berlin) <foto> Jörn-Christoph Jansen</foto>
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Die Überraschungsmannschaft der GER 4420: Sascha Rix (Teterow) und Anne Bauditz (Berlin) Jörn-Christoph Jansen

Insgesamt 46 Boote waren zum 56. Silbernen Beil gekommen. Zudem fanden kurzfristig zwei Boote aus Polen den Weg nach Güstrow und komplettierten das bisher beste Meldeergebnis der Piratenklasse in diesem Jahr.

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28. Juni 2012, 11:08 Uhr

güstrow | Insgesamt 46 Boote hatten den Weg nach Güstrow zum 56. Silbernen Beil gefunden. Zudem fanden kurzfristig zwei Boote aus Polen den Weg nach Güstrow und komplettierten das bisher beste Meldeergebnis der Piratenklasse in diesem Jahr. Die Wettfahrtleitung um Andreas Möller vom Wassersport-Verein-Güstrow 1928 (WVG) konnte ein hochklassiges Feld mit ehemaligen Deutschen, Europa- und Weltmeistern begrüßen.

Bei guten Bedingungen und Winden um 4 Beaufort am Sonnabendvormittag fanden sich alle Favoriten in der Spitzengruppe wieder, die von den Brüdern Björn und Marc Helms (Berlin) angeführt wurde. Überraschend unter den ersten Sechs lag auch die sich spontan gefundene Crew Anne Bauditz/Sascha Rix (Berlin/Teterow) hinter den Gastgebercrews Peter Merten/Jörgen Mohns und Carsten Jansen/Tilo Maaß, die von den EM-Dritten Detlef Hegert/Oliver Bajon verfolgt wurden. Gar nicht in Fahrt kamen Peter Anders/Peter Bark vom WVG, die sich im Mittelfeld wiederfanden. Über den gesamten Kurs von knapp 3,2 km setzten sich Helms/Helms immer weiter von Ines Pingel/Thomas Heldt, den Rekordsiegern des Silbernen Beils und EM-Zweiten aus Teterow, und den Deutschen Meistern und Titelverteidigern, Bernd Höft/Burkard Rieck aus Rostock, ab, so dass ein Sieg letztlich klar schien. Doch kurz vor dem Ziel rundeten Helms/Helms die Luvbahnmarke ein weiteres Mal, obwohl das Zielschiff bereits signalisiert hatte, dass der Zieldurchgang nun geöffnet war. Während Helms/Helms den Spinnaker zogen, fuhren sowohl Pingel/Heldt, die so den Sieg "geschenkt" bekamen, als auch Höft/Rieck durch. Helms/Helms bemerkten ihren Fehler und wurden noch Dritter vor Merten/Mohns. Bauditz/Rix lieferten sich kurz vor dem Ziel noch einen spannenden Kampf mit den Altmeistern Jansen/Maaß mit dem besseren Ende für sich, gefolgt von Hegert/Bajon. Anders/Bark kamen noch auf Platz 12 ins Ziel.

Disqualifikation handicapt alle Favoriten

Bei zum Teil starken Böen kenterten Paul und Marko Bachmeyer (WVG). Noch schlimmer erging es dem Teterower Frank Martens, der den Großbaum an den Kopf bekam und mit blutender Wunde ins Krankenhaus fuhr. Zur zweiten Wettfahrt waren beide Crews aber wieder am Start.

Jetzt wurde der Kurs wegen drehender Winde verlegt und auf 4 km verlängert. Der zweite Start klappte ebenso auf Anhieb, doch die Wettfahrtleitung gab das Signal für Einzelrückrufe. Allerdings korrigierte kein einziges Boot, so dass zwar nun klar war, dass es Disqualifikationen geben würde. Doch wer, wusste zu diesem Zeitpunkt nur die Wettfahrtleitung.

An der Luvbahnmarke führten Jansen/Maaß das Feld an, doch bereits auf dem Vorwindkurs mussten sie mehrere Boote passieren lassen. Pingel/Heldt und Höft/Rieck lieferten sich nun ein Kopf-an-Kopf-Rennen, Hegert/Bajon lauerten dahinter. Da mussten Höft/Rieck wegen unerlaubten Vortriebs eine Zwei-Drehungen-Strafe ausführen und Pingel/Heldt passieren lassen. Hegert/Bajon wurden Dritte. Dann die Bekanntgabe der Disqualifikationen: Es betraf alle ersten drei! Somit hatten Bauditz/Rix die Wettfahrt gewonnen, führten überraschend auch insgesamt und Merten/Mohns, Jansen/Maaß "erbten" die Plätze zwei und drei.

Gar nicht in Fahrt kamen Anders/Bark mit Platz 28. Die Pause vor der dritten Wettfahrt nutzen sie, um ihr Boot umzu trimmen - mit Erfolg: Beim dritten Start waren sie vorne dabei. Einzig Hegert/Bajon segelten noch einen Tick schneller. Dahinter folgten schon wieder Pingel/Heldt und etwas weiter zurück Höft/Rieck. Während es zunächst noch nach einem Dreikampf aussah, entwickelte sich dieser zu einem Duell von Anders/Bark und Hegert/Bajon. Am Ende gewann der EM-Dritte aus Brandenburg vor den Lokalmatadoren, die sich deutlich verbessert zeigten und Pingel/Heldt und Höft/Rieck hinter sich ließen. Für Bauditz/Rix reichte Platz elf, um die Gesamtführung in den Abend zu nehmen, einen Punkt vor Merten/Mohns. Platz 16 für Jansen/Maaß bedeutet zunächst Platz vier in der Gesamtwertung hinter Kai Köhler/Christine Schmeißer (Heiligenhafen/Berlin), die sich mit konstant guten Leistungen und den Plätzen 9, 6 und 5 auf Gesamtplatz drei "gemogelt" hatten.

Topfavorit waren nun Pingel/Heldt, denen ein zweiter Platz zum achten Gesamtsieg reichen würde, denn die schlechteste Wettfahrt jedes Boots - in diesem Fall die Disqualifikationen aus Wettfahrt zwei - wird nach vier Wettfahrten gestrichen. So hatten alle Favoriten und noch mindestens drei weitere Boote Siegchancen.

Doch der Sonntagmorgen begann zunächst einmal - ganz entgegen der Vorhersage - ohne Wind und so langsam keimte auch bei Bauditz/Rix die Hoffnung, völlig überraschend das Silberne Beil gewinnen zu können, denn die letzte Startmöglichkeit nach Ausschreibung war auf 13 Uhr angesetzt. Nach eineinhalb Stunden maß der Wettfahrtleiter ein letztes Mal Wind und signalisierte: Es wird gesegelt!

Güstrower Crew im letzten Moment auf Bronzekurs

Der Start zur vierten Wettfahrt erfolgte bei 2 Beaufort. Einzig Hegert/Bajon waren zu früh unterwegs und handelten sich so die zweite Disqualifikation des Wochenendes ein, womit auch ihre Siegchancen dahin waren. An der Spitze zeigten die Deutschen Meister, warum sie national seit zwei Jahren das Maß aller Dinge sind und führten schon an der Luvtonne mit großem Vorsprung. Auf Platz zwei folgten Anders/Bark vor Helms/Helms. Die Wettfahrt, die nur 2 Kilometer lang war, brachte wenig Veränderungen und einen souveränen Sieg von Höft/Rieck. Weil Pingel/Heldt nur auf Platz acht kamen, bedeutet dies auch den insgesamt dritten Gesamtsieg für die Rostocker nach 2007 und 2011, die in dieser Form auch Favorit bei der 75. Warnemünder Woche sowie bei den Deutschen Meisterschaften im August auf der Müritz sind. Anders/Bark belegten wieder Platz zwei, wodurch sie doch noch Gesamtplatz drei hinter Pingel/Heldt erreichten. Bauditz/Rix wurden nach Platz 22 insgesamt Vierter und sicherten sich so den Wilhelm-Jansen-Gedächtnispokal. Gesamtfünfter wurden Merten/Mohns, dagegen wurden Jansen/Maaß mit Platz 28 bis auf Gesamtplatz neun durchgereicht.

Mit Platz vier in der letzten Wettfahrt sicherten sich Simone Witte-Wahrendorf und Vanessa Rahn (Berlin) insgesamt Platz acht und den Sieg in der Frauenwertung. Ganz erfreulich auch das Abschneiden der WVG-Juniorensegler Tom Stegmann/Erik Buske (Platz 24), die punktgleich mit dem amtierenden Junioreneuropameister Jakob v. Hausen/Konrad Kuhmann (Münster) abschnitten.

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