Güstrow: Bauforscher untersucht Gebäude von 1539 : Entdeckungen im Derzschen Haus

<strong>Ulrich Bunnemann</strong> <fettakgl>zeigt</fettakgl> Deckenmalerei, die im Obergeschoss noch über den zu erwartenden Befund hinaus entdeckt wurde.<fotos>Regina Mai</fotos>
1 von 4
Ulrich Bunnemann zeigt Deckenmalerei, die im Obergeschoss noch über den zu erwartenden Befund hinaus entdeckt wurde.Regina Mai

Am Derz’schen Haus in der Mühlenstraße laufen die vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung. Als erstes soll der Kemladen, von dem seit vielen Jahren nur noch eine Wand existiert, aufgebaut werden.

svz.de von
16. September 2011, 07:20 Uhr

Güstrow | Am Derz’schen Haus in der Mühlenstraße laufen die vorbereitenden Arbeiten für die Sanierung. Als erstes soll der Kemladen, von dem seit vielen Jahren nur noch eine Wand existiert, aufgebaut werden. Danach folgen das Haupthaus und Gebäude, die sich auf dem Hof befinden. In zwei Jahren soll dieser Teil des Gesamtvorhabens fertig sein, kündigt Ulrich Bunnemann, Inhaber der Schelfbauhütte Schwerin, an und gibt sich optimistisch.

Während Städtebaufördermittel bereits bereit stünden, warte man noch auf eine Fördermittelzusage des Landesdenkmalamtes. Die Banken wollen eine Gesamtfinanzierung auf dem Tisch haben, erklärt der Architekt. Immerhin würden allein in die Restaurierung der Stuckdecke und der Deckenmalerei im Derz’schen Haus rund 200 000 Euro fließen. Deshalb beginne man erst einmal mit dem Kemladen. Die Kubatur wolle man übernehmen, ansonsten entstehe ein modernes Haus. Eine Wohnung wird es bergen. Auch die Gebäude auf dem Hof - sie stammen aus mehreren Bauphasen zu Anfang des 20. Jahrhunderts - sollen zu Wohnungen umgebaut werden. Bunnemann spricht von fünf Einheiten. Balkone und Dachterrassen sollen sie attraktiv machen. Im Erdgeschoss sind Gewerberäume vorgesehen. So ist es auch im Derz’schen Haus geplant. Einen Interessenten gebe es für beide Einheiten, so verrät Bunnemann, ohne deutlicher werden zu wollen. Deshalb sehe man sich etwas unter Zeitdruck.

Unten Gewerberäume, oben Wohnungen

Schon vor Jahren hatte die Stadt mit Städtebaufördermitteln das Derz’sche Haus, gebaut 1539/40, gesichert, in dem Dach und Fassaden erneuert wurden. Jetzt habe sich der Bauforscher umgesehen. Abgehängte Decken habe man entfernt und insbesondere bei den Außenwänden hinter die Tapeten geschaut. Im Erdgeschoss wird dadurch die Arkadenarchitektur besonders deutlich. Hier fand man auch ein Handwaschbecken. In einer Nische befindet sich eine Kalk steinplatte mit Mulde und einer Abflussrinne nach draußen. Ein Stockwerk höher hat man Teile einer Deckenmalerei, die über eine Lehmwickeldecke erhalten blieb, freigelegt. Neben einem Männerkopf steht das Wort "Salius". "Wer der Mann ist - keine Ahnung", sagt der Architekt. Spannend geht es im zweiten Obergeschoss weiter. Hier entdeckte man einen zweiten Abort-Erker mit einer Nische, in die eine Kerze gestellt werden konnte. "Das ist sehr ungewöhnlich in einem Gebäude mit hohem Standard", wundert sich Bunnemann. Daneben befinden sich mehrere Vorratsnischen, die vermutlich 1912 während einer generellen Umbauphase im Haus geschlossen wurden. All diese Befunde, so betont der Architekt, würden den Bauforschern Hinweise auf die ursprüngliche Nutzung der Räume geben. Manches sei aber auch ein Rätsel.

Im Obergeschoss sollen eine Wohnung mit 150 Quadratmetern und eine Dachterrasse (auf dem Kemladen) entstehen. Das Dachgeschoss wird ungenutzt bleiben. Auch eine mögliche Nutzung des riesigen Gewölbekellers bleibe erst einmal außen vor.

Zum Projekt der Schelfbauhütte gehören neben dem Derz’schen Haus und den Hofgebäuden auch das Nachbarhaus, zwei weitere in der Langen Straße und der so genannte Eiskeller an der Hollstraße. Während für die drei Häuser allein eine Wohnnutzung in Frage kommt, gebe es für den Eiskeller noch keine Planung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen