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Der Schwebende ist zurück : „Engel“ schwebt wieder im Dom

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ernst Barlachs berühmtestes Kunstwerk aus London zurück und wieder für Besucher in Güstrow erlebbar

von
erstellt am 30.Jan.2015 | 18:10 Uhr

Seit Freitag, Punkt 10.54 Uhr, schwebt der 150 Kilo wiegende „Engel“ wieder im Güstrower Dom. Gut ein Vierteljahr repräsentierte Ernst Barlachs Lieblingsfigur Deutschland auf einer Ausstellung im British Museum, einer der berühmtesten musealen Einrichtungen weltweit. Vom 16. Oktober 2014 bis 25. Januar 2015 zeigte Direktor Neil MacGregor „Germany. Memories of a Nation“. Der Schwebende war nach einem originalen VW „Käfer“ das größte Exponat und stellte somit einen Blickfang dar.

„Das war schon ein echter Hingucker“, beschreibt Dirk Hyronimus sein persönliches Erleben der Sonderexposition. Der Mitarbeiter der Güstrower Ernst-Barlach-Stiftung war am Montag nach London geflogen, um das Kriegsmahnmal abzunehmen und für die Rückreise nach Güstrow zu verpacken. Dienstag früh war die Figur abgebaut, doch dann habe man bis zum Abend warten müssen, bis alle Besucher aus dem Museum waren. Zu viel Trubel war auf den Fluren, wo Kisten und Vitrinen ausgebreitet wurden; jeder Aussteller wollte sein Exponat reisefertig machen. Weil der Bronze-Hohlguss dann nicht in den Fahrstuhl passte, mussten acht Männer ran und ihn die Treppen runter tragen. Mitsamt Palette immerhin 275 Kilo waren zu bewältigen. Mit dem Lkw ging’s auf den Eurostar und durch den Ärmelkanaltunnel zunächst nach Hannover, wo die Kraftfahrer und Kunstpacker Maik Mähler und Axel Gundlach ein zweites Exponat abzuliefern hatten.

Dirk Hyronimus, der mit dem Flugzeug voraus flog, nahm in Güstrow den Transport am Donnerstagabend wieder in Empfang. Dazu brachte er die letzte aktuelle Zahl mit: 108  000 Besucher waren in der Londoner Sonderausstellung – und sahen den Schwebenden! Darunter die Bundeskanzlerin und auch eine Gruppe der Domgemeinde, die nach anfänglicher Skepsis, ob ein solches Kunstwerk seinen extra dafür konzipierten Platz überhaupt verlassen dürfe, selbst sehen wollte. Domküster Kay Philipp gibt schon zu: „Im Sommer wäre das nicht möglich gewesen.“ Zu viele Menschen, die extra wegen des Schwebenden nach Güstrow kommen, könnten enttäuscht sein, wenn der gar nicht da wäre. „Manche wollten gar nicht glauben, dass er nicht hier ist, suchten ihn vergeblich“, erzählt der Küster. Weil im Winter aber weniger Besucher kämen, sei Zeit zum Erklären gewesen. Und die allermeisten, betont Philipp, hätten es verstanden.

Der Küster ist sich aber sicher: „Für Güstrow war die Ausstellung in der Weltstadt London eine riesige Werbung. Ich verspreche mir wirklich jetzt mehr Touristen speziell aus dem englischsprachigen Raum.“ Inge Tessenow, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Barlachstiftung, sieht noch einen Aspekt: „Es ist wunderbar, dass viele tausend Menschen die von Ernst Barlach geschaffene Figur gesehen haben. Schön, dass man das Denkmal jetzt aber wieder in seiner Vollkommenheit in Güstrow erleben kann.“

 

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