SVZ-Serie : Engagierte Helfer in schweren Stunden

Frank Bauriedl und sein Team stellten auf der jüngsten Ehrenamtsmesse im Güstrower Kreishaus den Verein Notfallbegleitung Güstrow vor.
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Frank Bauriedl und sein Team stellten auf der jüngsten Ehrenamtsmesse im Güstrower Kreishaus den Verein Notfallbegleitung Güstrow vor.

SVZ-Serie „Vereine in der Region“: Mitglieder des Vereins Notfallbegleitung Güstrow kommen nach Unfällen und Schicksalsschlägen zum Einsatz.

svz.de von
03. April 2017, 12:00 Uhr

Lange bleibt Frank Bauriedl dieser Unfall im Gedächtnis: eine Baustelle auf der Autobahn, die Geschwindigkeit ist begrenzt. Urplötzlich betritt ein junger Bauarbeiter die Fahrbahn und wird frontal von einem Fahrzeug erfasst. Die Rettungskräfte können nichts mehr für den Verunfallten tun, zu schwerwiegend sind seine Verletzungen. Der junge Mann stirbt noch am Unfallort. Ein paar Meter weiter sitzt der Unfallfahrer in seinem Fahrzeug und starrt auf die eingedrückte Frontscheibe. „Ihm konnten wir helfen, ihn ansprechen, ein Stück seiner Schuld nehmen. Es hätte jeden getroffen, der in diesem Moment an der Baustelle vorbeikam“, sagt Bauriedl. Er ist der Vorsitzende des Vereins Notfallbegleitung Güstrow.


25 Einsätze allein im ersten Jahr


Der Verein, am 25. Februar 2016 gegründet, ist noch jung, seine Mitglieder aber sehr erfahren. 1998 wurden 14 Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes Güstrow zu Psychologischen Fachberatern für Krisenintervention und Notfallnachsorge ausgebildet. Sie erhielten ein Zertifikat und wirkten bis vor gut zwei Jahren als Notfallbetreuer. Nach einer Pause fanden sich zwölf Mitarbeiter zusammen und setzten ihre Arbeit in einem Verein ehrenamtlich fort. „Vor allem der schwere Unfall Mitte August 2015 in Krakow am See mit zwei Toten hat uns und anderen vor Augen geführt, wie wichtig die Arbeit von Notfallbetreuern ist“, erinnert sich Bauriedl. Im ersten Jahr seines Bestehens leisteten die Mitglieder bereits 25 Einsätze. „Wir erlauben uns den Luxus, immer zu zweit zum Einsatzort zu fahren. Da ist mehr Kraft vor Ort und oft erfolgt auf der Rückfahrt bereits die erste Auswertung des Einsatzes“, sagt der Vereinschef.


Schwere Schicksalsschläge


Gerufen werden die Notfallbetreuer bei schweren Verkehrsunfällen, bei unverhofften Todesfällen in der Häuslichkeit, bei traumatischen Erlebnissen nach Bränden oder auch zur Betreuung von Helfern und Rettern nach dramatischen Ereignissen. Ein Schema für die Arbeit gibt es nicht. „Es gibt Menschen, die wollen nach einem Schicksalsschlag nur reden, andere nur zuhören und wieder andere wollen einfach nur, dass wir da sind“, beschreibt Bauriedl. An den Vereinsmitgliedern ist es, Empathie aufzubauen und Zugang zu Unfallopfern oder ihren Angehörigen zu finden. „Wichtig sind die ersten Stunden nach einem schweren Schicksalsschlag. Da müssen wir da sein, bis Hilfe aus dem sozialen Umfeld, von der Familie, von Bekannten oder Verwandten, einsetzt“, hebt der Notfallbegleiter hervor.

Nur vier Tage nach seiner Gründung hat der Verein Notfallbegleitung Güstrow offiziell seine Bereitschaft gegenüber der Integrierten Leitstelle Mittleres Mecklenburg des Landkreises Rostock erklärt, über die Rettungsdienst Güstrow gGmbH Einsätze zu übernehmen. Auch wurden Kontakte zu Feuerwehren aufgebaut. Eine Kooperationsvereinbarung wurde mit der Flughafen Rostock-Laage GmbH geschlossen. Im September nahmen die Notfallbegleiter an einer Großübung auf dem Flughafen teil. Das Szenario: es gab eine Bruchlandung mit etlichen Verletzten. Gemeinsam mit dem Flughafenpersonal gewährleisteten die Notfallbegleiter die Betreuung der Angehörigen.

Der Güstrower Verein ist für seine Arbeit auf Spenden angewiesen. „Eine Anwaltskanzlei unterstützte uns im ersten Jahr und wir erhielten die Einnahmen aus dem Bücherbasar zum Tag der offenen Tür an der Fachhochschule Güstrow“, sagt Bauriedl. Manchmal brauchen auch die Notfallbetreuer Hilfe. Die holen sie sich durch gemeinsame Veranstaltungen im Team oder durch die Verpflichtung eines Supervisors.

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