Flüchtlingshilfe im Ehrenamt : Engagement ohne Grenzen?

Heike Hasenschwanz bei ihrem Vortrag in der Güstrower Viehhalle
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Heike Hasenschwanz bei ihrem Vortrag in der Güstrower Viehhalle

Flüchtlingshilfe im Ehrenamt: Forum für Helfer in Güstrow

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07. März 2016, 05:00 Uhr

Es wären tausende Frauen und Menschen, die in MV in der Flüchtlingshilfe ehrenamtlich tätig sind, kann Ulrike Seemann-Katz vom Flüchtlingsrat nur schätzen. Genaue Zahlen kenne sie nicht, doch allein in Schwerin wären es rund 400. Humanitäre Hilfe kennt scheinbar keine Grenzen. Gelegentlich benötigen Helfer jedoch selber Hilfe, die holen sie sich oft im Austausch mit Gleichgesinnten, Netzwerken nennt man das neumodisch.

„Passen Sie auf sich auf!“, regt Heike Hasenschwanz ihre Zuhörer zur Diskussionen im Güstrower Veranstaltungszentrum Viehhalle an. Vor allem aber ist das ein eindringlicher Hinweis für den Weg nach Hause an die rund 120 freiwilligen Helfer in der Betreuung von Flüchtlingen. Die Unternehmensberaterin aus Carpin bei Feldberg, die sonst Führungskräfte und Angestellte coacht, leitet auch Sprachkurse für Flüchtlinge. Am Sonnabend gab sie mit ihrem Vortrag Impulse für die Gespräche, zu denen die Landeszentrale für politische Bildung, die Ehrenamtsstiftung und der Flüchtlingsrat des Landes eingeladen hatten. „Willkommen und Ankommen in Mecklenburg-Vorpommern – Gemeinsam weiter gestalten“ lautete das Motto bei dem Erfahrungsaustausch über gelingende Projekte und Problemfelder.

Dass Flüchtlingshilfe sehr wohl Grenzen hat, wollte Hasenschwanz deutlich machen. Die Personaltrainerin kennt genügend Fälle von Helfern – ob ehren- oder hauptamtlich –, die an ihre Grenzen gekommen sind und diese teilweise sogar überschritten hätten, wie sie berichtete. Denn bei aller Aufopferung für eine vermeintlich gute und gesellschaftlich weitgehend hoch anerkannte Arbeit, dürfe niemand sich selbst aus dem Auge verlieren.

Aber wo beginnt und wo endet die Verantwortung vor allem der ehrenamtlich Tätigen und ihre Unterstützung für die Schutzsuchenden? Hasenschwanz mahnte die freiwilligen Helfer, ihre persönlichen Grenzen zu erkennen, sie ernst zu nehmen und einzuhalten. „Dazu ist ständige Selbstreflexion nötig, um zu sehen, wann sich der Stress-Topf füllt.“ Hasenschwanz weiß: Oft genug streben Helfer danach, für die Schutzsuchenden über die humanitäre Verpflichtung hinaus da zu sein, auch sehr persönlich. Nähe sei ja auch erforderlich, um die Situation der in unserem Land fremden Menschen verstehen zu können und Empathie zu entwickeln. Zugleich sei aber auch Distanz nötig, dürfe man die Sorgen und Probleme der betreuten Menschen nicht zu sehr an sich persönlich heranlassen, wolle man in der selbst gestellten Aufgabe über längere Zeit bestehen können. Distanz erfordere das ebenso gegenüber möglicherweise fremdenfeindliche Stimmungen im Ort oder auch zu Behördenmitarbeitern, die mitunter bürokratisch, scheinbar herzlos agieren. Dabei sollte sich jeder Helfer bewusst sein: „Du bist nicht allein.“ Hasenschwanz: „Wenn man das sieht, bringt das schon ein großes Stück Entlastung.“

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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