Interview Dr. Wolfgang Kraatz : Endlich Herr über Terminkalender

Aufgeräumt wie sein Schreibtisch geht Wolfgang Kraatz in den Ruhestand.
Aufgeräumt wie sein Schreibtisch geht Wolfgang Kraatz in den Ruhestand.

Nach 23 Jahren als Dezernent der Landkreise Bad Doberan und Rostock geht Dr. Wolfgang Kraatz in den Ruhestand.

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29. November 2017, 05:00 Uhr

Der Schreibtisch ist aufgeräumt, Schlüssel und sind Diensthandy sind abgegeben. „So gehe ich auch – aufgeräumt“, sagt Dr. Wolfgang Kraatz (SPD), noch bis morgen offiziell Dezernent für Wirtschaft und Bau bei der Kreisverwaltung. Am Donnerstag läuft seine Zeit als Wahlbeamter ab. Kraatz geht in Ruhestand. Seine Nachfolge tritt am Freitag Romuald Bittl (CDU) an (SVZ berichtete). 23 Jahre war Kraatz als Dezernent und stellvertretender Landrat in den Landkreisen Bad Doberan und Rostock tätig. Schon zuvor war er ab 1990 Kreistagsmitglied und Kreistagspräsident. SVZ-Redakteurin Regina Mai sprach mit Wolfgang Kraatz.

Herr Kraatz, lassen Sie es ruhig ausklingen oder ist noch dringendes zu erledigen?

Kraatz: Ich denke, alles Dringende ist erledigt. Zuletzt waren noch ein paar Alltagsaufgaben zu erfüllen: Verträge, die zum Jahresende ablaufen, neu abschließen; Aufträge auslösen, um den Straßenausbau in den nächsten Jahres vorzubereiten. Mittwoch und Donnerstag bin ich nicht mehr im Büro, sondern beim Landestourismustag in Linstow.

Wie war das, als sie vor 23 Jahren beim Landkreis anfingen?

Ich war in der Kreispolitik tätig und als sich mit der Kreisgebietsreform die Möglichkeit bot, habe ich nicht lange überlegt. Ich bin von Beruf Maschinenbauingenieur, habe an der Uni Rostock promoviert und hatte zuletzt am Institut für Atmosphärenphysik gearbeitet. Als ich am 1. Dezember 1994 anfing stapelten sich Akten auf meinen Schreibtisch.

Welche Erfolge bei der Entwicklung der Landkreise sind ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Einer der großen Stapel auf dem Schreibtisch betraf die Kleinbahn Molli. Es war ein wahnsinnig schwieriger Kampf mit der Reichsbahn, der Bahn AG und der Treuhand. Es ist gut ausgegangen. Der Molli fährt heute noch. Zufrieden macht mich auch die Gründung der Rebus GmbH. Das Verkehrsunternehmen steht sehr gut da und wird sich weiter entwickeln.

Sicher sind auch Vorhaben nicht gelungen!?

Ich hatte mir vorgestellt über die Kurtaxe in den Kurorten eine Art Kurkarte zu entwickeln, mit der die Urlauber auch den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen können. Es ärgert mich schon, dass ich das nicht geschafft habe.

Was waren die größten Herausforderungen in den 23 Jahren?

Das waren die beiden Gebietsreformen – 1994 und 2011 – wobei für mich die erste viel turbulenter war. Hier prallten unterschiedliche Auffassungen in der Verwaltung ebenso wie in der Politik aufeinander. Nach dem Tod von Landrat Thomas Leuchert die Geschäfte als amtierender Landrat zu führen, war auch nicht ganz einfach.

Was fangen sie ab Freitag mit ihrer freien Zeit an?

Erst einmal steht die Familie im Mittelpunkt. Unser fünfte Enkelkind darf in der nächsten Woche erwartet werden. Es gibt einige ehrenamtliche Funktionen – Landestourismusverband, Medienausschuss des Landes –, die bleiben, und manche Nachfrage. Darüber werde ich in Ruhe nachdenken.Erst einmal bin ich froh selbst über meinen Terminkalender bestimmen zu können. Ziemlich sicher bin ich mir, dass ich die Zusammenarbeit mit den Kollegen, die mir doch irgendwie ans Herz gewachsen sind, vermissen werde.

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