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Historisches aus Güstrow : Endlich gerettet: der Klosterhof

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ein geschichtlicher Rückblick der Besiedlung des Klosterhofs, recherchiert von Hobbyhistoriker Ulrich Schirow.

Vor fast 800 Jahren wurde das Areal des Klosterhofes in das Altstadtbild Güstrows integriert. Durch die ungünstige geologische Beschaffenheit wollte dort niemand gerne wohnen. Heute ist das bautechnisch kein Problem mehr, und so hat die AWG Güstrow das freie und brach liegende Areal von der Stadt erworben und kann nun nach einer Phase der archäologischen Untersuchung mit der neuen Bebauung beginnen.

Um 1260 kamen viele jüdische Flüchtlinge nach Mecklenburg, um vor Verfolgung im heimatlichen Brandenburg Schutz zu suchen. Der werlische Fürst Johann nahm in Güstrow diese Flüchtlinge gegen Zahlung einer Schutzgebühr auf und wies ihnen das heutige Klosterhofareal zur Besiedlung zu. Diese erbauten schon sehr bald eine Synagoge auf (um 1300 nachgewiesen) und trieben erfolgreich Handel und Wandel.

Das rief schnell den Neid der angestammten Kaufleute hervor. Außerdem inszenierte der Fürst gegen die Juden Intrigen, da er selbst in ständiger Geldnot war und veranstaltete eine Hetzjagd (Pogrom) gegen diese. Man warf ihnen Schändung und Frevel der im Dom vorhandenen Hostien vor. Alle Juden wurden in den Kerker geworfen, angeklagt und gefoltert, um Geständnisse zu erzwingen, doch erfolglos. Letztlich wurden alle 1330 zum Tode verurteilt und wie schon zuvor in Krakow und Schwerin auf dem Scheiterhaufen verbrannt. 1492 fand das letzte Pogrom gegen die Juden Mecklenburgs in Sternberg statt, und auch dort wartete am Ende der Scheiterhaufen. So war das gesamte Mecklenburg 1492 judenfrei geworden, und nach Güstrow kamen erst rund 400 Jahre später, um 1750, wieder Bewohner jüdischen Glaubens.

Der Fürst ließ die Synagoge abreißen und baute nach dem Vorbild anderer Städte dort eine Fronleichnamskapelle des Heiligen Blutes auf. Damit wurde nun Güstrow auch zu einem Wallfahrtsort. Die vielen Pilger aus der näheren und weiteren Umgebung konnten die Hostien natürlich nicht umsonst sehen, sie mussten dafür kräftig zahlen. Die steigende Geldgier des Fürsten in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche gipfelte schließlich im Ablasshandel, und für die Hostienbesichtigung mussten die Pilger nach Einführung einer Sündenwaage nach ihrem Körpergewicht bezahlen.

1503 gab es einen großen Stadtbrand in Güstrow, dem auch die Heiligblutkapelle zum Opfer fiel. Erst durch die Reformation, die wenige Jahre später auch Güstrow erreichte, wurde dem übertriebenen Aberglaubenspuk ein Ende gesetzt. Das Klosterhofareal nannte man zu der Zeit „Des hilligen blodes straten.“ Die Besiedlungsgeschichte ging weiter.

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