SVZ-Serie „Ehrensache“ : „Elternarbeit zu wenig gewürdigt“

Auch bei Börsen für Baby- und Kindersachen in Lalendorf ist Andrea Bommhardt regelmäßig anzutreffen.
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Auch bei Börsen für Baby- und Kindersachen in Lalendorf ist Andrea Bommhardt regelmäßig anzutreffen.

Die 51-jährige Andrea Bommhardt aus Lalendorf arbeitet ehrenamtlich in zwei Elternräten mit.

svz.de von
12. März 2016, 05:00 Uhr

Erst am vergangenen Wochenende war Andrea Bommhardt aus Lalendorf im Einsatz bei einer Börse für Babysachen in der Lalendorfer Schule. Aber die zweifache Mutter engagiert sich nicht nur im Elternrat des Kindergartens, sondern arbeitet ebenso im Elternrat des Landesförderzentrums Hören in Güstrow mit.


„Die Schwachen fallen oft hinten runter“


Mit dieser Aufgabe wurde die 51-Jährige schnell betraut, als vor fünf Jahren ihre Tochter im Förderzentrum eingeschult wurde, weil sie mit einer Hörschädigung aufwächst. Insgesamt besuchen etwa 200 Kinder das Landesförderzentrum. Weitere 560 Schüler etwa werden an 260 Schulen im Land betreut – im gemeinsamen Unterricht. So viele Kinder betrifft es insgesamt also nicht. „Aber die Schwachen fallen oft hinten runter. Für diese möchte ich mich gern einsetzen“, sagt Andrea Bommhardt. Schon zuvor hat sie sich im Elternrat der Kindertagesstätte eingebracht. „Meckern kann jeder, aber das ist keine Lösung“, fügt sie an. So redet sie viel lieber mit und formuliert eigene Gedanken.

Geboren in Röbel, lernte Andrea Bommhardt Zootechnikerin und absolvierte anschließend ein Landwirtschaftsstudium in Güstrow-Bockhorst und Meißen. Neben ihrem Beruf studierte sie noch Erwachsenenpädagogik an der Uni Rostock. Seit Jahrzehnten ist sie als Lehrerin an der Fachschule für Agrarwirtschaft tätig und unterrichtet Berufs- und Arbeitspädagogik und Tierproduktion. In dieser Zeit lernte sie ihren heutigen Mann Olav kennen. In ihrer Freizeit pflegt Andrea Bommhardt ein besonderes Hobby. Sie fräst Sprüche in Steine. Das habe vor etwa sieben Jahren begonnen. „Für besondere Menschen kann ich so ein besonderes Geschenk fertigen, das außerdem lange Bestand hat“, sagt sie.

So manches Wochenende und manche freie Minute verbringt die 51-Jährige mit ihren Ehrenämtern. „Ich nehme aktiv an Anhörungsgruppen teil“, erzählt sie. Froh ist Andrea Bommhardt, wenn sie etwas erreichen und bewegen konnte. „Vor zwei Jahren haben wir geschafft, dass eine Langzeitvereinbarung geschlossen wurde, die den Erhalt der mobilen Frühförderung sichert“, sagt sie. Gerade setzt sich Andrea Bommhardt im Rahmen des Inklusionsprozesses für die Gestaltung angemessener Rahmenbedingungen bei der Beschulung von Kindern mit Hörschädigung ein. „Diese Behinderung ist mit keiner anderen vergleichbar und braucht besondere Bedingungen materiell-technischer Art wie auch hinsichtlich der Qualifikation der Lehrkräfte“, sagt sie.


Mehr als Kuchen backen und basteln


Im Elternrat der Kita wird es das letzte Jahr sein, in dem sich die Lalendorferin einbringt. Ihre Kinder sind inzwischen aus dem Alter heraus gewachsen. Doch Andrea Bommhardt will sich auch weiterhin bei der Organisation der Börsen für Baby- und Kindersachen einbringen. Eines aber ärgert sie. „Elternarbeit wird viel zu wenig gewürdigt“, sagt die agile Mutter und Frau. Denn dahinter stecke viel mehr als Kuchen backen und basteln.

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