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Güstrower Anzeiger

23. September 2017 | 07:51 Uhr

Güstrow : Eltern spenden Nieren für Tochter

vom

Die Güstrowerin Birte Dederin steht zum zweiten Mal in ihrem Leben vor einer Nierentransplantation. Vor elf Jahren spendete ihr Vater die erste Niere. Mittwoch lässt sich ihre Mutter operieren.

svz.de von
erstellt am 21.Jun.2013 | 07:18 Uhr

Güstrow | Die Güstrowerin Birte Dedering ist nervös und in ihren Gefühlen hin- und hergerissen. "Am Tag ist das kein Problem, da habe ich Ablenkung. Aber nachts kommen die Gedanken", erzählt sie. Sie drehen sich um Leben und Tod, denn die 36-Jährige steht zum zweiten Mal in ihrem jungen Leben vor einer Nierentransplantation. Das Besondere dabei: Vor elf Jahren spendete ihr Vater Folke (heute 67) ihr die erste Niere. Am kommenden Mittwoch wird sich ihre Mutter Christel (66) für ihre Tochter operieren lassen und ihr das lebensrettende Organ geben.

Die Dialyse gab Birte Dedering den Rest

Auch diese Transplantation ist notwendig, weil Birte seit ihrem 17. Lebensjahr unter Glomerulonephritis, einer Entzündung der Nierenkörperchen, leidet. Aus Ursachen, die nicht herausgefunden wurden, wurde die Krankheit bei ihr chronisch, verbunden mit der Aussage der Ärzte: "Irgendwann müssen Sie an die Dialyse und es muss transplantiert werden." Für Birte begann eine schwere Zeit. Als ein eher pessimistischer Mensch, wie sie gesteht, geriet sie mehr und mehr unter psychischen und physischen Druck. "Man hadert einfach mit dem Schicksal, schließlich war und bin ich noch jung", sagt sie. Vieles konnte sie nicht machen, weil sie nicht belastbar war, z.B Tennis spielen. Zum Glück konnte sie ihren Beruf - Bürokauffrau - im elterlichen Betrieb ausüben. Die Dialyse gab ihr allerdings den Rest. "Ich hatte Krämpfe, Migräne. Immer nach der Dialyse, die dreimal in der Woche vier Stunden dauerte, war für mich der Tag gelaufen", erinnert sie sich. Die Krankheit spitzte sich zu, die Familie litt mit ihr und die Transplantation wurde unausweichlich.

Warteliste bei Eurotransplant zu lang

Aber die Warteliste bei Eurotrans plant ist lang. Birte Dedering: "Ich habe mich mit der Statistik beschäftigt. In Deutschland warten 12 000 Menschen auf ein Spenderorgan. Bei Nieren sind es 8000, aber nur ein Drittel der Organe ist verfügbar. Die Wartezeit beträgt im Schnitt sechs bis acht Jahre."

Das war für die Familie Dedering keine Option, denn das Leben der Tochter war in Gefahr. Folke Dedering: "Ich konnte das Elend nicht mehr ertragen. Man hat doch einem Kind das Leben geschenkt. Da macht man letztlich alles, um dieses Leben zu retten."

Eltern zögerten keinen Moment zu helfen

Am 28. November 2001 wurde Birte operiert. "Da dachte ich, dass ich nur gewinnen kann. Im schlechtesten Fall wäre ich wieder am Dialysegerät gelandet", blickt sie zurück. Das wäre auch fast passiert, denn während der Vater alles gut überstand, musste sich Birte mit vielen Komplikationen abfinden. Fünfmal gab es Abstoßreaktionen, auch einen Virus fing sie sich ein. Nach einem halben Jahr dann doch ein glückliches Ende. Durch eine Therapie bekamen die Ärzte das Immunsystem wieder in den Griff - für elfeinhalb Jahre. Trotzdem war die Zeit wie ein "Tanz auf der Rasierklinge". Birte Dedering: "Es lief nicht so wie gedacht und gewünscht. Die Blutwerte blieben immer grenzwertig. Im vergangenen Jahr wurde es dann wieder akut. Nach einer kurzen Stabilisierung - ein dreiviertel Jahr - war es kurz vor Pfingsten in diesem Jahr aber wieder eine unumstößliche Tatsache: Es muss transplantiert werden oder es wartet die Dialyse. Mutter Christel zögerte keinen Moment, ihrer Tochter zu helfen. Sie war auch 2001 schon dazu bereit. Aber da rieten die Ärzte ab, hatte sie sich doch zuvor einer schweren Brust- und Lungenkrebsoperation unterziehen müssen. Ein weiterer Schicksalsschlag, den die Familie verkraften musste. Nach 15 Jahren sehen die Ärzte durch den Krebs jetzt aber kein Hindernis mehr. Für Christel Dedering stand nach dem grünen Licht der Ärzte fest, Birte zu helfen. "Sie ist doch viel zu jung, und ich will nicht am Grab meiner Tochter stehen", sagt sie. Außerdem muss sie immer wieder daran denken, dass Birte die schönsten Jahre ihrer Jugend in Krankenhäusern verbracht hat und auf vieles verzichten musste, was für andere Jugendliche selbstverständlich ist.

Die ganze Familie - auch Birtes beide Brüder und alle Angehörigen - hoffen nun wieder, dass alles gut und noch besser ausgeht. Montag gehen beide ins Krankenhaus und werden auf ihre Operationen vorbereitet. Christel Dedering denkt dabei nur positiv. "Ich will nur meiner Tochter helfen. Dass es schlecht ausgehen kann oder ich sterben kann, daran denke ich nicht."

Im Oktober will Birte zu Fleetwood Mac

Birte hofft und vertraut, dass die Operation gut verläuft und dass diese Niere länger hält und sie in ihrem Leben ein bisschen mehr belastbar sein wird. Sie nimmt sich aus der Erfahrung der ersten Transplantation aber nichts vor. Trotzdem hat sie Wünsche: Birte möchte reisen sowie mit ihrem Lebensgefährten und ihren Freundinnen viel Konzerte besuchen und ins Theater gehen. Ein Termin steht dann aber doch fest: Im Oktober will Birte mit ihrer Truppe zu einem Konzert mit Fleetwood Mac.

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