Wardow : Eltern kämpfen um Kita-Vorzüge

Die Kobrower Spatzenhaus-Kita hat einen Vorzug: Betriebsferien gibt es hier nicht. Eltern wissen das zu schätzen – und zwingen den Bürgermeister zum Rückzug seiner Urlaubspläne.

Seit einigen Jahren schon in der Diskussion, und doch noch ohne Ergebnis: Geht es nach Bürgermeister Günter Schink, würde es in der kommunalen Kindertagesstätte „Spatzenhaus“ in Kobrow in spätestens zwei Jahren Betriebsferien geben. Doch obwohl der Bürgermeister gute Gründe ins Feld führt, zieht er seine Beschlussvorlage wieder einmal zurück. Und dann, als wollte er seinen Gedanken konterkarieren, reicht er einen Alternativvorschlag ein – dem die Gemeindevertretung einstimmig ihr Okay gibt.

Einig ist sich Günter Schink mit seinen Gemeindevertretern ebenso wie mit vielen Eltern, die der Sitzung in Wardow am Montagabend interessiert und teilnahmsvoll beiwohnten: „Wir wollen unsere gemeindeeigene Tagesstätte erhalten. Und wir müssen eine Lösung finden, um sie möglichst lange zu erhalten.“ Es geht um den Betreuungsschlüssel, der nur auf den ersten Blick Kobrow großzügig erscheint. Geschuldet ist das einer besonderen räumlichen Situation in der Naturkindertagesstätte.

Jedoch: Bei sechs benötigten und aktuell vorhandenen Angestellten wäre im Durchschnitt auf das Jahr gerechnet immer eine Kraft nicht da. Urlaub, Weiterbildung, Krankheit… Am Ende kommen 240 Ausfalltage im Jahr zusammen, rechnet Bürgermeister Schink vor. Nur: Krankheit lässt sich freilich nicht auf einen Durchschnitt planen. Und dann wird es eng, wenn gerade eine Kollegin im Urlaub oder eine andere gar bereits krank ist.

Günter Schinks Lösung sind Betriebsferien. Zwei Wochen im Jahr kompakter Urlaub wären dann schon für jede Beschäftigte weg. Das würde die Situation deutlich entspannen, meint er.

Die Botschaft verstand man schon, nur die Lösung nicht. „Oft genug bekommen Eltern in der dann festen Zeit gar keinen Urlaub“, wirft Sylvana Cerncic ein. Die betroffenen Kinder müssten dann in eine andere Kita, meint die Groß Ridsenowerin, doch das könne ja nicht der richtige Weg sein. René Lenser, als Jahmener „Gemeindefremder“, bestätigt, dass ja gerade die im Jahr durchgängige Öffnung des „Spatzenhauses“ für ihn so attraktiv sei. „Ich wäre auch bereit, einen erforderlichen Mehraufwand dafür finanziell auszugleichen“, bietet René Lenser sogar an, in Rechnung stellend, dass das wohl nicht bei jedem so einfach ginge. René Lenser bestätigt damit aber einen speziellen Vorzug der Kobrower Kita, der sichtbar Eltern auch von außerhalb anlocke. Denn oft genug sind hier Mutter oder Vater im Schichtdienst, der Mann auf Montage, Soldatenväter irgendwo auf der Welt unterwegs – und nicht jeder hätte eine Oma/Opa-Alternative für die Betreuung der Kinder.

Gemeindevertreter Egbert Blümke bringt es aus Sicht vieler Eltern auf den Punkt: „Unsere Kita ist nicht die billigste. Aber sie hat Vorzüge. Doch wenn wir hier Abstriche machen, könnten Eltern weggehen oder wegbleiben, die sonst bei uns wären.“ Die berühmte Milchmädchenrechnung machte die Runde…

Der Bürgermeister hatte verstanden. Und zaubert seine Alternative aus dem Ärmel: Einstellung einer siebenten Kraft. Mit maximal 27,5 Stunden pro Woche sollte es möglich sein, die vielen dauerhaft anfallenden Überstunden zu bewältigen. „Das würde die Situation etwas entspannen“, glaubt Günter Schink. Die Zustimmung der Gemeindevertreter, wenn auch einhellig, wollte Hauptamtsleiterin Petra Müller jedoch auf eine Willensbekundung heruntergeschraubt sehen. Das müsse zunächst in den Haushaltsplan eingestellt werden und bedürfe in dem Zusammenhang der Genehmigung des Stellenplanes. „Zu beachten ist dabei, dass die Gemeinde im Defizit ist“, weist Petra Müller auf einen durchaus wesentlichen Umstand hin. Heißt: Alles muss jetzt noch einmal gründlich durch die Rechenmaschine.


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