Güstrow : Ekliges Naturschauspiel auf dem Sumpfsee

Zahlreiche Algenwatten treiben auf dem Güstrower Sumpfsee – kein schöner Anblick, aber ganz natürlich.
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Zahlreiche Algenwatten treiben auf dem Güstrower Sumpfsee – kein schöner Anblick, aber ganz natürlich.

SVZ-Leser sind alarmiert: Blaugrüne Fetzen schwimmen auf dem Gewässer – doch das Stalu gibt Entwarnung.

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05. April 2017, 21:00 Uhr

Entsetzt wendet sich SVZ-Leser Eckhard Podack an unsere Redaktion. Bei seinem sonntäglichen Fahrradausflug an den Güstrower Sumpfsee entdeckte der gebürtige Güstrower unidentifizierbare grüne Fetzen, die auf der Wasseroberfläche schwimmen. „Das Wasser darunter – eine gelbe ekelerregende Brühe“, beschreibt Podack seine Entdeckung. „So etwas habe ich weder dort noch irgendwo anders je gesehen – schrecklich“, informiert er weiter. Er habe bereits die Polizei und das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in der Goldberger Straße über seine Beobachtungen in Kenntnis gesetzt, so Podack. Auch Sanny Wittenburg hatte sich am Wochenende über den Anblick des Sumpfsees gewundert und unsere Redaktion informiert. Ihr Verdacht: „Es wurde mal wieder gedüngt.“

Doch die Sachlage sei ganz anders, informiert nun Kreissprecher Michael Fengler und beruft sich damit auf Untersuchungsergebnisse des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg (Stalu). Die merkwürdig anmutenden hellgrünen bis blaugrünen Fetzen seien natürlichen Ursprungs. Es handele sich, so die Experten, im Fall des Sumpfsees um teilweise bereits verweste Algenwatten. Das sind Algen-Nester oder -Teppiche, die, wie am Sumpfsee beobachtet, an der Wasseroberfläche treiben. „Der Auftrieb von Algenblüten, die sich auf dem Seegrund entwickelt haben, ist hier die Ursache“, ist von Michael Fengler zu erfahren.

Gegenwärtig werden diese Algenwatten in Richtung Seeablauf getrieben und sammeln sich dort in den Uferbereichen und vor dem Wehr. Grund für dieses Naturschauspiel ist der Anstieg der Wassertemperatur und das damit verbundene Absterben der Frühjahrsblüten. Am Dienstag haben die Experten des Stalu für den Sumpfsee bereits 15 Grad Celsius gemessen. Zudem wurden Proben genommen und mikroskopisch untersucht. Neben den bereits verrotteten Algen konnte auch frisches Material – fädige Blaualgen und Kieselalgen – ausgemacht werden. „Externe Belastungen können ausgeschlossen werden“, so das Fazit der Untersuchung.

Vorgänge wie diese seien natürlich und treten je nach Wetterlage und Algenentwicklung nicht immer in diesem Ausmaß aber regelmäßig auf. Die gelbliche Wasserfärbung, die auch Eckhard Podack alarmierte, sei typisch für den Sumpfsee. Sie wird durch freischwimmende Algenblüten verursacht. „Für den Sumpfsee sind sehr hohe Algenbiomassen und geringe Sichttiefen von 10 bis 20 Zentimetern und dies fast ganzjährig üblich“, ist vom Stalu als untersuchende Behörde zu erfahren. Der gemessene pH-Wert von 8,8 und die Übersättigung von 130 Prozent bestätigen schließlich: Im Güstrower Sumpfsee blühen im Moment die Algen.

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