zur Navigation springen

Störe in Fischzuchtanlage Dobbin kämpfen ums Überleben : Eklige Brühe lässt Fische verenden

vom

Helle Aufregung in der Forellenzucht Wuttke in Dobbin. Extrem trübes und aufgewühltes Wasser förderte die Nebel in die Fischzuchtanlage. Die Schmutzteilchen machen den Stören und Forellen zu schaffen - viele verendeten.

svz.de von
erstellt am 17.Apr.2013 | 06:02 Uhr

Dobbin | Helle Aufregung in der Forellenzucht Wuttke in Dobbin. Extrem trübes und aufgewühltes Wasser beförderte die Nebel in die Fischzuchtanlage. Die Schmutzteilchen machen den Stören und Forellen zu schaffen - viele verendeten. Möglicher Grund: Die Nebel wird zwei Kilometer flussaufwärts renaturiert. "Wahrscheinlich wurden dort Arbeiten im Übermaß ausgeführt", mutmaßt Ralf Koch, Geschäftsführer des Fördervereins Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, der sofort nach Dobbin gekommen war. Der Auftraggeber der Renaturierung zeigte sich vor Ort sichtlich zerknirscht: "Das darf eigentlich nicht sein!" Gestern Morgen die vorerst erleichternde Nachricht: "Noch mal Glück gehabt. Wir haben nur etwa 30 tote Fische heraus geholt", so Geschäftsführer Maik Wuttke. Allerdings könnte es noch Folgeschäden geben, die jetzt noch nicht offensichtlich seien.

Umleitung der Nebel in altes Bett verhindert

Nachmittags hatte Wuttke am Dienstag festgestellt, dass total verunreinigtes Wasser aus der Nebel kommt. "Die Fische machten eine Schnappatmung und fingen an zu kreisen", erzählt der Unternehmer. Sofort war er zur Baustelle gefahren, dort richtig die Ursache vermutend. So konnte er Schlimmeres verhindern. "Die Umleitung der Nebel in ihr altes Bett habe ich gestoppt", sagte Maik Wuttke. Doch bis das Wasser die zwei Kilometer zurück gelegt hat, dauert es eine Zeit. So acht Stunden, schätzt Maik Wuttke, mussten insbesondere die Störe ums Überleben kämpfen, obwohl er schnell seine Pumpen anstellte, um mehr Sauerstoff ins Wasser zu bekommen. Das allein aber reichte wohl nicht.

Mit seiner Forellen- und Fischzucht ist Maik Wuttke auf frisches und sauberes Wasser der Nebel angewiesen, das direkt durch seine Anlage fließt. Nach dem langen Winter war er froh, dass es nun wärmer wurde und die Fische lebendiger. Und nun das! "Hätten sie ihre Vorhaben mit mir doch nur abgesprochen", rügte er das Planungsbüro. "Dann hätte ich die Forellen raus nehmen oder mir Flüssigsauerstoff besorgen können", fügt er an. Stattdessen lebte der Unternehmer in große r Sorge um seine Fische. "Wir haben es hier immerhin mit einem Bestand von einem Handelswert von 500 000 bis eine Million Euro zu tun. Wenn die Fische tot sind, bin ich pleite", betont Maik Wuttke.


Ökologische Sanierung der Nebel nicht einfach

Volker Thiele, Geschäftsführer der "biota GmbH", dem beauftragten Planungsbüro und Bauüberwacher, informierte sich vor Ort. Er wisse nicht, wie es dazu kommen konnte. "Wir haben Vorversuche gemacht, um das Treiben der Nebel zu überwachen, haben einen Balken eingesetzt, um größere Partikel fern zu halten und die Nebel in ein anderes Bett umgeleitet", zählt er einige Vorarbeiten auf. Allerdings gibt er zu, dass die ökologische Sanierung der Nebel nicht einfach sei. "Es ist ein schwieriges Terrain, weil wir im Niedermoor bauen", betont Thiele. Doch nach europäischer Verordnung seien regelmäßig Wasserproben genommen worden, um Trübung, Sauerstoffgehalt und -sättigung und einiges mehr zu überprüfen.

Wenn man auch noch nicht genau weiß, wer an der Misere Schuld ist: Die Fische mussten es ausbaden. Und letztlich auch Maik Wuttke. "Die Störe können einiges ab, aber sie nehmen uns diese Situation übel", sagt er. Seniorchef Siegfried Wuttke erklärt: "In den nächsten drei Wochen werden die, die das hier überleben, erst mal nicht wachsen."

Bauarbeiten an Nebel vorerst gestoppt

Der Förderverein Naturpark Nossentiner/Schwinzer Heide, der eigentlich die Natur schützen und den Fischen durch eine noch sauberere Nebel etwas Gutes tun will, wird sich nun mit Wuttkes Vorwurf auseinandersetzen. "Besonders ärgerlich ist das, weil wir von insgesamt zwei bereits 1,8 Kilometer geschafft haben", sagte Ralf Koch. Noch am Dienstagabend versprach er, dass erst einmal nicht weiter gebaut werde. "Ich bin froh, dass sich der Schaden in Grenzen hält. Nun müssen wir erst mal schauen, wodurch diese Situation entstanden ist", so der Vorsitzende etwas erleichtert. Für heute ist deshalb eine Bauberatung einberufen worden. Wenn das Wasser wieder sauberer werde und mit Wuttkes gesprochen worden sei, könne es an die letzten 200 Meter gehen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen