Archäologie : Eintauchen in Siedlungsgeschichte

Grabungsarbeiter Alfred Tunnat und Kurt Schwochow bewegen sich mit Kratzer und Besen im Kellerbereich des ehemaligen Renaissancebaus.
Grabungsarbeiter Alfred Tunnat und Kurt Schwochow bewegen sich mit Kratzer und Besen im Kellerbereich des ehemaligen Renaissancebaus.

Güstrower Markt 29/30: Archäologen stoßen auf Vorgängerbau, der vermutlich ebenfalls abbrannte

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03. Juni 2016, 21:00 Uhr

„Wir sind jetzt auf dem archäologischen Niveau angekommen“, berichtet gestern Dr. Holger Fries. Seit Wochenbeginn ist der Archäologe mit seinen beiden Grabungsarbeitern auf der Baustelle Markt 29/30 in Güstrow aktiv. Erste Funde sind wenig spektakulär, für den Archäologen mit Blick auf die Siedlungs- und Stadtgeschichte aber von großem Interesse.

Der Renaissancebau – im August 2014 abgebrannt – habe auf einem sehr breiten Feldsteinfundament gestanden, berichtet Fries. Dieses befinde sich auf Resten eines Vorgängerbaus. Dieser hinterlässt den Bodendenkmalpflegern Reste eines Stampflehmbodens. Auch diese Schicht enthalte Brandspuren. „Der rötlich verfärbte Lehm deutet auf Brandeinwirkung hin“, erklärt der Archäologe. Ob einer der Stadtbrände im 16. Jahrhundert – 1503 war die schräg gegenüberliegende Pfarrkirche ein Raub der Flammen geworden – hier eine Rolle spielt sei noch zu klären. „Wir kratzen ja erst an der Oberfläche, aber es ist natürlich sehr wahrscheinlich“, denkt Fries.

Der Vorgängerbau, so viel weiß man schon, hat auf einer dünnen Sandschicht gestanden. „Eine so genannte Sauberkeitsschicht“, präzisiert der Archäologe und erklärt dazu eine typische Vorgehensweise in Güstrow. Wenn ein Gebäude abgebrannt sei, habe man es oberflächlich beräumt und dann eine Sandschicht aufgebracht. Das Schichtprofil präsentiere sich in einem solchen Fall wie eine Schwarzwälder Kirschtorte, veranschaulicht Fries. Gespannt ist er auf das, was dann noch darunter liegt.

Während man derzeit etwa 70 Zentimeter unter der heutigen Geländeoberfläche angekommen sei, rechnet der Archäologe mit interessanten weiteren 50 Zentimetern, bevor man den „anstehenden Boden“ erreicht. Im Falle von Brunnen oder Schächten könne es auch noch tiefer gehen.

Zwei Wochen haben die Ausgräber noch Zeit, um Funde zu dokumentieren und zu bergen und daraus dann die Bau- und Siedlungsgeschichte des Grundstückes am Güstrower Markt zu rekonstruieren. Holger Fries hofft noch auf einige Funde, die Auskunft darüber geben werden, wie die Menschen im Mittelalter lebten, was sie aßen und wie sie ihren Tisch deckten.

Haben die Archäologen im Auftrag des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege ihre Arbeit getan, kann der Neubau von zwei Wohnhäusern beginnen. Vorgesehen ist, dass dort künftig elf Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten vermietet werden.

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