Kobrow : Einmal im Uhrenturm schlafen

Bisher geht es für Philipp Kaszay nur mit Leitern ins Turmzimmer. Eine Nutzung wird erst möglich, wenn eine Treppe eingebaut ist.
Bisher geht es für Philipp Kaszay nur mit Leitern ins Turmzimmer. Eine Nutzung wird erst möglich, wenn eine Treppe eingebaut ist.

Über eine Crowdfunding-Aktion wird Geld für eine neue Treppe im alten Gutshaus in Kobrow gesammelt.

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12. April 2018, 12:00 Uhr

Nicht chaotisch, aber als Baustelle empfängt das Gutshaus Kobrow den Besucher. Gleich der zweite Blick fällt auf ein „Haus-Schwein“. „Wer spontan an der Tür klopft und von mir durchs Haus geführt wird, darf gern etwas reinstecken“, erklärt Philipp Kaszay, der seit Jahren das Gutshaus Stück um Stück ohne Bankkredit und Fördergelder in Eigenleistung saniert. Dabei ist das Sparschwein eher von symbolischen Wert. Jetzt versucht er es einmal mit einer Crowdfunding-Aktion (Schwarmsammeln von Geld). Der Bau einer Treppe soll so finanziert werden.

Alte Fenster mit Zeitgeschichte

„Noch bis 1. Mai – Tag der Arbeit – läuft die Aktion“, sagt Philipp Kaszay, wie immer in Arbeitskluft, mit einem hintergründigen Schmunzeln und holt zu einer längeren Geschichte aus. Im Turmzimmer wurden im vergangenen Herbst zwei alte, wieder aufgearbeitete Fenster eingesetzt. Die hatten sich noch irgendwo in einer Ecke auf dem Boden befunden. Nach denkmalpflegerischer Zielsetzung waren neue Fenster vorgesehen, aber Philipp Kaszay entschied sich für die alten. Sein Tischler habe sie „nebenbei aufarbeiten“ wollen. Natürlich habe am Ende doch mehr nachgebaut werden müssen, als zunächst gedacht. Mit dem Ergebnis aber ist der 41-Jährige höchst zufrieden. Er könne jetzt Kastenfenster mit Zeitschichten präsentieren – außen das Original und innen die DDR-Fenster. Anders als sonst üblich hatte man zu der Zeit nicht die Fensteröffnung den zur Verfügung stehenden neuen Fenstern angepasst, sondern umgekehrt – eine Leistung, die Philipp Kaszay würdigen möchte.

Jetzt erschien es aber schade, dass noch gar keine Nutzung des Turmzimmers möglich ist. Die Idee ist es, hier ein Ferienzimmer einzurichten und dabei auch gleich noch eine Etage höher zu gehen. Von dort biete sich ein wunderschöner Blick ins Recknitztal. „Schlafen im Uhrenturm“ könnte der Werbeslogan lauten, denkt Philipp Kaszay. Allerdings fehlen dazu die Treppen. Verfall und Vandalismus hätten die alten Aufgänge unbrauchbar gemacht. „In lustiger Runde haben dann Freunde das Crowdfunding ins Gespräch gebracht“, erzählt der Kobrower und ist froh, dass sie es auch in die Hand genommen haben. Bei doch beachtlichen Raumhöhen benötige er etwa 10 000 Euro für die Treppen. Und es sei sinnvoll, gleich den Aufstieg bis in die Turmspitze zu realisieren. „Sonst müsste man die obere Treppe später wahrscheinlich mit einem Kran hinein hieven“, erklärt der Bauherr. 2280 Euro seien schon zusammengekommen.

Sommerfest mit den Spendern im Juli

„Wir möchten helfen, weil alles, was man in diesem Haus anfasst, einfach sehr, sehr aufwendig ist“, erklärt Kaszays Freund Ronny Illner sein Engagement. Das Gutshaus stehe im Mittelpunkt des Dorfes, es zu erhalten und wieder mit Leben zu füllen, sei eine Aufgabe und eine Anstrengung, die er wertschätze. Als Dankeschön plant Philipp Kaszay ein Sommerfest am 7. Juli, zu dem alle Spender eingeladen werden. „Und hoffentlich können sie dann die neuen Treppen benutzen“, sagt der 41-Jährige, der vor Jahren aus Baden-Württemberg nach Mecklenburg kam, weil ihn hier unter anderem die Gutshausarchitektur fasziniert hatte.

Neben der Wohnung für Familie Kaszay vermietet er bereits eine Ferienwohnung im Haus. Möglichst bis zum Sommer sollen weitere Zimmer und eine zweite kleine Ferienwohnung fertig werden. Zehn Personen könnten auf der oberen Etage in leicht rustikalem Ambiente unterkommen. „Ein Hotel wird das hier nicht. Hier gibt es keinen Laminatfußboden und keine Rauhfasertapete“, sagt Philipp Kaszay. Eher käme man nach Kobrow wie zu Besuch bei Freunden. Der Bauherr sucht stets einen Weg, die Nutzung der vorhandenen Raumstruktur anzupassen und nicht umgekehrt.

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