Schulunterricht in MV : Eine Stunde ist eine Stunde

Die Klasse 6a macht hier Geografie mit Lehrer Andreas Knauer.
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Die Klasse 6a macht hier Geografie mit Lehrer Andreas Knauer.

Pogge-Schule in Lalendorf experimentiert offenbar mit Erfolg: kein Unterricht mehr mit 45 Minuten / Vorteile: klare Struktur, mehr Zeit

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23. November 2014, 23:00 Uhr

Selbstständigeres Lernen, mehr außerschulische Aktivitäten, Kontakte fördern, längere Pausen ermöglichen – und intensiverer Unterricht obendrauf? Wie die scheinbare Quadratur des Kreises aufgehen kann, zeigt die Regionale Johann-Pogge-Schule in Lalendorf jetzt im zweiten Schuljahr. Ihr Geheimnis: Umstellung des Stundenrhythmus vom seit 103 Jahren in Preußen üblichen 45-Minuten-Unterricht auf 60-Minuten-Takte. Das Prinzip: Eine Stunde ist eine Stunde. Und wie es aussieht, funktioniert es.

Deshalb soll es für die Lalendorfer auch gar kein Experiment bleiben. Schließlich habe das einen regelrechten Paradigmenwechsel von allen Pädagogen abgefordert, aber ebenso von den Schülern, mitunter auch von Eltern. Schulleiter Ortwin Ackermann erklärt, wie es dazu kam: „Ausgangspunkt war die Einsicht, dass bei 45 Minuten vieles an notwendiger Intensität der Unterrichtsstunde verloren geht – bevor es richtig los geht, vergehen einige Minuten, und zum Ende hin lässt die Konzentration nach, weil es ja gleich zu Ende ist.“ Fazit: 45 Minuten sind für bestimmte Unterrichtsinhalte zu kurz. Doch auch die Doppelstunden hätten sich nicht als geeignet erwiesen, da 90 Minuten wiederum für viele Schüler zu lang sind.

Als sich die Lalendorfer nach einer Lösungsidee umschauten, fanden sie in Mecklenburg-Vorpommern aber kein anderes System. „Wir sind dann nach Brandenburg, nach Finowfurt gefahren und haben uns den dort schon praktizierten 60-Minuten-Unterricht angeschaut“, berichtet der Schulleiter – und sah sich in seiner Intention bestätigt. Dann machte sich die Poggeschule daran, das Kernstück ihrer Reform anzupacken: das Neuberechnen der Stundenpläne, die Aufteilung der Unterrichtsstoffe, Stundentafeln und Lehrerarbeitszeit auf 60-Minuten-Einheiten. „Da geht natürlich nicht alles eins zu eins auf. Weil Differenzen unvermeidlich waren, haben wir den Hauptfächern wie Mathematik oder Deutsch etwas mehr Zeit zugeschlagen, bei anderen Fächern fehlt dafür etwas“, erläutert Ackermann den notwendigen Kompromiss an seiner Schule.

Inzwischen, nach mehr als einem Schuljahr, habe sich alles gut eingespielt. Um 7.30 Uhr beginnt die erste Stunde. Es folgen, nach 15-, 25- und 10-minütiger Pause, weitere drei Stunden. Ein so genanntes Mittagsband schließt sich an. In dieser Stunde wird Mittag gegessen, und es gibt – als Ganztagsschule – außerschulische Angebote: Spiele, Computer, Handarbeit, Förderunterricht, Hausaufgaben… Die Angebote sind vielfältig. Ein Mindestmaß muss von den Schülern als Pflicht wahrgenommen werden, das fördere die Kontakte der Schüler – untereinander und mit der Schule, betont Heinrich Beudt, stellvertretender Schulleiter. Nach dieser Erholungsstunde schließt sich um 13.20 Uhr für die höheren Klassenstufen die 5. und letzte Stunde des Tages an, wiederum genau 60 Minuten lang.

Die Lalendorfer könnten die Ersten in Mecklenburg-Vorpommern sein, bei denen eine Schulstunde 60 Minuten hat, vermutet Ortwin Ackermann. Inzwischen hat eine Schule in Teterow das nachgemacht. Und es gibt Anfragen nach Erfahrungsberichten, z.B konkret aus Rethwisch, weiß der Schulleiter. „Ich kann sagen: Es funktioniert hervorragend. Wir sind sehr zufrieden.“
 

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