Eine Gemeinde wehrt sich

Der Pappelweg in Elmenhorst:  Die Bürger  wollen, dass der Bauverkehr hier entlang rollt - und nicht mitten durch das Wohngebiet Nordkante.georg Scharnweber
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Der Pappelweg in Elmenhorst: Die Bürger wollen, dass der Bauverkehr hier entlang rollt - und nicht mitten durch das Wohngebiet Nordkante.georg Scharnweber

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30. März 2010, 01:57 Uhr

elmenhorst/ lichtenhagen-Dorf | Der Bebauungsplan Nr. 3/IV "Wohngebiet mit Altenpflege-Anlage" in Elmenhorst sorgt für Wirbel in der Gemeinde. Widerstand regt sich: Die Bewohner des Wohngebietes Nordkante (angrenzend zur Golfplatzanlage Warnemünde) fürchten, dass das Baugebiet über die nahe gelegenen Berg- und Nordstraße erschlossen wird. Auf der Fläche zwischen dem Wohngebiet Nordkante im Osten, Schulweg im Süden und Pappelweg im Westen. "Uns geht es gar nicht um das Baugebiet an sich, sondern darum, wie das Gebiet straßenmäßig erschlossen wird", sagt Ralf Klimasch, betroffener Anwohner und ehemaliges Gemeinderatsmitglied. "Abgesehen davon sind die Straßen für den Bau- und späteren Anwohnerverkehr zu schmal." Bürgermeister Horst Harbrecht versichert, das Vorhaben solle "für alle verträglich werden", indem die Baufahrzeuge nicht nur über eine, sondern über zwei oder drei Straßen rollen werden. Doch so einfach lassen sich die Elmenhorster nicht beschwichtigen. Klimasch betont, dass die Gemeindevertretung bereits festgelegt hatte, die Erschließung solle über die Hauptstraße und den Schulweg erfolgen. "Jetzt lassen die Gemeindevertreter dem Investor alle Optionen offen", so Klimasch. In der Gemeinde könne nicht einfach über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden werden. "Die haben noch mit uns zu rechnen."

Harbrecht verweist darauf, dass weder Bebauungsplan noch Erschließungsvertrag vorliege. Wenn es so weit sei, "können dann alle Einwohner bei einer Einwohnerversammlung mitreden", versichert er. Außerdem werde vorerst nur beschlossen, dass auf dem Gebiet nicht nur, wie ursprünglich geplant, betreutes Wohnen gebaut werde. Auch Eigenheime sollen auf der Fläche entstehen. Es gehe vorerst um "eine Grundsatzentscheidung, wie der Bebauungsplan einmal aussehen soll".

Ursprünglich war die gesamte Fläche von 27 000 Quadratmetern für den Bau einer Altenpflege-Anlage vorgesehen. Allerdings habe sich bislang kein Investor dafür gefunden, so Harbrecht. Der neue Beschluss sieht so aus: Von der gesamten Fläche soll nun ein Viertel für Senioren erschlossen werden, das verbleibende Areal ist dem Bau von Eigenheimen vorbehalten. Harbrecht unterstrich, dass es im Moment nur um diese neue Beschlussfassung ginge. Die Bürger hätten allerdings auf der vergangenen Gemeindevertretersitzung klar gemacht, welche Position sie vertreten. "Das war gut, dass wir uns in der letzten Gemeindevertretersitzung bereits in den Haaren lagen", sagt er.

Auch aus den eigenen Reihen regt sich Widerstand. Peter Teichert (SPD) sieht "keinen Bedarf für Bebauung in der Gemeinde. Der Schwerpunkt sollte die innere Entwicklung sein", kritisierte er das Bauvorhaben. Es gebe diesbezüglich zu viele Probleme und Unwegbarkeiten.

Detlef Czybulka, Universitäts-Professor für Öffentliches Recht, lebt im Wohngebiet Nordkante. "Es kann unmöglich sein, dass in Zukunft Baufahrzeuge durch die Nord- und Bergstraße donnern" - viel zu gefährlich für dort spielende Kinder. Für den Jurist ist klar: "Das Baugebiet muss über eine eigens angelegte Baustraße oder über die andere Seite erschlossen werden. Also über den Pappel- und Schulweg im unbebauten Bereich." Er findet das Engagement und den Widerstand der Anwohner hinsichtlich der Erschließung gut - "wenn man hier was anderes durchdrückt, werden die Bürger demonstrieren."

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