Schloss Güstrow : Eine Einladung zum Dialog

Rolf Kuhrt (l.) und Horst Hirsig im Dialog vor Kuhrts Skulptur „Haut“ in der aktuellen Ausstellung auf Schloss Güstrow.
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Rolf Kuhrt (l.) und Horst Hirsig im Dialog vor Kuhrts Skulptur „Haut“ in der aktuellen Ausstellung auf Schloss Güstrow.

Ausstellung von Horst Hirsig und Rolf Kuhrt auf Schloss Güstrow.

svz.de von
05. Juni 2016, 21:00 Uhr

Ein Bier hatten sie schon miteinander getrunken. Das war, erinnern sich beide, 1992 in Paderborn, als Horst Hirsig und Rolf Kuhrt in einer Sommerakademie lehrten. Über 20 Jahre später unterbreitete das Staatliche Museum Schwerin den beiden Künstlern das Angebot einer gemeinsamen Ausstellung auf Schloss Güstrow. Am Freitagabend wurde die Ausstellung „Dialoge“ eröffnet. Zu sehen sind je 30 Werke der beiden Künstler im ehemaligen Wirtschaftsgebäude und in der Kleinen Galerie des Schlosses.


Werk zweier Künstler einer Generation


Gezeigt wird das Werk zweier Künstler einer Generation, die ihren Weg in zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen gingen: Horst Hirsig, 1929 in Pommern geboren, studierte und lehrte in Westberlin Kunst und wurde 1993 als Rektor und Professor an die Hochschule für Bildende Künste Dresden berufen. Rolf Kuhrt, 1936 in Bergzow, Sachsen-Anhalt, geboren, studierte und lehrte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Nach seiner Emeritierung siedelte sich Kuhrt 2001 in Kirch Rosin an.

„Als mir das Konzept für ‚Dialoge’ vorgeschlagen wurde, war mein erster Gedanke: Geht denn das? Zwei so verschiedene künstlerische Äußerungen in einer Ausstellung“, erinnert sich Kuhrt. Doch gleichzeitig war seine Neugier auf das Experiment geweckt. Neben dem Vergleich der Biografien reizte Kuhrt die Vorstellung, das eigene Werk im Kontext zu der vorwiegend abstrakten, nichtgegenständlichen Malerei eines Kollegen zu sehen, mit dem ihn Gemeinsames verband. Regina Erbentraut, Leiterin auf Schloss Güstrow, stellte sie zur Vernissage heraus: „Beide wurden Hochschullehrer und wirkten auf nachfolgende Künstlergenerationen. Sie sahen und kritisierten die Aufrüstung, reagierten mit Sorge auf die militärischen Konflikte und Gewaltexzesse des 20. Jahrhunderts und mit noch größerer Sorge auf deren Fortsetzung und Konsequenzen im 21. Jahrhundert.“

Horst Hirsig findet den Titel der Ausstellung als sehr glücklich gewählt. „Es wird in mehrfacher Hinsicht zum Dialog aufgefordert: mit dem Künstlerkollegen, mit dem Publikum, mit dem Thema. Aber die Auswahl der Werke impliziert – und das ist das Besondere – auch einen Dialog mit sich selbst, in dem man das Wie und Warum des eigenen Schaffens hinterfragt“, sagte er. Während der Vernissage ergab sich auch die Möglichkeit, dass der Lehrer Hirsig mit seinem einstigen Schüler Lars Lehmann in einen Dialog trat. „Ja, er war mein Lehrer an der Hochschule der Künste Berlin. Leider nur im ersten Jahr meines Studiums, aber ich habe gute Erinnerungen an ihn“, versicherte der in Güstrow lebende Maler. Während Hirsig dem Ruf nach Dresden folgte, wurde Lehmann Meisterschüler bei Volker Stelzmann.


Künstlergespräch zur Finissage


Übrigens führten Hirsig und Kuhrt in Vorbereitung der Ausstellung einen intensiven verbalen Dialog, der weit über den Paderborner Bierabend hinausging. Das Künstlergespräch, von Regina Erbentraut und Gerhard Graulich geführt und aufgezeichnet, findet sich im umfangreichen Katalog zur Ausstellung. Erbentraut kündigte zur Eröffnung ein weiteres Gespräch zwischen und mit den Künstlern an. Es soll zur Finissage am 3. September stattfinden. „Ich würde mich freuen, wenn wir uns dazu alle wieder sehen“, meinte sie mit Blick auf den gut gefüllten Festsaal, in dem die Eröffnung stattfand.

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