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Güstrower Anzeiger

21. Oktober 2017 | 12:24 Uhr

Güstrow : Ein Wundmal in der Altstadt

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

SVZ-Serie „Historische Baulücken in Güstrow“ / Heute: Krönchenhagen Nr. 13

Als am 28. September1829 die Synagoge im Krönchenhagen eingeweiht wurde, gab es in Güstrow eine intakte, florierende und große jüdische Gemeinde. Nach Recherchen des Fördervereins Region Güstrow und des Pastors i.R. Folker Hachtmann gab es 1851 bei einer Gesamtzahl von etwa 10  000 Einwohnern 209 Bürger jüdischen Glaubens in unserer Stadt, die in Frieden hier lebten, ihrer Arbeit nachgingen und ihren Bürgerpflichten nachkamen.

Das war beileibe nicht immer so. Schon vor 1300 siedelten brandenburgische Juden in Güstrow, die von dort vertrieben worden waren. Um 1300 errichtete die jüdische Gemeinde auf dem Gelände des späteren Klosterhofes die erste Synagoge in der Stadt. Nur 30 Jahre später kam es wegen angeblicher Hostienschändung durch die Juden zu einem großen Pogrom, dem alle jüdischen Bürger durch Verbrennen zum Opfer fielen. Die Synagoge wurde durch den damaligen Fürsten und durch den Dom zerstört und das gesamte Vermögen der Juden von den Genannten eingezogen. Von dem Zeitpunkt an dauerte es fast 400 Jahre, bis jüdische Mitbürger sich wieder in Güstrow ansiedelten.

Zurück in die neuere Zeit. Im 18., 19. und 20. Jahrhundert konnten die Juden fast unbehelligt und in Frieden in der Stadt leben. Das änderte sich schlagartig in ganz Deutschland, als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen (in Mecklenburg schon 1932). In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 kam es in ganz Deutschland zum größten Pogrom, der sogenannten Reichskristallnacht, gegen die deutschen Juden und im folgenden Zweiten Weltkrieg gegen die Juden in ganz Europa.

Auch die Güstrower Synagoge aus der Zeit des Klassizismus fiel dem Pogrom zum Opfer. Die letzten Juden wurden 1942 aus Güstrow in die Konzentrationslager deportiert. Erhalten auf dem ehemals jüdischen Grundstück im Krönchenhagen blieben das frühere Gemeindehaus und die jüdische Religionsschule mit dem darüber liegenden Betsaal. Beide sind inzwischen saniert.

Das Grundstück Krönchenhagen Nr.13 ist heute Parkplatz.  

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