Storchenjahr : Ein verschenktes Jahr für Störche

Betörende Zweisamkeit in Güstrow.
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Betörende Zweisamkeit in Güstrow.

Nur die Hälfte der Horstpaare in der Güstrower Region zog Jungen auf / Eine Ursache: verspätete Ankunft erst im Mai

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29. September 2015, 06:00 Uhr

Die Storchenbilanz fällt in ganz MV miserabel aus (SVZ berichtete). Nun legt auch Reinhard Schaugstat für seinen Zählkreis Güstrow Zahlen vor, die bestätigen, dass es sich um ein so genanntes Störjahr handelt. Der Güstrower Storchenvater schreibt von einem „verschenkten Brutjahr“. „Die Ostzieher, die über Ägypten, Israel und den Bosporus kommen, besetzten erst im Mai ihre Horste, zu spät für das Brutgeschäft“, berichtet Reinhard Schaugstat. 30 Horstpaare wurden in diesem Jahr in der Region Güstrow gezählt. Das ist relativ normal. Aber nur die Hälfte zog junge Störche auf – zusammen 33.

Wie schon 2005 (31 Paare/33 Junge) und 2009 (31/34) sind es die niedrigsten Bestandswerte während der gesamten Storchenerfassung seit 1901. „Damals waren es 250 bis 270 Brutpaare im Zählkreis Güstrow“, informiert Reinhard Schaugstat.

Ein langer Winter und anhaltende Nordwinde hatten die Zugvögel tausendfach in Osteuropa festgesetzt. Nicht so den ersten Weißstorch, der am 21. Februar in Güstrow gesichtet wurde. Bis 10. März folgten auch die Storchenmänner in Lüssow, Oldenstorf und Zehna. Diese Vögel, so erklärt der Storchenbetreuer für die Region Güstrow, hätten die kurze westliche Route (Afrika-Gibralta-Niederlande) gewählt oder hatten in Westeuropa überwintert. Der beringte Vogel mit der Kennzeichnung HC 128 war am 15. Februar bei Madrid und am 5. März in Strenz registriert worden.

Während der Nachwuchs in Güstrow schon Mitte Mai erste Flugversuche absolvierte, wurden die Zwillinge in Hoppenrade und Liessow erst 16 Wochen später flügge. Mitte August waren etwa 60 Altvögel bei Suckow gesehen worden. „Sie verließen schnell ihr Revier. Einzelne Störche wurden aber noch bis 9. September in der Strenzer Wiese und an der Lößnitz bei Klueß gesehen“, erzählt Reinhard Schaugstat.


Reisig 900 Meter weit geschleppt


Wie in jedem Jahr kann der Storchenbeauftragte viele Geschichten erzählen: In Neu Strenz bastelte sich ein Storchenpaar einen Birnenbaum-Horst. Adebare hatte es in Neu Strenz seit Jahrzehnten nicht gegeben. Erfreulich registrierte Reinhard Schaugstat den Annahme neuer Nistmasten vor dem Güstrower Werder und auf dem Kristensen-Gut in Lübsee. Nach 40-jähriger Vakanz habe sich auch an der Sarmstorfer Kapelle wieder ein Paar niedergelassen. „Für ihren Neubau beräumte das Paar das Straßennest und schleppte das Reisig 900 Meter weit“, erzählt der Storchenvater.


Kirschen statt Frösche auf dem Speiseplan


Allwöchentlich sollen die Ridsenower Fritz und Margareth im Dorfteich gebadet haben. Auch über ein völliges Fehlverhalten bei der Nahrungssuche berichtet Reinhard Schaugstat. So hätten die Güstrower Störche Kirschen im Plascheck-Garten gepflückt. An Moorfrösche hielt sich dagegen das Horstpaar in Dehmen. Zur Mittagszeit hätten sie 50 bis 60 blubbernde Moorfrösche „eingesammelt“. Ein Sprenzer Storch vertilgte wohl gut 20 kleine Ringelnattern und fütterte damit die Jungen. In Kuhs soll der Speiseplan zu 50 Prozent aus Nattern bestanden haben. Auf Grünland wurde zum Teil heftig gedrängelt. So seien beispielsweise zwölf Mausejäger auf einem Gülzower Versuchsfeld beobachtet worden. Reinhard Schaugstat: „Da wurden schon mal 30/40 Mäuse nacheinander heruntergeschluckt.“ Auf einer Heuwiese beobachtete der Storchenbeauftragte zwei Kinder, die froh und friedlich mit den Sarmstorfer Störchen fangen spielten.

Niederschreiben musste Reinhard Schaugstat in seinem Jahresbericht aber einen untypischen Horstkrieg in Oldenstorf. Dutzende Lachmöwen zwangen das Storchenpaar zur Brutaufgabe. Das Goldewinder Weibchen verharrte mit klaffender Brustwunde im Nest, habe aber ohne menschliche Hilfe später weiterfliegen können. In Strenz seien die beringten Störche HC 128 und 213 vom alteingesessenen Horstpaar vertrieben worden. Während sich 213 nach Zehna, ehemaliger Nistplatz, zurückzog, trieb sich 128 zwischen Gnoien und Tessin herum.

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