Weniger Störche : Ein Trauerspiel hoch über den Dächern

Vielerorts bleiben die Nester in diesem Jahr leer.
Vielerorts bleiben die Nester in diesem Jahr leer.

Nur zwölf Storchenpaare widmen sich in der Region Güstrow dem Brutgeschäft.

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07. Juni 2017, 21:00 Uhr

Zeit für eine Abrechnung ist noch langen nicht, aber die Aussichten sind düster. Im vergangenen Jahr legte der Weißstorchbeauftragte Reinhard Schaugstat die schlimmste Bilanz vor, die er je hatte schreiben müssen. Und doch geht es noch schlimmer. 16 Brutpaare hatten in der Region Güstrow (Altkreis vor 1994) 2016 lediglich neun Jungstörche großgezogen. Diesmal zählt er nur zwölf Brutpaare. Noch offen sei, wie viele Jungstörche im Sommer flügge werden. Auf die Frage, ob der ehrenamtliche Job überhaupt noch Spaß bereite, antwortet Schaugstat: „Verzweifelt bin ich nicht, aber traurig.“ Es schmerze schon, wenn man die Entwicklung betrachtet. 1901 wurden in der Region noch 300 Brutpaare gezählt, weiß der Güstrower Storchenvater zu berichten. Selbst im Jahr 2004 brüteten noch 45 Paare 88 Junge aus. 2006 waren es 30 Paare und 57 Junge.

„Dieses Jahr sieht man kaum noch einen Storch“, stellt Schaugstat fest, nicht in Kuhs und nicht in Zehna, wo es vor Jahren noch zwei Nester gab. Der Zehnaer Storch – er ist beringt – hat sich diesmal in Langen Trechow niedergelassen, berichtet der Weißstorchbeauftragte. Er sieht die Ursachen für den Niedergang der Storchenpopulation vielfältig und global. Eine Kette von Problemen ziehe sich von den Winterquartieren in Afrika bis in die Region Güstrow, wo es den Adebaren insbesondere an Nahrung fehlt. Besonders die Störche, die die Ostroute nehmen, hätten es schwer. Hitze und Dürre in Ostafrika seien vermutlich viele Tiere zum Opfer gefallen. Als zweites Hindernis hatte sich in diesem Jahr der Überflug Osteuropas mit Schnee und heftigen Gegenwinden erwiesen. Einige Tiere seien beispielsweise in Hoppenrade erst Anfang Mai in ihrem Brutrevier angekommen. Adebare, die über die Westroute kommen oder auch in Spanien und Portugal überwintern, hätten es etwas leichter, denkt Schaugstat.

Ein Beispiel sei das Güstrower Storchenpaar, das schon Mitte Februar zurück war und früh mit dem Brutgeschäft begonnen hatte. Doch auch das ist ein Trauerfall. Die letzte Aprilwoche mit Nachtfrösten bis minus vier Grad Celsius hätten die Jungen nicht überlebt. „Kälte und Nässe waren zu viel für sie“, sagt Schaugstat. Für einen zweiten Brutversuch sei es zu spät gewesen. Die Störche würden sich weiter in Güstrow aufhalten, aber nur manchmal auf ihrem Horst zu beobachten sein. Jüngst habe er sie auf der Straße nach Parum beobachtet, wo sie am Straßenrand fleischliche Nahrung suchten. Einen Augenblick des Glücks habe er auch zwischen Lüssow und Neumühle erlebt, wo zehn Störche über eine gemähte Wiese auf der Suche nach Nahrung schritten.

Auch im nördlichen Teil des Landkreises sieht es nicht viel besser aus. Der Storchenbeauftragte Stefan Kroll zählt in seinem Bereich (Kreise Bad Doberan und Rostock-Land vor 1994) 36 Brutpaare, zehn weniger als 2016. Er denkt, dass neben den genannten Ursachen auch die schlechten Erfahrungen des vergangenen Jahres ein Grund für die magere Brutpaar-Bilanz sein könnten. Sprach man in der Vergangenheit von Störjahren, so ist der Abwärtstrend bei der Storchenpopulation damit kaum mehr zu erklären. Kroll blickt skeptisch in die Zukunft. Aus sich heraus werde sich die Population kaum erholen können. Dazu würde es eines vermehrten Zuzuges aus anderen Regionen bedürfen.

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