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Güstrower Anzeiger

22. Oktober 2017 | 17:50 Uhr

Erlebnisbericht : Ein Tag an Bord der Artemis

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

„Ein geschenkter Tag in der Hand des Herrn“ – auf Fahrt mit dem Nordkirchenschiff von Warnemünde nach Wismar

von
erstellt am 02.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Die Artemis, das Schiff der Nordkirche, hat am Sonntag zum Abschluss ihrers vierwöchigen Ostseetörns in Hamburg festgemacht. Einen Tag lang fuhren auch Mitglieder des Kirchenkreisrates aus Laage, Güstrow und Lüssow mit. Frank Claus führte auf der erlebnisreichen Überfahrt von Warnemünde nach Wismar Bordtagebuch.

Pier 2, Warnemünde – Wetter: regnerisch, dicht bewölkt – Sicht: mäßig bis gut – Wind: NW 3-4 – Welle.

7.45 Uhr: Mit 40 weiteren Gästen aus dem Kirchenkreis Mecklenburg betreten wir über die schmale Gangway die Artemis, eine 1926 als Walfänger in Dienst gestellte Dreimast-Bark, die vom 29. Juni bis 29. Juli als „Nordkirchenschiff“ alle 13 Kirchenkreise auf dem Seeweg anlaufen und zu Reformationsfesten im Luther-Jubiläumsjahr einladen wird.

8 Uhr: Die Gangway wird eingeholt und es heißt „Leinen los!“ – bei Regen und frischem Nordwest verlassen wir Warnemünde. Ein erstes Mal heißt es für die Gäste mit anpacken – die Schiffsbesatzung lädt jeden zur Mithilfe ein, denn ein 59 Meter langes Segelschiff bedarf vieler helfender Hände.

8.15 Uhr: Die Schiffsglocke ruft zur Zusammenkunft auf dem Mitteldeck. Das Team der Nordkirche – Antje Dorn und Peter Schulze, zwei hauptamtliche Mitarbeiter der Nordkirche, und ein zehnköpfiges Helferteam, das jeweils eine Woche für „Hand gegen Koje“ an Bord ist – begrüßen die Tagesgäste. Kapitän Mario stellt seine sechsköpfige „nautische und Service-Crew“ und die Bordregeln vor. Die wichtigste: Wenn ein Mitglied der Crew um Mithilfe bittet, ist jeder aufgerufen, diese zu gewähren… Außerdem erfolgt die Sicherheitseinweisung.

Wir erfahren vom stürmischen Auftakt des Nordkirchenschiff-Törns: Da musste die Artemis Stralsund viel früher als geplant verlassen, um vor dem angekündigten Sturm Kap Arkona zu runden. Es war ein Kampf um Minuten, denn der ständig auffrischende Wind von vorn drohte den Zeitplan schon vor Rundung Rügens völlig aus dem Ruder laufen zu lassen. Aber buchstäblich in letzter Sekunde gelang es, das Schiff so vor den Wind zu bekommen, dass mit Hilfe eines Segels Fahrt aufgenommen und das Heißlaufen der Maschine verhindert werden konnte. Wir beginnen zu verstehen, welcher nautischen Glanzleistung wir unser eigenes Erlebnis verdanken.

Die Morgenandacht wollte Bischof Andreas von Maltzahn halten, aber krankheitsbedingt ist er nicht an Bord. Seine Worte erreichen uns dennoch: „Ein geschenkter Tag in der Hand des Herrn“ wird zum Motto des ersten Törns. Derweil geht es unter Motor und wolkenverhangenem Himmel Richtung Westen.

Dann zieht jeder Törn-Teilnehmer eine Karte aus dem Lostopf: Die Aufgaben an Bord werden verteilt. Ziffern von 1 bis 6 stehen zum Beispiel für „Unterstützung der Servicecrew am Vormittag“, „Mittagsandacht vorbereiten“, „beim Kochen helfen“, „Servicecrew-Unterstützung nach Mittag“, „Abendandacht“. Der Grundstock einer großartigen Bordgemeinschaft ist gesetzt!

10.05 Uhr: Plötzlich Bewegung auf dem Schiff: der Wind hat, wie vom Käpt‘n versprochen, auf Nord gedreht. Die Crew zeigt ihre Freude am Segeln, und jede Hand wird gebraucht, die acht Rahsegel, Fock, Besan-Vorsegel und Besan zu setzen. Jetzt ziert auch endlich das Top-Rahsegel mit dem Logo „500+ reformation-im-norden.de“ das Schiff.

10.50 Uhr: Nochmals kündigt hektische Betriebsamkeit eine weitere Aktion an: Pressefotografen lassen sich mittels Beiboot von Bord bringen, um Fotos des unter annähernd voller Beseglung dahingleitenden Dreimasters zu machen.

12.15 Uhr: Wieder ruft die Schiffsglocke auf das Mitteldeck: Mittagsandacht und ein leckeres Mahl aus der Schiffskombüse warten auf uns.

14.15 Uhr: Wir haben die Insel Poel umfahren, aus der Wismarer Bucht kommt uns die Poeler Kogge entgegen und nimmt uns zur Begrüßung „unter Beschuss“. Wir sind zu früh da für den feierlichen Empfang an Land, also folgt wieder betriebsame Hektik: die Segelfläche wird verkleinert, die Fahrt reduziert…

15.30 Uhr: Die imposante Kulisse des Wismarer Hafens kommt in Sicht, die nautische Besatzung hat alle Hände voll zu tun, die Vorbereitungen für das Anlegemanöver zu treffen und uns 40-köpfige, vorwiegend aus Landratten bestehende Mannschaft darin einzuweisen, die elf Segel zu bergen. Bis kurz vor Hafeneinfahrt soll nämlich – der Presse und dem Publikum zu liebe – unter Segeln gefahren werden.

15.40 Uhr: Jetzt geht alles Schlag auf Schlag. Die letzten Segel werden eingeholt, Festmacher liegen parat, Käpt’n Mario beweist nochmals sein nautisches Können und wendet die 59 Meter lange Artemis im engen Hafenbecken.

15.45 Uhr: Leinen fest! An Land bereitet sich ein 300-köpfiger Kinderchor auf einen sehr würdigen Empfang des Nordkirchenschiffes in Wismar vor. Bürgermeister Thomas Meyer und Propst Karl-Matthias Siegert stehen zur Willkommensrede bereit…

15.50 Uhr: Der Törn ist zu Ende, die ersten Gäste verlassen das Schiff. Jeder bekommt ein hölzernes Reformationsabzeichen am Lederband zur Erinnerung an ein einzigartiges Erlebnis.

16 Uhr: Das Landprogramm beginnt. Der Kinderchor begrüßt uns mit wunderschönen Melodien und einem dreifachen „Nordkirchenschiff Ahoi!“.

16.30 Uhr: Auch wir Laager verlassen schließlich das Schiff – schweren Herzens und doch froh gestimmt. Es war ein einmalig schöner Tag, trotz Wetterkapriolen. Für acht Stunden fühlten wir uns als eine großartige Bordgemeinschaft, wohlgeborgen und dankbar für „einen geschenkten Tag in der Hand des Herrn“.

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