zur Navigation springen

Der Hobby-Pomologe : Ein Refugium für alte Obstsorten

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Peter Trost entwickelt in Neu Mierendorf einen einzigartigen Obstgarten / Sein Ziel: alte Sorten für die Nachwelt erhalten

von
erstellt am 19.Mai.2015 | 06:00 Uhr

Wenn die Butterblumen blühen, ist für Peter Trost die Welt wieder in Ordnung. Er liebt den Monat Mai, wenn die Natur sich manchmal fast explosionsartig entwickelt. Der tristen Jahreshälfte könnte er nur wenig abgewinnen, wenn es nicht doch auch eine Zeit wäre, die die Natur braucht. Als Hobby-Pomologe braucht auch er den Winter, denn für die Veredlung von Obstbäumen – eines seiner vielen Hobbys – müssen in den letzten Dezembertagen Reiser geschnitten werden. Ende Februar erfolgt dann die Veredlung durch Kopulation.

33 Apfelbäume – 20 Sorten – hat Peter Trost seit 1993 auf seinem nicht ganz kleinen Grundstück in Neu Mierendorf gepflanzt. In fast allen Bäumen zeugen Bänder davon, dass hier außerdem veredelt wurde. So kommen am Ende viel mehr Sorten zusammen. Zählen muss er sie nicht. Und selbst eine Sorte zeige sich auf verschiedenen Unterlagen am Ende recht variabel. „Dieser Obstgarten soll einmal ein geschützter Obstgarten werden. Mein Ziel ist es, etwas Besonderes den Nachkommen zu hinterlassen“, erzählt der Güstrower, der Anfang der 1990er-Jahre nach Neu Mierendorf zog. „Es macht Spaß, wenn man ein Stück Land hat und es bewirtschaften kann“, sagt der Ingenieur für Brandschutz, der bei der Berufsfeuerwehr in Rostock arbeitet. Es geht ihm um die Erhaltung alter Obstsorte, um Naturschutz und kleine Oasen, die Lebensraum für vielerlei Getier bieten. Die chemische Keule wird auf dem Trost’schen Anwesen nicht geschwungen.

Rund 1000 Bäume und Sträucher stehen auf dem Grundstück. In den Hecken wachsen z.B. viele Wildkirschen, teilweise mit Schwarzer Knorpelkirsche veredelt, Wallnüsse, Schwarznuss und unzählige Haselnüsse – fast alles selbst gezogen. Man könne schon von einer kleinen Baumschule sprechen, gesteht Peter Trost.


Insiderwissen nicht in Büchern zu finden


Viele Bücher habe er gelesen. Der Obstatlas der Russischen Kolonie Alexandrovka in Potsdam, ein pomologischer Führer, gehört zu seinen Lieblingsbüchern. Er hält viele darin vorgestellte Sorten auch in hiesigen Breiten für empfehlenswert. Insiderwissen aber finde man kaum in Büchern. Dafür bedarf es Menschen. Und so knüpft Peter Trost gern Kontakte zu Gleichgesinnten. Sehr viel habe er von Horst Preiß aus Vietgest gelernt. „Der Mann hat nichts aufgeschrieben. Man musste ihm schon zuhören und zusehen“, erzählt Peter Trost. So habe er von einem riesigen Erfahrungsschatz des Vietgesters profitieren können. Eine enge Verbindung pflegt er auch mit dem Thomas Franiel, Baumsachverständiger und Gala-Bauunternehmer in Crivitz. Gemeinsam probiere man immer wieder Neues aus, arbeite derzeit gemeinsam an der Veredlung von Pflaumen. Lange nicht jeder Veredlungsversuch führe zum Erfolg. Viele Faktoren müssten zusammenkommen. Der Zeitpunkt und das Wetter müssten genau stimmen, . Der Schnitt an beiden Veredlungsparntern sei eine Wissenschaft für sich. Viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl gehöre dazu. „Der alte Preiß hatte eine Trefferquote von nahezu 100 Prozent“, sagt Peter Trost anerkennend.

Der Neu Mierendorfer bevorzuge den „Cox“, seine Frau den „Pikant“. Als Bratapfel seien der Weihnachtsapfel und der Boskop besonders geeignet. Als Kuchenapfel empfiehlt er den Doppelten Hasenkopf. Auf die Frage nach dem Wohin mit all den Äpfeln. Pflaumen, Birnen usw. bleibt Peter Trost ganz ruhig. Die alten Obstsorten würde nicht jedes Jahr gleichermaßen tragen. 365 Flaschen Apfelsaft brauche man aber schon im Jahr. Auch Apfelwein gebe es. Die Pferde, die jetzt allerdings nicht mehr auf dem Hof leben, hätten immer viel Obst bekommen. Und im übrigen geht es Peter Trost weniger um den Ertrag, umso mehr dafür um die faszinierende Kunst Altes über Jahrhunderte zu bewahren.Das gelte auch für Äpfel, Birnen und co.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen