Polizei : Ein Norweger auf Streife in Bützow

Internationale Zusammenarbeit: Die Streifenpolizisten Alexandra Nicklich und Jörg Lohrmann mit Emil Bergan aus Oslo. (M.)  Fotos: Viviane Offenwanger
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Internationale Zusammenarbeit: Die Streifenpolizisten Alexandra Nicklich und Jörg Lohrmann mit Emil Bergan aus Oslo. (M.) Fotos: Viviane Offenwanger

Emil Bergan ist Polizist in Ausbildung und lernt für drei Wochen die Arbeit der Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern kennen

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25. März 2015, 22:00 Uhr

Die Situation ist Alltag: Wir sind zu spät dran, steigen gehetzt ins Auto und geben auf dem endlos scheinenden Weg etwas mehr Gas als nötig. Dann kommt es, wie es kommen muss und es blitzt von der Seite oder wir werden aus dem Verkehr herausgewunken. Ärgerlich.

Wer aber diese Woche in Bützow etwas schneller unterwegs war, hatte relativ gute Chancen, glimpflich davonzukommen. Denn hinter dem Laser stand nicht wie sonst ein routinierter Beamter des hiesigen Polizeireviers, sondern der 24-jährige Emil Bergan. Die Arbeit mit dem Laser ist für den gebürtigen Osloer neu. Da wundert es kaum, dass nicht auf Anhieb alles funktioniert. „Ich habe anfangs mit zu geringer Entfernung gemessen und die Fahrzeuge nicht richtig erwischt“, gibt er zu, „aber inzwischen habe ich den Dreh raus.“

Und tatsächlich. Bei der nächsten Messung gibt das Gerät ein anderes Geräusch von sich als üblich. Der Pkw ist zu schnell unterwegs. Für den 24-Jährigen ein echtes Glücksgefühl. „Natürlich hat man in so einer Kontrolle den Ehrgeiz, auch jemanden zu ,schnappen’. Ich freue mich.“ Emil hat bereits zwei seiner drei Austausch-Wochen hinter sich und bekam die Möglichkeit, in verschiedene Reviere in ganz Mecklenburg-Vorpommern zu schnuppern. Darunter auch bei der Wasserschutzpolizei, bei einer Hubschrauberstaffel oder im Landeskriminalamt (LKA).

Polizist wollte der junge Norweger nicht immer werden. Zuvor hatte er sich für den Dienst bei der Armee verpflichtet und war etwa drei Jahre als Feldwebel tätig. „Aber ich habe gemerkt, dass das langfristig nichts für mich ist. Das schöne bei der Polizei ist, dass jeder Tag anders ist und man die Möglichkeit hat, anderen zu helfen.“ In seinen drei Wochen in Deutschland möchte Emil Bergan sehen, wie die deutschen Beamten organisiert sind und vor allem, wie sich ihr Alltag von den norwegischen Kollegen unterscheidet. Was ihm gleich auffiel: „Hier auf dem Hof stehen mehr Polizeifahrzeuge als wir für ganz Tromsö haben.“ (Dort ist er in Norwegen stationiert. Anm. d. Red.)

Schon in seiner kurzen Zeit in Deutschland hat der 24-Jährige das zurückgenommene Tempo der Mecklenburger zu schätzen gelernt. „Alles hat hier seinen eigenen Rhythmus. Man verfällt nicht so leicht in Hektik, das gefällt mir.“ Einzig negativ ist ihm die Tatsache aufgefallen, dass relativ wenige Deutsche fließend Englisch sprechen. Bei der Kommunikation mit den Bützower Kollegen jedoch funktioniert das alles blendend.

Auch einige deutsche Grundbegriffe konnte sich der „Hohe Turm“ – bei einer Körpergröße von 1,98 Metern ist dieser Spitzname berechtigt – bereits aneignen. Zu seinem Wortschatz zählen inzwischen Worte wie „Danke, Bitte, Hallo, Tschüss“ und Überlebenswichtiges wie „Eine Bratwurst bitte.“ Denn der Norweger liebt die deutschen Wurstwaren. Oder generell das Essen in anderen Ländern. „Das ist eines der besten Dinge am Reisen“, sagt er.

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