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Flüchtlinge in Güstrow : Ein neuer Weg in eine neue Heimat

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Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Der syrische Regisseur Khaled Dyab Agha drehte einen Kurzfilm über seine Ankunft in Deutschland und die vielen Helfer die ihn begleiteten – wir waren bei der Vorführung im Güstrower Komm-Center dabei.

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erstellt am 19.Mai.2017 | 21:00 Uhr

Die arabische Grußformel „Salam alaikum“ drang am Donnerstagabend immer wieder an das Ohr der Gäste des Güstrower Komm-Centers in der Mühlenstraße. Gleichzeitig stieg ihnen ein köstlicher Duft in die Nase. Kein Wunder, war doch im hinteren Bereich der Begegnungsstätte, die nun knapp ein Jahr existiert und ein Treffpunkt für Deutsche und Flüchtlinge ist, ein Buffet aufgebaut. „Alles Halal“, hört man Moni Rehbein sagen. Sie engagiert sich gemeinsam mit ihrem Mann Rainer ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit. 2015 zog es das Ehepaar von der Schwäbischen Alb nach Gülzow – aus gesundheitlichen Gründen, aber auch, weil sie im Internet auf das Projekt „Gemeinsam leben“ stießen. „Als Christen war es uns wichtig zu den neuen syrischen Mitbewohnern Kontrakt zu haben, zu unterstützen, Perspektiven zu geben“, fasst Rainer Rehbein zusammen.


Alleine und gestrandet in Gülzow


Auch Khaled Dyab Agha ist einer von ihnen. Ein Syrer gestrandet in der 1500-Seelen-Gemeinde Gülzow-Prüzen. Am 6. September 2015 sei er angekommen, dass weiß er noch genau. Die Reise in die neue Heimat nahm der ausgebildete Regisseur, Schauspieler und Schauspiellehrer alleine auf sich. Seine Frau Nivin und die kleine Tochter Mila – damals gerade einmal drei Jahre alt – blieben zurück. „Eine schwere Zeit“, sagt Khaled Dyab Agha rückblickend. „Über das Handy hatten wir Kontakt. Jeden Tag“, erzählt Khaled weiter. Heute, knapp zwei Jahre später, sind Nivin und Mala mit ins Komm-Center gekommen. Seit Juli 2016 ist die junge Familie wieder vereint. Dank der neuen Freunde in Deutschland, seiner deutschen Familie, wie Khaled betont. „Ich liebe sie“, sagt der 36-jährige Familienvater gerührt. „Dank vieler Sponsoren haben wir die Flugkosten und alles Nötige vorfinanzieren können, damit seine Familie nach Deutschland kommen konnte“, erklärt Rainer Rehbein. „Khaled bezahlt das jetzt an seine Unterstützer zurück“, fügt der evangelische Pastor im Ruhestand hinzu.

Mit Hilfe der Rehbeins, die einen Kontakt zum Rostocker Bürger-Fernsehsender Rok-TV herstellten, konnte Khaled, der damals noch keinen Aufenthaltstitel hatte, einen Filmkurs besuchen. „Als ausgebildeter Regisseur hat Khaled den natürlich mit links gemacht“, sagt Rainer Rehbein mit einem Lächeln auf den Lippen. Als Nutzer des Rostocker Offenen Kanals bekam Khaled eine Kamera und setzte sein Filmprojekt „Ein neuer Weg“ um. Dieser Film, den er  am Donnerstagabend im Komm-Center vorstellte, erzählt keine Geschichte, sondern die Wirklichkeit, wie sie Khaled Dyab Agha nach seiner Ankunft in Gülzow erlebt hat. Es geht um neue Nachbarn, Freunde und die Zukunft – fern der Heimat Damaskus.


Als Regisseur in Deutschland arbeiten
 

Khaled hatte einen guten Start in Gülzow, hat viele Unterstützer. Sein größtes Ziel sei es jetzt die Sprache zu erlernen. Englisch und Deutsch konnte er vor seiner Ankunft kaum, übersetzt Majed Sadun für ihn. „Ich wünsche ihm, dass er sein Hobby, das Filmemachen, auch hier in Deutschland zu seinem Beruf machen kann. Das ist sein größter Wunsch“, fügt Majed Sadun an, der seit für Jahren den Friseursalon Antalya am Güstrower Markt leitet und weiß, wie wichtig die Sprachkenntnisse sind. Khaled Dyab Agha, der inzwischen in Güstrow lebt, plant übrigens ein Filmprojekt mit der Schule am Inselsee und wird am Montag zum Welttag der kulturellen Vielfalt im Ernst-Barlach-Theater auftreten und singen. „Außerdem darf ich nach meinem Deutschkurs ein dreimonatiges Praktikum bei Rok TV machen“, ist er stolz.

 

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