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Barlachstiftung Güstrow : Ein „Meister der kleinen Form“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Neue Ausstellung in Güstrow „Idyllen und Katastrophen“ zeigt Werke des Rostocker Bildhauers Wolfgang Friedrich.

Warum Wolfgang Friedrich? Dr. Volker Probst, Leiter der Ernst-Barlach-Museen Güstrow, räumte zur Eröffnung der neuen Ausstellung „Idyllen und Katastrophen“ mit Werken des Rostocker Bildhauers Wolfgang Friedrich ein, dass ihm die Frage im Vorfeld oft gestellt worden sei. Seine kurze Antwort: „Weil er ein guter Bildhauer ist.“ Zur Vernissage am Sonnabend begründete er ausführlicher: „Friedrich ist ein Bildhauer, der sehr still ist in seiner Kunst, in der aber vitale Züge zu Barlach zu sehen sind.“ Lange schon habe er das Schaffen des 70-Jährigen verfolgt und sich gefragt, ob die kleinen Figuren – Friedrich gilt als „Meister der kleinen Form“ – überhaupt in die Räume des Ausstellungsforums am Heidberg passen. „Aber es funktioniert“, freute er sich mit den vielen Besuchern, die zur Ausstellungseröffnung gekommen waren.

Gerade durch die Kleinteiligkeit – gezeigt werden über 300 Plastiken, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken – ist es die umfangreichste Ausstellung, die bisher in der Stiftung gezeigt wurde. „Wir hatten keine Retrospektive geplant, aber nun ist es doch eine Übersichtsausstellung geworden, die wesentliche Aspekte im Schaffen des Künstlers einbezieht“, erklärte Maja Conradt, Vorstandsvorsitzende der Barlachstiftung.

Und noch etwas anderes ist bemerkenswert: Friedrich ist der erste noch lebende Künstler, dessen Werke im Ausstellungsforum zu sehen sind. „Unser Hauptaugenmerk ist aber auf Barlach gerichtet, ihm räumen wir absolute Priorität ein“, versicherte Probst. Eine Zusammenarbeit mit einem lebenden Künstler war auch für Kuratorin Inge Tessenow eine neue Erfahrung. „Wenn wir eine Barlach-Ausstellung erarbeiten, greifen wir auf Fotomaterial zurück, recherchieren in Archiven oder leihen uns Werke aus anderen Museen aus“, sagte sie. Hier aber komme die Meinung des Künstlers dazu. „Und Herr Friedrich hatte, sicher im Sinne des Gesamtkunstwerkes, sehr konkrete Vorstellungen, was die Ausstellung und den Katalog betrafen“, erzählte sie.

Wolfgang Friedrich wurde 1947 in Torgau geboren und arbeitet seit 1978 freischaffend in Rostock. In die Zeit seines Studiums an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden sei auch sein erster Besuch in Barlachs Atelierhaus gefallen, erinnerte er sich auf der Vernissage. Damals habe er mit seinen Kommilitonen die Bekanntschaft mit Barlachs Nachlassverwalter und Freund Friedrich „Lütten“ Schult geschlossen. Das Angebot der Studenten, den etwas verwilderten Garten wieder in Ordnung zu bringen, habe Schult aber abgelehnt, meinte er schmunzelnd.

Zu sehen ist die Ausstellung „Idyllen und Katastrophen“ bis zum 8. April in der Barlachstiftung. Danach werden Friedrichs Arbeiten im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen gezeigt. Dessen Direktor, Dr. Arie Hartog, empfahl den Besuchern der Ausstellung: „Nehmen Sie sich Zeit und lassen die Skulpturen und Figuren von Wolfgang Friedrich auf sich einwirken. Es lohnt sich.“  



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