Güstrower Filmemacher : Ein Leben lang mit der Kamera in der Hand

Der Elmo-Camcorder ist eines der älteren Modelle aus Daniel Zollfrank-Schults Sammlung.
Der Elmo-Camcorder ist eines der älteren Modelle aus Daniel Zollfrank-Schults Sammlung.

Vor 24 Jahren nahm Daniel Zollfrank-Schult das erste Mal eine Kamera in die Hand – ein Filmemacher im Porträt.

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23. Februar 2018, 12:00 Uhr

Normalerweise ersetzen Maschinen die Arbeitskraft des Menschen. Bei Daniel Zollfrank-Schult war es andersherum. Die Uwe-Johnson-Bibliothek wollte einen Imagefilm haben, am besten einen Kameraflug per Drohne zwischen den Bücherregalen. Man fragte beim Filmklub Güstrow an, ob sie nicht einen Drohnenfilmer vermitteln könnten. Stattdessen bekamen sie Zollfrank-Schult, leidenschaftlicher Filmemacher und ehrenamtlicher Helfer aus Güstrow. Dieser hatte zwar keine Drohne, aber ein spezielles Kamerastativ, dass Verwackelungen automatisch ausgleicht. „Wie der Kopf eines Huhns beim Laufen“, sagt Zollfrank-Schult.

Der 44-jährige Güstrower geht dem Filmen schon sein halbes Leben aus Leidenschaft nach. „Das Projekt muss mir Spaß machen. Und wenn ich ehrliche Freude erlebe, ist mir das viel Wert“, sagt Zollfrank-Schult.

Die Liste seiner Filme ist lang, er veröffentlicht sie auch auf seinem YouTube-Kanal „Backbringer“. Für Musikbands produziert er Videos, er erstellt Trickfilme und nahm auch selbst immer wieder Musik auf. Im Jugendklub „Alte Molkerei“ arbeitete er ehrenamtlich mit Kindern und Jugendlichen an einem Animationsfilm.

Geburt des Sohnes brachte ihn zum Film

Die Liebe zur Filmkunst entstand Mitte der 1990er-Jahre durch seinen Sohn. „Ich wollte für ihn sein Leben festhalten“, sagt Zollfrank-Schult. Doch er filmte nicht nur seine Familie, sondern hatte den Camcorder seitdem immer mit dabei.

Immer mehr Menschen kamen auf den gelernten Einzehandelskaufmann zu, ob er nicht für sie einen Film machen könnte. „Anfangs habe ich es umsonst gemacht, gerade für Musikbands. Ich war nur aus Spaß dabei“, erzählt er. Doch seit einem Filmprojekt mit einem syrischen Regisseur wurde aus dem Spaß plötzlich ernst. Zollfrank-Schult lernte den Geflüchteten im Filmklub kennen. Sie freundeten sich über das gemeinsame Hobby an. Zollfrank-Schult schnitt für ihn Anfang 2017 das Material zum Film „Ein neuer Weg“. „Ich lernte sein schweres Schicksal kennen. Seine Familie war damals noch im Kriegsgebiet. Das hat mich alles sehr bewegt“, sagt er.

Seit dem Filmprojekt mit dem syrischen Regisseur setzt Zollfrank-Schult sich mehr unter Druck. „Die Qualität muss stimmen, weil ich sah, wie ernst die Menschen solche Filme nehmen können“, sagt er.

Filmemacher will zurück zu den Wurzeln

Doch bei einem Dokumentarfilm im vergangenen Jahr bemerkte er auch, dass aus Qualitätsansprüchen ganz schnell Ausbeutung werden kann. Eine Behörde, deren Namen er nicht nennen möchte, fragte im Filmklub für ein Video zum Nationalsozialismus an. Ein aufwändiges Vorhaben. Zollfrank-Schult stellte sich eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro vor. Viel zu viel, tönte es aus der Verwaltung. „Man holte dann Angebote von Filmern aus Berlin ein. Die wollten Honorare um die 20 000 Euro. Plötzlich fanden sie mich mit meinen 100 Euro wieder ganz gut“, erzählt er. Das Geld stand für Zollfrank-Schult nie im Vordergrund. Aber wie selbstverständlich die Behörde mit ihm umging, machte ihn traurig. Und das war nicht alles. Auf einer Besprechung zu dem Projekt, nahmen die Verwaltungsleute seinen Film auseinander. Die Leidenschaft aus seinem Hobby war raus. „Nach diesem Vorfall habe ich gemerkt, dass ich zurück zu den Wurzeln will“, sagt er.

„Hinter den Türen von Güstrow und Damaskus“ ist so ein Projekt mit Herz. Daran will er in den nächsten Monaten arbeiten. „Ich brauche diese Ellenbogenmentalität nicht, bei mir geht es ums Gefühl“, sagt Zollfrank Schult.

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