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Güstrower Anzeiger

25. November 2017 | 07:04 Uhr

Historisch : Ein Flugplatz der besonderen Art

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Neue SVZ-Serie: Die Geschichte des Fliegerhorstes Kronskamp / Teil 1: Die Planungen für einen Flugplatz bei Rostock

30 Jahre ist der Start für den Flugverkehr in Laage-Kronskamp her. In einer mehrteiligen SVZ-Serie beleuchtet der Militärjournalist Dieter Flohr Hintergründe der Entstehung und den Werdegang des Flugplatzes vom rein militärischen zum zivil und militärisch genutzten.


Flugplätze im Norden beim Militär begehrt


Schon als sie noch in ihren Kinderschuhen stand, war die zivile und militärische Fliegerei im heutigen Mecklenburg-Vorpommern vielerorts zu Hause. Auch nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg bot Mecklenburg-Vorpommern neben den drei zivilen Flughäfen Barth, Heringsdorf und Güttin der militärischen Luftfahrt einen begehrten Boden. Zunächst hatte die Sowjetarmee die noch gut erhaltenen Fliegerhorste der Wehrmacht bei Barth, Gartz, Lärz, Parchim, Trollenhagen, Tutow, Peenemünde, Rechlin und Püttnitz bei Ribnitz-Damgarten übernommen. In den 1950er-Jahren kamen auch Geschwader der Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (NVA) hinzu. So wurden das Jagdfliegergeschwader JG 9 in Peenemünde stationiert, ein Marinehubschraubergeschwader in Parow bei Stralsund, ein Hubschraubergeschwader in Basepohl bei und ein Jagdgeschwader in Neubrandenburg sowie schließlich zuletzt in Laage-Kronskamp das Jagdbombenfliegergeschwader JBG 77 „Gebhard Leberecht von Blücher“ und das Marinefliegergeschwader 28 „Paul Wieczoreck“. Die Geschichte dieses Standortes ist besonders interessant.

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit begann im Dezember 1984 nach sechsjähriger Bauzeit auf diesem Militärflugplatz der Gefechtsflugbetrieb. Er sollte später einen Bekanntheitsgrad bekommen, um den ihn jeder andere Flugplatz beneiden dürfte. Doch der Weg dorthin verlief alles andere als glatt.


Erste Flugplatzideen für Rostock und Umgebung


Bereits 1933 hatten Wehrmachts-Experten die Idee, im Raum Rostock ein Geschwader zu stationieren. Damals schon wurden Laage oder auch Poppendorf ins Auge gefasst. Realisiert wurden solche Vorstellungen erst in der späten DDR. Weil das Vereinte Oberkommando des Warschauer Vertrages darauf drängte, der Volksmarine ein Fliegergeschwader beizugeben, erkundeten im Oktober 1969 NVA-Offiziere des Kommandos Luftstreitkräfte/Luftverteidigung (LSK/LV) mehrere Geländeabschnitte südlich von Rostock. Fündig wurden sie bei Kobrow, Laage, Alt Kätwin, Cammin und Ziesendorf.

In einem Schreiben vom 6. Juli 1970 an den 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung Rostock, Harry Tisch, favorisierten sie zunächst als Standort Ziesendorf. Dabei sollte der Flugplatz aus „ökonomischen und Gründen der Flugsicherheit gemeinsam von der NVA und der zivilen Luftfahrt genutzt werden“. So sollte die damals noch florierende Ostseemesse gleich mit angebunden werden, um den Teilnehmern aus den Ostsee-Anrainer-Staaten bessere An- und Abreisemöglichkeiten zu bieten.

Als Baubeginn wurde das Jahr 1976 vorgeschlagen, der Abschluss bis 1978/79 ins Auge gefasst. Die Lage der Flug- und Dienstzone sollte sich etwa einen Kilometer südöstlich von Ziesendorf befinden, die Kasernenzone musste noch festgelegt werden. Die Interflug sollte den nördlichen Teil, die NVA den südlichen Teil nutzen. Vorteile Ziesendorfs waren die Nähe zu Rostock, die Lage des Flugplatzes allgemein, Hindernisfreiheit, eine mögliche Anbindung an die Deutsche Reichsbahn und ein geeignetes Geländerelief. Der Geländebedarf belief sich auf rund 370 Hektar.


Laage-Kronskamp wird der neue Standort


Doch bereits im Oktober 1972 reichte das Kommando LSK/LV beim Chef des Hauptstabes einen neuen Standortvorschlag ein: „westlich Laage“. Der neue Standort wurde bestätigt. Die als Ausweich-Start- und Landebahn vorgesehene Sonderstrecke auf der bereits im Bau befindlichen neuen Autobahn bei Dummerstorf konnte allerdings nicht mehr umgeplant werden. Deshalb lag dieser Notflugplatz dann auch später etwa 16 Kilometer vom Standort Laage entfernt – etwa dort, wo sich heute das Autobahnkreuz der A19 mit der A20 befindet.

Im Ergebnis einer gemeinsamen Beratung zwischen der zivilen Interflug und der NVA errechnete man einen baulichen Mehraufwand für den weiterhin mit geplanten zivilen Flugbetrieb von insgesamt 6,9 Millionen DDR-Mark heraus. Trotz dieser Mehrbelastung für den Staatshaushalt wurde noch 1978 eine Vereinbarung zwischen dem Ministerium für Nationale Verteidigung und dem Ministerium für Verkehrswesen über die gemeinsame Nutzung des im Bau befindlichen Flugplatzes getroffen. Eine wertlose Vereinbarung, wie sich später zeigen sollte.

 

 




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