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Güstrower Anzeiger

22. Oktober 2017 | 10:27 Uhr

Karcheez : Ein Buch für die Karcheezer

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Autorin Gisela Scheithauer verknüpft Geschichte, Geschichten und Einzelschicksale und stellt ihr Buch morgen vor

von
erstellt am 24.Mai.2016 | 12:00 Uhr

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie mit der Familie aus Hinterpommern nach Karcheez. Wo man damals landete sei Zufall gewesen, sagt Gisela Scheithauer (80) heute. Der Waggon, in dem sie saßen, wurde in Güstrow abgekoppelt. Später wurden die Familien in der Umgebung verteilt. Jetzt legt Gisela Scheithauer ein Buch über Karcheez vor. Darin erzählt sie die „Geschichte eines Dorfes in Mecklenburg“. Es sei kein Geschichtsbuch, eher ein Heimatbuch, formuliert Gisela Scheithauer, die inzwischen in Güstrower lebt.

Einer breit angelegten historischen Einführung folgen Episoden, die man sich in Karcheez gern immer wieder einmal erzählt – Geschichten von den Kirchenglocken und von der alten Turmuhr, die in den 1950er-Jahren vom ehemaligen Gutshaus in den Kirchturm gebracht worden war, von der Schule und den Lehrern, vom Stiefelpastor und von den „Herren von K.“. Karcheez war ein Rittergut. Eigenständige Bauern gab es schon 1770 nicht mehr. „Ein großes Bauerndorf, wie uns auf dem Weg in die neue Heimat versprochen, war und ist es nicht“, stellt Gisela Scheithauer fest. Die Karcheezer hätten mitunter auch ihren eigenen Kopf. „Sie wollten keine Wohnblocks, wie sie zu DDR-Zeiten auf den Dörfern gebaut wurden. Es sollte ein Streusiedlung sein. Das hat man durchgesetzt“, erzählt die heute 80-Jährige.

In ihrem Buch folgen Einzelschicksale – von alten Karcheezern und Flüchtlingen, verankert in ihrer Zeit. So erzählt die Autorin von Otto Lange, der Stalingrad erlebt hatte, von Karl-Friedrich Stoffer, von Gisela aus Stettin sowie Erna und Otto Wardin, ihren Eltern. „Ich bin in die Familien gegangen und sie haben mir die Türen weit geöffnet“, berichtet Gisela Scheithauer dankbar. Selbstverständlich darf ein historischer Abriss nicht fehlen. Mehr erfahren die Karcheezer und Gäste morgen ab 18.30 Uhr, wenn Gisela Scheithauer ihr Buch (Auflage 100 Stück) im Feuerwehrhaus vorstellt.

Lange schon hatte sie ein Gefühl von Schuldigkeit gegenüber den Karcheezern empfunden. Schwer sei das Leben nach dem Zweiten Weltkrieg gewesen. „Wie die Leute neu angefangen haben – Einheimische und Flüchtlinge – war bewundernswert“, erklärt Gisela Scheithauer. Diese Leistung würdigen zu wollen, habe sie motiviert. Außerdem nennt sie den Heimatgedanken. Flüchtlingsfamilien hätten die Hoffnung auf Rückkehr gehabt und irgendwann einsehen müssen, dass es diese nicht geben wird. „Sie haben sich zusammengenommen“, sagt die Autorin und fügt hinzu, dass sie erlebt habe, wie Einheimische und Flüchtlinge zueinander fanden. Auch das habe sie in dem Buch darlegen wollen.

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