Gymnasium Güstrow : Ein „Anker der Verlässlichkeit“ geht

Helmut Hickisch in einer der letzten Mathematik-Stunden in der 11 c. Luise Clara Schmidt, Sophia Sahin und Lukas Reister (v.l.) folgen ihrem Lehrer, der für sie immer zu dieser Schule gehören wird, auch wenn er jetzt in den Ruhestand geht.
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Helmut Hickisch in einer der letzten Mathematik-Stunden in der 11 c. Luise Clara Schmidt, Sophia Sahin und Lukas Reister (v.l.) folgen ihrem Lehrer, der für sie immer zu dieser Schule gehören wird, auch wenn er jetzt in den Ruhestand geht.

Helmut Hickisch wird heute nach 39 Jahren als Lehrer und Leiter des John-Brinckman-Gymnasiums Güstrow in den Ruhestand verabschiedet

Helmut Hickisch wird heute nach 39 Jahren als Lehrer und Leiter des Güstrower John-Brinckman-Gymnasiums aus dem Schuldienst verabschiedet. Es ist für ihn ein bewegender Moment, bei dem er zugibt, dass er trotz seiner 64 Jahre und ungezählten Unterrichtsstunden „aufgeregt“ ist. „Ich weiß nicht warum, aber ich denke, das ist normal, wenn ein langes Arbeitsleben endet und man erst danach weiß, wie sich das anfühlt, nicht mehr jeden Tag zur Arbeit zu gehen“, versucht er zu erklären.


Spaß und Freude am Lehrerberuf


Ganz Schluss ist heute allerdings doch noch nicht. Helmut Hickischs Erfahrungen und Meinungen werden bei der Vorbereitung auf das neue Schuljahr benötigt. Dadurch geschehe alles nicht ganz so abrupt, so Hickisch, und es falle nicht so schwer, denn „ich habe immer Spaß und Freude am Lehrerberuf gehabt“, erklärt er seine Gemütslage.

Zum Lehrerberuf kam er jedoch durch Zufall. „Damals warben Mitarbeiter des damaligen Pädagogischen Instituts Güstrow in Schulen um Lehrerstudenten“, erinnert er sich. Helmut Hickisch entschied sich für ein Studium in Güstrow in den Fächern Mathematik und Physik. Damit blieb er in der Heimat, für ihn ein ganz wichtiger Punkt in seinem Leben, denn er wurde 1950 in Schwaan geboren. Das Abitur bestand er im Vorkurs an der Hochschule. Zu pass kam ihm das aber auch, weil er damals im „Club-Quintett“, eine der beliebtesten Bands rund um Güstrow, Musik machte. Nach dem Studium klappte es 1972 auch mit einer Lehrerstelle in Güstrow, an der Polytechnischen Oberschule I in der Hafenstraße. 1976 fing er in der Erweiterten Oberschule „John Brinckman“ an. Er wurde auch gleich Klassenlehrer. „Als junger Mensch war das für mich eine Herausforderung und führte zu einer wichtigen Erkenntnis“, so Hickisch. Der erfahrene Pädagoge gibt nämlich jungen Kollegen gern den Rat, so wie er damals eine Klasse zu übernehmen. „Dadurch bekommt man zu den Schülern einen besonders engen Kontakt“, sagt er.


Schüler schätzen ruhige Art ihres Schulleiters


Die Schüler danken ihm das und können sich noch gar nicht vorstellen, dass ihr Schulleiter bald nicht mehr an der Schule ist. Luise Clara Schmidt, Klassensprecherin der 11 c: „Wir schätzen die ruhige Art von Herrn Hickisch. Er erklärt uns alles ausführlich und vermittelt uns viel Wissen. Dabei macht er uns Mut, wenn wir etwas nicht gleich verstehen.“

Dankbar ist Helmut Hickisch dafür, dass er durch seinen Beruf immer mit jungen Menschen zu tun hatte. „Dadurch war ich mehr oder weniger immer auf der Höhe der Zeit und gegen pauschale Meinungen und Klischees gegenüber jungen Leuten gefeit.“ Er ist daher felsenfest davon überzeugt, dass „die Schüler in Ordnung und nicht weniger interessiert sind als in Generationen vorher“.

Allerdings gelang es Helmut Hickisch dafür auch, wie seine Kollegin Cornelia Arscholl bestätigt, den „richtigen Zugang“ zu den Schülern zu bekommen. „Helmut hat immer nach dem Fördernden für den Schüler gesucht, sah nie zuerst Fehler sondern immer in allem Potenzial“, erklärt sie einen wichtigen Aspekt, wie er seinen Unterricht gestaltete. Genauso habe er aber auch die Arbeit mit dem Kollegium, in dem er auf Teamgeist baute, befördert, betont Cornelia Arscholl, die Helmut Hickisch vor 19 Jahren mit diesem Argument überzeugte, an die Schule und als Stellvertreterin an seine Seite zu wechseln. Für Cornelia Arscholl geht mit Helmut Hickisch ein „Anker der Verlässlichkeit“ von der Schule.

Ganz neue Möglichkeiten taten sich für den Lehrer Hickisch nach der Wende auf. Für Helmut Hickisch war das Schuljahr 1990/91 als „Übungsjahr“ eines der schwierigsten und aufwändigsten, weil alte Bestimmungen nicht mehr galten und neue umzusetzen waren. Helmut Hickisch verschaffte sich in Oldenburg, Husum und Flensburg einen Überblick, wie ein Gymnasium in der BRD funktioniert. 1996 wurde Helmut Hickisch Schulleiter. „Ich wusste, dass man mit diesem Kollegium gut arbeiten kann und dass ich auf alle bauen konnte. Das war das Wichtigste“, erklärt er.


Wichtige Daten: 2003, 2006 und 2014


Wichtig war für ihn auch, die dunklen Kapitel der Schulgeschichte zu beleuchten und die Repressalien, den Widerstand und die Verfolgung von Brinckman-Schülern durch den DDR-Staat aufzuarbeiten. Dazu gelang 60 Jahre nach dem Schauprozess 1950 einer 11. Klasse der beeindruckender Film „Sie waren noch Schüler“. Ganz wesentlich waren für den scheidenden Schulleiter nach der Wende drei Daten: 2003 die Feierlichkeiten 450 Jahre Domschule, 2006 das Jubiläum 100 Jahre Schulhaus Am Wall und 2014 die Einweihung des Hauses III in der Alten Domschule. Für Helmut Hickisch wurde mit dem dritten Gebäude ein Traum für einen „Campus der besonderen Art“ wahr.

Kein Abschied vom Lehrerberuf ohne auf die Bildungspolitik einzugehen. Für Helmut Hickisch ist dabei die Praxis der Maßstab. Deshalb würde er, wenn er es könnte, sofort wieder das Abitur nach 13 Jahren einführen.

Sein Fazit für 39 Jahre Lehrerberuf lautet: „Ich bin dankbar, dass ich das Glück hatte, an dieser Schule zu arbeiten. Außerdem ist es wunderbar, ehemalige Schüler zu treffen, die mit ihrem Lebensweg zufrieden sind, weil dieses Gymnasium eine wichtige Rolle spielte.“ Sehr froh ist er mit seinem Nachfolger, Jan Rädke, ein ehemaliger Schüler.


Kein Programm für das Lehrer-Leben danach


Was macht Helmut Hickisch aber nun nach einem erfüllten Lehrer-Leben? „Ich will erst einmal zur Ruhe kommen, habe daher nichts geplant. Ich schaue, was sich ergibt“, ist seine Strategie. Wer Helmut Hickisch kennt, weiß aber, dass ihm die Zeit nicht lang wird. Da gibt es in Kassow, wo er zu Hause ist, ein Haus und seine Frau, mit der er viel unternehmen wird. Bei den 20 Fragen in der SVZ nannte er kürzlich eine Fahrt auf dem Mississippi als einen Wunsch. Außerdem ist Helmut Hickisch als begeisterter Wanderer gern in der heimischen Natur. Und er ist bei vier Enkeln bekennender Opa. Bleibt noch die Musik als Hobby. Gitarre ist sein Metier, vielleicht wird es aber auch das Klavier. Tja, und da ist noch die Super-Oldienacht, auf der er mit dem „Club-Quintett“ sehr gern noch einmal spielen würde.






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