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Haus in Güstrow gerettet : „Ein Abriss hätte mir leid getan“

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Haus in der Langen Straße Güstrow kurz vor Ultimo vor dem Verfall gerettet. Fünf Wohnungen nach der Sanierung zur Vermietung

von
erstellt am 27.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Ob das ehemaligen Wohn- und Geschäftshaus in der Langen Straße 12 in Güstrow noch eine Zukunft hat, war in den vergangenen Jahren oft mehr als fraglich. Jetzt ist die Zukunft gesichert. Ulrich Bunnemann von der Schelfbauhütte Schwerin saniert das Objekt. Ende Mai, so der Zeitplan, sollte es fertig sein und fünf Wohnungen auf ihre Mieter warten. Unter Denkmalschutz steht das historische Vorderhaus mit Kemladen nicht mehr. Dennoch ringt Bunnemann um jeden alten Balken.

Charakter des Hauses wichtig

„Mir ist es wichtig, dass die Geschichte eines Hauses auch nach der Sanierung noch ablesbar ist“, erklärt der Architekt. Ihm liegt daran, den Charakter eines Hauses nicht nur zu erhalten, sondern bei der Sanierung auch wieder herauszuarbeiten. Als er das erste Mal auf den Hof kam, lag dort ein riesiger Haufen Holz. „Zersägte Eichendielen“, sagt Bunnemann kopfschüttelnd. Der Seitenflügel auf dem Hof sei über viele Jahren ohne Dach Wind und Wetter ausgesetzt gewesen. „Ein Abriss hätte mir leid getan“, erklärt Bunnemann seine Aktivität. Die Stadt habe ihn angesprochen. 1995 war das Grundstück der Barlachstadt zugeordnet worden. Mehrfach habe die Stadt den Versuch unternommen, die Immobilie mit einer Sanierungsverpflichtung zu privatisieren. Keiner der Bewerber sei seinen Verpflichtungen nachgekommen, so dass das Grundstück 2014 wieder in den Besitz der Stadt überging. Nach Sicherungsmaßnahmen suchte die Stadt einen neuen Interessenten und fand ihn.

Das Vorderhaus stammt aus dem 17. Jahrhundert, der barocke Kemladen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Anfang des 20. Jahrhunderts, so berichtet Bunnemann, sei das Haus umgebaut worden und erhielt sein jetziges Aussehen. Am Eingang ist ein Hinweis auf ein Kaffee Orion erkennbar. Im Haus habe man auch ein Korsett und Damenkämme gefunden. Die Vermutung, dass es sich hier um ein gewisses Etablissement gehandelt haben könnte, liegt nahe. Die Lange Straße soll in der Vergangenheit dazu beigetragen haben, dass Güstrow auch als Klein Paris des Nordens bezeichnet wurde.

Auch wenn Haus und hofseitiger Anbau nicht mehr unter Denkmalschutz stehen – zu wenig Ursprüngliches ist erhalten – verfährt der Schweriner Architekt, der u.a. auch das Derz’sche Haus sanierte, dennoch so als wäre es eines. Ein Plus der Langen Straße 12 sei der Hinterhof mit viele Ruhe mitten in der Stadt, so Bunnemann. Als nächstes werde er mit seiner Schelfbauhütte zwei Häuser auf der gegenüberliegenden Straße in Angriff nehmen. Dort werden dann Nr. 45 und 46 saniert.

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