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Güstrower Anzeiger

19. November 2017 | 02:26 Uhr

Auszeichnung : Ehrennadeln vom Landeschef

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Ministerpräsident Erwin Sellering zeichnet heute in Schwerin die Güstrowerinnen Gisela Scheithauer und Elisabeth Taetow aus

Heute ist Tag des Ehrenamts. Aus diesem Anlass wird die Güstrowerin Gisela Scheithauer in der Schweriner Staatskanzlei von Ministerpräsident Erwin Sellering mit der Ehrennadel für ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit ausgezeichnet. Und noch eine weitere Güstrowerin erhält heute diese hohe Ehrung: die ehemalige Güstrower Pastorin Elisabeth Taetow.

Als die Nachricht von der Auszeichnung die 79-jährige Gisela Scheithauer erreichte, war ihre erste Frage: „Wieso ich?“ Zu sehr ist für die Güstrowerin selbstverständlich, eine für die Gemeinschaft nützliche und sinnvolle Arbeit zu leisten, als dass sie das für etwas Besonderes halten würde. „Außerdem bereitet mir meine Tätigkeit große Freude“, bekennt sie und einigt sich mit sich selbst darauf, dass es eine Art Stellvertreter-Ehrung für viele Ehrenamtler sei, die sie heute erwarte.

Seit die Germanistin Anfang der 1990er-Jahre in den Ruhestand ging, wechselte sie vom Klassenzimmer ehrenamtlich in das Güstrower Stadtarchiv. Seither hat sie ungezählte Akten, die oft um die 400 Jahre alt sind, erschlossen und die Kanzleischrift in ein unserer Zeit entsprechendes Schriftbild übertragen. Dabei ist Geduld gefragt. „Manche Dokumente sind schwer lesbar, bei anderen muss man die Kürzel entschlüsseln und manches Mal sucht man wie in einem Puzzle nach dem entscheidenden Wort“, schildert sie ihre Arbeit.

Transkribiert hat Gisela Scheithauer Akten aus der Zeit, da Güstrow Residenzstadt war. Für die Landtagsprotokolle 1702 bis 1919 fertigte sie eine Registrierung des Bestandes an. Oft und ausführlich hat Gisela Scheithauer zur Geschichte der Stadt Güstrow geforscht und auch publiziert. Für die Stadtjubiläen 775 und 777 Jahre Güstrow schrieb sie zudem Revuen, die mit einem Ensemble von jungen und ältern Darstellern einstudiert wurden. „Diese generationsübergreifende Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht. Auch, weil man damit junge Menschen für unsere Landesgeschichte begeistern kann“, sagt sie.

Viel Zeit hat Gisela Scheithauer mit dem Tagebuch des Amtsglasermeisters Heinrich Bademöller verbracht. Jenem Mann, der „hinter dem Stuhl Peter I. gestanden“ haben soll und eine Menge über den Großen Nordischen Krieg (1700 bis 1721) aufgeschrieben hat. Aktuell hat sie die Schulgeschichte zu Brinckmans Zeit auf dem Schreibtisch, gestaltet Lesungen in und um Güstrow, engagiert sich im Goethe-Ortsverein und arbeitet am Güstrower Jahrbuch mit.

Dabei wurde Gisela Scheithauer vor etwas mehr als fünf Jahren schon feierlich aus ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit im Stadtarchiv verabschiedet. Sie wolle nun mit Blick auf ihr Alter etwas kürzer treten, hatte sie damals als Grund angegeben. Das sieht inzwischen so aus, dass sie nun nicht mehr an drei Tagen in der Woche im Stadtarchiv arbeitet, sondern nur noch an einem. Dafür aber haben die Stunden am heimischen Schreibtisch zugenommen. „Das mit dem Rücktritt habe ich eigentlich nie ernst genommen“, schmunzelt Gisela Scheithauer. Ihr Ehrenamt dafür umso mehr. „Ohne die Arbeit im Stadtarchiv und ohne die Möglichkeit, meine literarischen Neigungen ausleben zu können, wäre ich weniger glücklich“, sagt sie.

Auch Elisabeth Taetow wird heute von Ministerpräsident Erwin Sellering ausgezeichnet. „Queen Elisabeth von Güstrow“, wie Taetow liebevoll genannt wird, weil sie sich 22 Jahre lang ehrenamtlich für die Restaurierung des Jan-Borman-Altars in der Pfarrkirche engagierte, verdiene diese Ehrung, so Pastor Matthias Ortmann gegenüber SVZ. „Es ist ein Dank der Landeskirche für ihr unermütliches Engagement“, so Ortmann weiter. Für Elisabeth Taetow ist die Ehrung gleichermaßen ein vorzeitiges Geburtstagsgeschenk, denn die Güstrowerin feiert in der kommenden Woche ihren 79. Geburtstag.

 



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