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Kreisauskunftsbüro : Ehrenamtler für den Ernstfall

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Bei Katastrophen sind die Mitarbeiter des Kreisauskunftsbüros „Schnittstelle “ zu Angehörigen möglicher Betroffener

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erstellt am 09.Feb.2015 | 06:00 Uhr

„Gott sei Dank passiert so etwas nicht so oft!“, sagt Anja Seyfert und klopft zur Bekräftigung dreimal auf die Tischplatte. Einmal erst musste sie ihre Mitstreiterinnen vom Kreisauskunftsbüro für den Ernstfall zusammentrommeln. Das war vor knapp vier Jahren, als am 8. April 2011 ein Sandsturm über die Autobahn 19 fegte und eine Massenkarambolage auslöste, bei der acht Menschen starben und über 100 verletzt wurden.

An jenem Tag arbeitete das vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) gestellte Kreisauskunftsbüro (KAB) das erste und bisher einzige Mal unter der Leitung der jungen Frau aus Bülower Burg, die das Ehrenamt erst zwei Jahre zuvor übernommen hatte. Die Arbeit dieses Fachdienstes ist bei Katastrophen gefragt, bei denen viele Menschen zu Schaden kommen können: bei möglichem Absturz von Passagierflugzeugen, bei Flutkatastrophen, bei Massenunfällen wie jenem auf der A19. Wenn Angehörige möglicher Betroffener keinen Kontakt zu den Lieben bekommen und im ungewissen sind, ob ihnen etwas zugestoßen ist, werden sie an das Kreisauskunftsbüro geleitet. Hier werden Verletzte registriert und Suchanfragen. Seyfert: „Wenn wir dies zusammenführen, ist das unser Erfolg.“ Da gilt es nicht zuletzt, wenn hunderte von Feuerwehrleuten, Sanitätern, Technischen Hilfskräften, Polizeibeamten im Einsatz sind, die Übersicht zu bewahren, zu wissen, wer gerade wo in welcher Einheit und in welcher konkreten Mission vor Ort ist.

Dabei sind die KAB-Mitarbeiterinnen selbst gar nicht unbedingt vor Ort, sondern eher etwas abseits vom Geschehen. „Das ist Absicht. Denn man braucht für diese Arbeit Ruhe“, erklärt Anja Seyfert, die seit acht Jahren dabei ist. Als ihr Stützpunkt vorgesehen ist, wenn nicht anders erforderlich, das Ehrenamtszentrum des DRK im Güstrower Heideweg. Hier ist alles rund um die Suche nach Menschen im Katastrophenfall verknüpft: Hier arbeitet die EDV-Abteilung mit Computer, nutzt die Karten-Datei-Abteilung aber ebenso herkömmliche schriftliche Methoden, um die Übersicht zu wahren bzw. herzustellen, hier ist die persönliche Annahmestelle für Suchanträge von ermittelnden Polizeibeamten und Angehörigen, hier läuft auch die telefonische Annahme von Suchaufträgen der Bürger auf. Allerdings: Detaillierte Auskünfte sind dem KAB nicht erlaubt. „Unsere Aufgabe besteht darin, Angehörigen zu vermitteln, wie sie an ihre Angehörigen rankommen können“, erklärt die KAB-Leiterin einen Spagat, den ihre Mitarbeiterinnen im Ernstfall vollführen müssten. Bei Notwendigkeit ist die Zusammenarbeit mit anderen Kreisauskunftsbüros zu koordinieren.

Neun Mitarbeiterinnen des Güstrower Kreisauskunftsbüros sind die Schnittstelle für die Bürger. „Das ist sehr wenig“, weiß Anja Seyfert. Schließlich sei alles im Ehrenamt zu leisten, alle sind berufstätig, auch eine Rentnerin ist dabei. Da können bei einer Alarmierung auch nicht immer alle rechtzeitig da sein. „Eigentlich werden mindestens zwölf Leute benötigt, und natürlich können das auch Männer sein“, wirbt Anja Seyfert. Mindestens einmal monatlich trifft sich die 30-Jährige mit ihren Mitstreitern. Schließlich ist Schulung für den ehrenamtlichen Job nötig, hin und wieder auch eine Übung, um das Zusammenwirken zu proben. Wichtig sind ihr da auch die sozialen Kontakte untereinander. „Gerade im Ehrenamt ist das Zwischenmenschliche dem Zusammenspiel im Ernstfall förderlich“, betont die Leiterin des KAB.  

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